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26.09.2012

09:45 Uhr

Paul Achleitner

„Der Eindruck, die Banken hätten nichts gelernt, ist falsch“

VonNicole Bastian, Peter Köhler, Gabor Steingart

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank hält die Libor-Affäre für eine Katastrophe für die Branche. Im Interview erklärt er, warum die Aufklärung des Skandals und die Umsetzung des Kulturwandels noch Zeit braucht.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Paul Achleitner, verspricht eine Aufklärung des Libor-Skandals. dpa

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Paul Achleitner, verspricht eine Aufklärung des Libor-Skandals.

Handelsblatt: Herr Achleitner, der Eigenhandel der Banken, das Spekulieren um des Spekulierens willen, gilt als Mitverursacher der Finanzkrise. Andererseits wurden hier Milliardengewinne erzielt. Was wurde aus dem Eigenhandel bei der Deutschen Bank?
Paul Achleitner: Der Eigenhandel ohne Kundenbezug wurde 2009 von Herrn Jain dichtgemacht. Das war lange vor meinem Start hier.

Wie definieren Sie Eigenhandel mit Kundenbezug?
Wenn Sie als mittelständischer Unternehmer zu mir kommen und gerne Zloty wollen, dann möchten Sie, dass ich Ihnen die Zloty direkt gebe, und nicht, dass ich sage: „Okay, ich bemühe mich, von jemandem Zloty zu bekommen, und dann melde ich mich wieder.“ Also nehme ich die Transaktion als Bank erst einmal auf mein Buch – das ist Eigenhandel, allerdings mit Kundenbezug. Oder: Ein Industrieunternehmen möchte eine Kapitalerhöhung machen und wünscht sich von der Bank die Garantie, dass die Aktien zu einem gewissen Wert platziert werden. Auch das ist, wenn Sie so wollen, eine Art von Eigenhandel, wieder mit Kundenbezug.

Die Aufarbeitung dieser enthemmten und weitgehend unregulierten Zeit findet weltweit nun vor den Gerichten statt. Fluch oder Segen?
Beides! Einerseits ist der Kulturwandel viel weiter fortgeschritten, als die Leute denken. Die juristische Aufarbeitung ist uns Mahnung und Ansporn. Andererseits haben wir das Problem, dass eine ganze Reihe von Themen aus dieser Zeit erst jetzt aufgearbeitet wird.

... Libormanipulation, Zinswetten und verbriefte Immobilienkredite, die sich als weitgehend wertlos entpuppten ...
... und so entsteht der Eindruck, die Banken hätten überhaupt nichts gelernt. Und das ist grundfalsch.

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Die Architekten dieser fragwürdigen Produkte, um die es in den Gerichtssälen geht, sind noch bei Ihnen beschäftigt. Ein Hemmnis für den Kulturwandel?
Ich will der Tatsache an sich gar nicht widersprechen. Aber: Generell werden Sie den Kulturwandel nicht hinkriegen mit jemandem, der der Kultur fremd ist und sich hinstellt und predigt, dass die Kultur jetzt geändert wird. Sondern das werden Sie nur mit denen hinkriegen, die intern die Glaubwürdigkeit besitzen. Es bedarf einer Erkenntnis, und die ist in diesem Hause sehr weit fortgeschritten.

Wie viele Menschen sind damit beschäftigt in der Bank?
Wenn Sie neue zusätzliche Controller und Risikomanager hinzurechnen, dann sind es sicher Hunderte. Allein mit dem Durchforsten der 50 Millionen E-Mails im Zusammenhang mit der Libor-Problematik sind über 100 Mitarbeiter beschäftigt.

Wann wird die Libor-Affäre aufgeklärt sein?
Bis die zuständigen Behörden und die Banken dieses Thema vollständig aufgearbeitet haben, wird sicherlich noch einige Zeit vergehen. Ich kann Ihnen jetzt keine Frist nennen.

Haben Sie alle Beteiligten identifiziert, und haben die die Bank verlassen?
Solange der Sachverhalt nicht vollständig aufgeklärt ist, kann diese Frage niemand abschließend beantworten. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir auch hier auf dem richtigen Weg sind.

Werden auch die E-Mails des Vorstands durchforstet?
Absolut, auch die des ehemaligen Vorstands. Dies ist bereits geschehen, und daher wissen wir, dass von den jetzigen und früheren Vorstandsmitgliedern keins in das Thema verwickelt war.

Dies ist ein Ausschnitt aus dem ersten Interview, das Paul Achleitner seit seinem Amtsantritt als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank gegeben hat. Lesen Sie das vollständige Gespräch in der heutigen Ausgabe des Handelsblatts als E-Paper.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

26.09.2012, 10:04 Uhr

Dieser Spruch taugt für jede Büttenrede.

Die sind so schlau als wie zuvor! Sie haben gelernt, daß der Steuerzahler alles zahlt!
Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste werden sozialisiert! Das ganze wird dann von einigen Deppen noch als "sozialistisch" bezeichnet!

Account gelöscht!

26.09.2012, 10:18 Uhr

Keine Volksreden halten,sondern handeln.Wir werden sehr schnell feststellen ob sich etwas geändert hat.
Ich habe allerdings unabhängig davon meine Konsequenzen gezogen und mein Geld nicht mehr bei Banken angelegt.Auch Versicherungen haben sich durch ihre Menschen verachtende Haltung disqualifiziert.

Motzer

26.09.2012, 10:42 Uhr

Natürlich haben die Banken gelernt. Wie man ohne eigenes Risiko zu Lasten der Steuerzahler Geld macht!

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