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22.07.2016

14:29 Uhr

Partnerschaft mit Visa

Mit Paypal im Laden zahlen

Der Online-Bezahldienst Paypal unternimmt einen Vorstoß, damit Kunden den Service künftig auch an den Kassen in Läden nutzen können. Per Smartphone sollen Einkäufe bezahlt werden können. Und so funktioniert's.

Das Visa-Logo einer Kreditkarte ist vor einem Logo des Online-Bezahldienstes Paypal zu sehen: Zukünftig sollen Nutzer auch im Laden zahlen können. dpa

Paypal schließt Partnerschaft mit Visa

Das Visa-Logo einer Kreditkarte ist vor einem Logo des Online-Bezahldienstes Paypal zu sehen: Zukünftig sollen Nutzer auch im Laden zahlen können.

San JoseDer Online-Bezahldienst Paypal will über eine Partnerschaft mit Visa auch ins Geschäft an den Ladenkassen vorstoßen. Mit dem Deal sollen Paypal-Kunden grundsätzlich an allen Karten-Terminals bezahlen können, die kontaktlose Zahlungen mit Visa-Karten unterstützen. Dieser Service soll zunächst nur in den USA verfügbar sein, für den Rest der Welt müssen noch die Vereinbarungen ausgehandelt werden.

Aktuell werden im Handel in großem Stil Lesegeräte für Kontaktlos-Zahlungen per NFC-Nahfunk eingeführt, die Umrüstung soll in den nächsten Jahren abgeschlossen werden. Damit kann bezahlt werden, indem man eine Bankkarte mit NFC-Chip beziehungsweise Smartphone oder Computer-Uhr ans Terminal hält. Auf dieser Basis funktionieren auch Smartphone-Bezahldienste wie Apple Pay auf iPhones oder Samsung Pay auf Smartphones des südkoreanischen Marktführers sowie Android Pay.

Was für das Bargeld spricht

Die Anonymität des Bargelds...

...ermöglicht es den Bürgern, auch den gesetzestreuen, einen Rest Privatsphäre zu bewahren, der nicht der vollständigen Überwachung oder Überwachbarkeit unterliegt.

Die Zinslosigkeit des Bargelds...

...ist der wichtigste Grund, warum die Notenbanken mit ihren Leitzinsen nicht beliebig weit in den negativen Bereich gehen können. Wer die jetzigen Niedrigzinsen der Notenbanken schon als gefährlich oder als eine Form der kalten Enteignung ansieht, wird froh sein, dass das Vorhandensein von Bargeld eine Zinsuntergrenze setzt.

Die gesellschaftlichen Kosten von Bargeld...

....als Zahlungsmittel, also die Kosten bei allen Beteiligten zusammengerechnet, sind nach einer Untersuchung der Europäischen Zentralbank in den meisten Ländern niedriger als die unbarer Bezahlformen.

Der Insolvenzschutz...

...den Bargeld genießt, weil die Notenbank, die es emittiert, nicht Pleite gehen kann, hebt es vom Buchgeld der Geschäftsbanken ab. Wenn eine Geschäftsbank  insolvent wird, können Buchgeld-Guthaben verloren gehen, oder sie werden, wie im Fall Zypern geschehen, im Zuge der Rettung der Banken zusammengestrichen.

Was gegen Bargeld spricht

Die Anonymität...

...des Bargeldes ermöglicht es, ohne elektronische Spuren kriminelle Geschäfte abzuwickeln oder Steuern zu hinterziehen.

Die Zinslosigkeit

...des Bargelds ist der wichtigste Grund, warum die Notenbanken mit ihren Leitzinsen nicht beliebig weit in den negativen Bereich gehen können. Das sehen einige Ökonomen kritisch, da es die Möglichkeiten der Geldpolitik beschränkt. Schon bei einem Zins von minus 0,75 Prozent soll es billiger sein, Bargeld vollversichert im Tresor lagern zu lassen, anstatt es als Bankguthaben vorzuhalten.

Die Kosten des Handlings...

...von Barzahlungen können für manche Empfänger deutlich höher sein als alternative Bezahlformen.

Für Paypal ist es der bisher größte Vorstoß, auch zum Bezahlen in Läden genutzt zu werden. Technisch ist es so, dass Visa seinem Partner Paypal Zugang zu seinem „Tokenisierungs“-Service gewährt, bei dem eine Art Fingerabdruck von Zahlungsmitteln für sichere Transaktionen erstellt wird. Visa-Karten können damit in die digitale Paypal-Brieftasche im Smartphone integriert werden. Im Laden soll per Paypal aber nicht nur mit den eingebundenen Visa-Karten bezahlt werden können, sondern auch über andere mit dem Konto des Online-Dienstes verbundene Geldquellen, wie Paypal-Chef Dan Schulman in einer Telefonkonferenz mit Analysten betonte.

Paypal und Visa beendeten damit auch einen langjährigen Konflikt. Visa war unzufrieden damit, dass Paypal Kunden dazu verleitete, ihre Accounts beim Online-Dienst direkt mit ihren Bankkonten statt mit ihren Kreditkarten zu verbinden. Dem Konzern entging so Geschäft. Zugleich rückte Visa selbst ins Geschäft mit Online-Zahlungen und digitalen Brieftaschen vor und machte damit Paypal Konkurrenz.

Der Deal werde die Umsätze mit Visa-Karten erhöhen, sagte der Chef des Kreditkarten-Konzerns, Charles Scharf. Zu der Vereinbarung gehört auch, dass Paypal den Banken, die Visa-Karten ausgeben, mehr Daten über Transaktionen geben wird. Es gab keine Angaben dazu, wann die Vereinbarung auf den Rest der Welt ausgeweitet werden könnte. „Ich denke, wir sind beide in einer Position, in der wir unsere Aufmerksamkeit auch auf die Märkte außerhalb der USA richten würden, aber wir wollten erst den US-Deal abschließen“, sagte Scharf.

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Die beiden Unternehmen legten gleichzeitig aktuelle Quartalszahlen vor. Paypal gab bekannt, dass die Zahl aktiver Kunden im vergangenen Quartal um elf Prozent auf 188 Millionen zugelegt hat. Der Umsatz wuchs um 15 Prozent auf 2,65 Milliarden Dollar und der Gewinn kletterte um sechs Prozent auf 323 Millionen Dollar. Die Firma gehörte bis vor einem Jahr zur Handelsplattform Ebay und ist seitdem eigenständig.

Bei Visa drückte im vergangenen Quartal die Integration des Europa-Geschäfts den Gewinn. Im vergangenen Quartal verdiente der Finanzkonzern 412 Millionen Dollar. Dabei schlugen die Belastungen im Zusammenhang mit der Eingliederung von Visa Europe mit knapp 1,9 Milliarden Dollar zu Buche. Im Vorjahresquartal hatte es noch einen Gewinn von 1,7 Milliarden Dollar gegeben. Der Umsatz wuchs unterdessen um 3,2 Prozent auf 3,63 Milliarden Dollar.

Von

dpa

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