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26.01.2010

17:05 Uhr

Partnersuche

Österreichs Volksbank schafft es nicht allein

VonStefan Menzel, Yasmin Osman

Die angeschlagene Österreichische Volksbank ist auf der Suche nach einem strategischen Partner. Deutsche Anteilseigner werden sich an der Kapitalerhöhung wahrscheinlich nicht beteiligen.

WIEN/FRANKFURT. Das Kreditinstitut teilte am Dienstag in Wien mit, dass die Investmentbank Lazard damit beauftragt worden sei. Eine Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen. In Österreich wird die Raiffeisen-Gruppe als Favorit für einen Einstieg bei der Volksbank gehandelt.

Die Volksbank ist in der Alpenrepublik die viertgrößte Bank. Bis zum Ende des dritten Quartals 2009 hatte das Unternehmen bereits einen Verlust von gut 600 Mio. Euro aufgetürmt. Auch in den zurückliegenden Wochen hat sich die Lage nicht wesentlich verbessert. Größter Eigentümer des Wiener Institut sind regionale Volksbanken aus Österreich mit knapp 60 Prozent der Anteile. Die Frankfurter DZ Bank hält 25 Prozent, die Düsseldorfer Ergo-Versicherungen zehn Prozent.

Die Volksbank kündigte am Dienstag für 2010 die "Prüfung und Umsetzung weiterer strategischer Optionen" an. Das kapitalschwache Institut denkt dabei an erster Stelle an Finanzhilfen seiner Eigentümer. Volksbank-Vorstandschef Gerald Wenzel hatte bereits im vergangenen Jahr angedeutet, dass es 2010 eine Kapitalerhöhung über 400 Mio. Euro geben könnte.

Die beiden deutschen Volksbank-Miteigentümer stehen diesen Plänen zur Kapitalerhöhung eher reserviert gegenüber. "Kein Kommentar", hieß es gestern gleichlautend bei der DZ Bank in Frankfurt und bei der Ergo in Düsseldorf. In Finanzkreisen gilt es als vergleichsweise sicher, dass sich zumindest die DZ Bank nicht an einer Kapitalerhöhung beteiligen wird. Das deutsche Institut würde sich bei eine anstehenden Kapitalerhöhung wahrscheinlich verwässern lassen und damit in Kauf nehmen, dass ihr Anteil deutlich unter die 25-Prozent-Grenze fällt.

Die Raiffeisen-Gruppe, die in der Alpenrepublik immer wieder als potenzieller Partner der Volksbank genannt wird, verneint bislang offiziell jedes Interesse an dem kleineren Institut. Hinter den Kulissen könnte es jedoch eine vorsichtige Annäherung beider Seiten geben. Raiffeisen ist bisher mit sechs Prozent an der Volksbank beteiligt, hat das jedoch ausschließlich als Finanzbeteiligung gesehen.

Nach dem Fast-Zusammenbruch der Hypo Alpe Adria Ende vergangenen Jahres hat insbesondere die Politik kein Interesse daran, dass der Ruf des Finanzplatzes Österreich noch weiter Schaden nimmt. Von daher gilt es in Wien durchaus als wahrscheinlich, dass die Politik die Raiffeisen-Gruppe zu einer Übernahme der angeschlagenen Volksbank drängt.

Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) sieht die Banken des Landes noch nicht über den Berg. Nach Meinung der Finanzaufseher müssen sich die Institute in diesem Jahr auf massive Verluste im Kreditgeschäft einstellen. Die FMA-Vorstände Kurt Pribil und Helmut Ettl rieten den Banken gestern, auf "üppige Dividenden zu verzichten und das Eigenkapital aufzustocken".

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