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25.11.2015

18:35 Uhr

Panne bei der EBA

Peinlicher Rechenfehler bei Banken-Test

Die Londoner EBA kämpft seit Jahren um ihre Reputation. Nun ist der EU-Bankenaufsichtsbehörde ein folgenschwerer Rechenfehler unterlaufen. Der hatte unter anderem Auswirkungen auf die Aktienkurse spanischer Banken.

Die Londoner EBA war bereits beim ersten Stresstest der Bankenbranche in der EU nach der Finanzkrise, für den sie verantwortlich war, in die Kritik geraten. dpa

Londoner Finanzdistrikt

Die Londoner EBA war bereits beim ersten Stresstest der Bankenbranche in der EU nach der Finanzkrise, für den sie verantwortlich war, in die Kritik geraten.

MadridDer obersten EU-Bankenaufsichtsbehörde ist bei der Prüfung der größten europäischen Geldhäuser ein folgenschwerer Rechenfehler unterlaufen. Die Londoner EBA musste am Mittwoch einräumen, dass sie die Kapitalpolster zahlreicher Banken zu gering ausgewiesen hat. Banken und nationale Aufseher hatten sie kurz nach der Veröffentlichung am Dienstagabend auf den Fehler hingewiesen. Besonders davon betroffen waren spanische Banken, für die die EBA in ihrer Transparenzstudie zunächst eine durchschnittliche Kernkapitalquote von neun Prozent nach dem harten Basel-III-Standard ausgewiesen hatte. Diese Zahl wurde später auf zehn Prozent nach oben korrigiert. „Das ist peinlich“, kritisierte ein deutscher Bankenaufseher.

Die unerwartet dünnen Kapitalpolster hatten vorübergehend auch die Aktienkurse spanischer Banken belastet. Für den Branchenprimus Santander hatte die EBA eine Quote von nur 7,94 Prozent errechnet, die Bank selbst hatte 9,83 Prozent genannt. Auch die entsprechenden Quoten für Institute in Ungarn, Österreich, Italien, Portugal und Slowenien wurden nachträglich nach oben korrigiert. Für die 105 größten europäischen Banken weist die EBA nun im Schnitt eine harte Kernkapitalquote von 12,0 Prozent aus, am Dienstag hatte sie 11,8 Prozent genannt.

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Für Großbanken gibt es strenge Kapitalvorschriften und die Finanzaufsicht überwacht die Geldhäuser engmaschig. Europäische Zentralbank und Bundesbank fürchten daher, das andere Spieler das Finanzsystem bedrohen könnten.

Passiert ist der Fehler offenbar bei der Umrechnung der Kapitalquoten auf den neuen Basel-III-Standard. Die Institute kommen derzeit in den Genuss von Übergangsregelungen, die aber in den nächsten Jahren sukzessive wegfallen. So werden künftig bestimmte Papiere nicht mehr als hartes Kernkapital anerkannt. Die Behörde hatte diese aber versehentlich doppelt von der Kapitaldecke abgezogen. Dabei seien die Zahlen dreimal geprüft worden, sagte ein Insider. Die EBA erklärte, die Kennziffer sei ohnehin nur zu Informationszwecken veröffentlicht worden.

Die Londoner Behörde kämpft seit Jahren um ihre Reputation. Sie war bereits beim ersten Stresstest der Bankenbranche in der EU nach der Finanzkrise, für den sie verantwortlich war, in die Kritik geraten. Die Aufsicht über die Großbanken in der Euro-Zone liegt inzwischen bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EBA ist nur noch für die Regulierungsvorschriften und deren einheitliche Umsetzung in der gesamten EU zuständig.

Von

rtr

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