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09.06.2011

06:30 Uhr

Papier des Finanzausschusses

Deutsche Banken stoßen griechische Anleihen ab

Beim Geld hört der europäische Zusammenhalt offenbar auf - zumindest bei vielen deutschen Banken und Versicherern. Die haben sich offenbar massenweise von griechischen Anleihen getrennt. Das belastet das Land erheblich.

Wie sehr hilft Europa Griechenland? Deutsche Finanzinstitute stoßen offenbar Anleihen ab. Quelle: dpa

Wie sehr hilft Europa Griechenland? Deutsche Finanzinstitute stoßen offenbar Anleihen ab.

Düsseldorf/Berlin/AthenDeutsche Versicherer und Banken haben sich Zeitungsberichten zufolge in großem Stil von griechischen Staatsanleihen getrennt. Die deutschen Versicherungsunternehmen halten laut einem Bericht der "Welt" nur noch 2,8 Milliarden Euro der Papiere. Das gehe aus einem internen Papier des Finanzausschusses des Bundestages hervor, das der Zeitung vorliege. An den gesamten Kapitalanlagen hätten damit griechische Anleihen nur noch einen Anteil von 0,22 Prozent. Vor einem Jahr habe die Anlagesumme noch bei 5,8 Milliarden Euro gelegen.

Der "Financial Times Deutschland" zufolge haben sich deutsche Banken seit Anfang Mai 2010 von rund einem Drittel ihrer griechischen Anleihen getrennt. Das gehe aus den Bundesbank-Zahlen zu den Auslandsforderungen der Institute gegenüber dem griechischen Staat hervor. Demnach hielten die Banken im Januar und Februar 2011 Anleihen Athens über 10,3 Milliarden Euro. Ende April 2010 seien es noch 16 Milliarden Euro gewesen.

Fachleute sehen in der Schieflage Griechenlands erhebliche Gefahren für die deutschen Finanzinstitute. Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, hält deshalb auch den harten Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen jedwede Form der Griechenland-Umschuldung für völlig gerechtfertigt. "Denn eine Umschuldung Griechenlands würde das griechische Bankensystem kollabieren lassen", sagte Horn Handelsblatt Online. "Damit wäre die EZB entsprechend ihrer Aufgabe, den Zahlungsverkehr im Euroraum zu sichern zu sichern sofort im Obligo, Stützungsmaßnahmen zu leisten."

Schließlich sei zu befürchten, dass die aus der Umschuldung resultierenden Abschreibungen im Finanzsektor "destabilisierende Schäden" verursachen. "Schlimmer noch sind die zu erwartenden Ansteckungseffekte in den übrigen Krisenländern, die der EZB weitreichende Stabilisierungsmaßnahmen für das europäische Bankensystem abverlangen dürften", warnte der IMK-Chef. "Diese richtigen Überlegungen sind der Grund für den Widerstand der EZB und nicht der Bestand an möglicherweise kritischen Staatspapieren in ihrem Bestand." Schließlich sei die EZB keine Privatbank, die jedes Jahr Gewinne ausweisen müsse.

Die EU-Schuldenkrise und die Folgen.

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Kommentare (24)

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Nachgedacht

09.06.2011, 07:34 Uhr

In den Chefetagen der Banken ist wieder Frackrausen angesagt. Die Zinsgier mit doppelten Boden hat diese in die Staatsanleihen getrieben, aber nun wo eine evtl. Haftung am Horizont erscheint, weißt man jede Verantwortung von sich und der "Dumme Deutsche Michel" soll dann zahlen. Wie doof ist das Volk, dass noch die Herren mit den Seidentüchern bewundert - Knastkleidung wäre m. E. angesagt !

A_Ru

09.06.2011, 07:46 Uhr

Dieser Artikel und dann noch ausgerechnet im Handelsblatt - Realsatire koennte kaum schoener sein. War es nicht ihre Zeitung, die letztes Jahr zusammen mit 20 "Experten" dazu aufrief, Griechenland-Anleihen zu kaufen? Wo bleibt da, angesichts der schon lange feststehenden Unfaehigkeit des Landes, seine Schulden ohne Schnitt je zurueckzahlen zu koennen, ihre Entschuldigung an den Leser? Und warum sollte der "europaeische Zusammenhalt" zu wahren sein, wenn es darum geht, offenbar verlusttraechtige Positionen aus den Buechern der Versicherer ud Banken zu entfernen, bevor alles noch schlimmer wird? Wuerden Sie einem Fondsmanager Geld geben, der seine Anlageentscheidungen nach hehren Solidaritaetsbekundungen mit potentiellen Pletiers ausrichtet? Seien wir doch froh, dass zumindest ein Teil der Banken vernuenftig handelt und die Papiere nicht bis zum endgueltigen Schuldenschnitt haelt (um sich dann,wie es wohl bei den Landesbanken oder Hypo Real Estate der Fall sein duerfte, mit den hohen Verlusten wieder beim Steuerzahler schadlos zu halten).

Account gelöscht!

09.06.2011, 07:57 Uhr

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff! nur der deutsche michel hat das Alles verdrängt oder will nicht kapieren, daß der Euro immer mehr den Bach runtergeht und an Realkaufkraft verlieren wird.

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