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30.03.2016

11:47 Uhr

Paul Achleitner

Katar stützt Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef

VonMichael Maisch

Großaktionäre sind mit Deutsche-Bank-Chefaufseher Achleitner unzufrieden, weil er zu lange an dem alten Führungsduo Jain und Fitschen festgehalten habe. Jetzt stellt sich die Herrscherfamilie Katars hinter den Mann.

Gute Nachrichten kann die Deutsche Bank zur Zeit sehr gut gebrauchen. picture alliance / Sven Simon

Paul Achleitner

Gute Nachrichten kann die Deutsche Bank zur Zeit sehr gut gebrauchen.

FrankfurtEs sind nur wenige dürre Worte, aber sie sind Gold wert für Paul Achleitner und die Deutsche Bank. „Die Führungsqualität von Dr. Achleitner bleibt ein wichtiger Faktor für die Investment-Entscheidung und das Vertrauen von Paramount“, mit diesen Worten stärkt die Herrscherfamilie von Katar dem unter Druck geratenen Aufsichtsratschef der Deutschen Bank den Rücken.

Und die Kataris werden noch deutlicher: Es sei nicht im Interesse der Aktionäre, wenn Achleitner seinen Posten mit Vertragsablauf 2017 aufgebe.

Paramount Services ist eines von zwei Investment-Vehikeln, über die Katar 6,1 Prozent an der Deutschen Bank hält. Dahinter stehen Scheich Hamad bin Jassim bin Jaber Al-Thani und sein Cousin Hamad bin Khalifa Al-Thani. Hinter dem US-Fondsriesen Blackrock mit einem Anteil von 6,5 Prozent sind sie zweitgrößter Aktionär der Deutschen Bank, ihre Stimme hat also Gewicht, zumal sich das Herrscherhaus des Golf-Emirats nur selten zu seinen Beteiligungen äußert. 

Die Mitteilung aus Katar könnte der Deutschen Bank eine ähnlich chaotische Hauptversammlung wie im vergangenen Jahr ersparen. Damals hatten die Investoren dem Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen mit einem miserablen Abstimmungsergebnis das Vertrauen entzogen. Jain musste nur wenige Wochen später zurücktreten, Fitschen bleibt nur noch bis zum nächsten Aktionärstreffen am 19. Mai an Bord, ab da übernimmt der neue Vorstandschef John Cryan endgültig alleine das Ruder.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Die Skandalbank

Zahlreiche Skandale haben den Ruf der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren beschädigt. Das Institut musste für frühere Verfehlungen seit 2012 bereits rund zwölf Milliarden Euro zahlen, und die Liste der offenen Rechtsstreitigkeiten ist noch lang. Der neue Konzern-Chef John Cryan stellt sich darauf ein, dass die juristischen Altlasten die Bank noch lange beschäftigten werden. Derzeit hat die Bank dafür 4,8 Milliarden Euro zur Seite gelegt. Ein Überblick über die bedrohlichsten Fälle:

Russland

In der Moskauer Handelssparte soll es bis vor kurzem unsaubere Geschäfte gegeben haben. Die Ermittlungen könnten große Sprengkraft haben. So haben US-Behörden laut „Financial Times“ ihre Untersuchungen ausgeweitet und gehen nun auch dem Verdacht auf Verstöße gegen die aktuellen politischen Sanktionen nach. Bislang ging es vor allem um mögliche Geldwäsche. Das Gesamtvolumen verdächtiger Geschäfte soll bei sechs Milliarden Dollar liegen. Die Bank hat in diesem Zusammenhang einige Mitarbeiter suspendiert.

Embargos

Die USA gingen bei Sanktionsvergehen zuletzt wenig zimperlich mit Finanzkonzernen um. Die BNP Paribas bekam für Verstöße gegen US-Sanktionen bei Geschäften mit Staaten wie dem Iran eine Zahlung von umgerechnet knapp neun Milliarden Dollar aufgebrummt. Die Deutsche Bank wartet wegen ähnlicher Vorwürfe noch auf einen Einigung mit den US-Behörden.

Hypotheken

Die US-Behörden gehen wegen krummer Hypothekengeschäfte aus Zeiten vor der Finanzkrise weiter hart gegen Banken vor. Während die US-Institute inzwischen den größten Teil der Verfahren gegen hohe Milliardenzahlungen ausräumen konnten, laufen die Ermittlungen zur Rolle der Deutschen Bank noch.

Libor und Euribor

Über Jahre manipulierten Mitarbeiter mehrerer Großbanken die wichtigen Referenzzinsen für das Geldgeschäft der Banken untereinander. Auch einige Deutsche-Bank-Mitarbeiter machten mit. Ende 2013 brummte die EU-Kommission dem deutschen Branchenprimus deshalb eine Strafe von 725 Millionen Euro auf. Im April 2015 legten die Behörden in den USA und Großbritannien nach: Dort muss die Bank die Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Es laufen noch Zivilverfahren, bei denen Unternehmen und Privatleuten Schadenersatz durchsetzen wollen.

Devisen und Rohstoffe

Weltweit laufen Ermittlungen wegen mutmaßlicher Manipulationen wichtiger Kennzahlen - von Devisenkursen bis hin zu Preisen von Gold und Silber. Zu diesen Themen sind in den USA Sammelklagen anhängig, in denen auch die Deutsche Bank Beklagte ist.

Kirch

Die im Februar 2014 vereinbarte 925-Millionen-Euro-Zahlung an die Kirch-Erben sollte das Kapitel um die Mitverantwortung der Bank für die Pleite des Medienkonzerns 2002 endlich abschließen. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen Co-Chef Jürgen Fitschen und vier ehemalige Topmanager des Frankfurter Geldhauses. Sie wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug vor: Die Manager sollen im Zivilverfahren um Kirchs Schadenersatzforderungen versucht haben, die Richter zu täuschen, um Zahlungen der Bank zu verhindern. Die Angeklagten bestreiten dies, seit Ende April läuft der Prozess.

Während sich der Unwillen der Aktionäre bei der vergangenen Hauptversammlung vor allem auf die Doppelspitze des Vorstands konzentrierte, drohte dieses Mal Chefaufseher Achleitner unter Beschuss zu geraten. Bereits zu Jahresbeginn hatten Großaktionäre den Druck auf den ehemaligen Goldman-Sachs-Banker und Allianz-Vorstand erhöht, der seit 2012 die Deutsche Bank kontrolliert.

„Aus unserer Sicht ist es nicht die Frage, ob die Deutsche Bank einen neuen Aufsichtsratschef braucht, sondern wann“, erklärte ein wichtiger Anteilseigner dem Handelsblatt Anfang Februar. „Wir müssen über einen Neuanfang im Kontrollgremium sprechen“, hieß es bei einem anderen.

Grund für die Unzufriedenheit: Achleitner habe zu lange am alten Führungsduo Jain und Fitschen sowie deren Strategie einer globalen Universalbank festgehalten. Allerdings wollen auch diese Kritiker einen geordneten Übergang und plädieren deshalb dafür, dass der 59jährigen Österreicher auf jeden Fall seinen bis 2017 laufenden Vertrag erfüllt.

Das letzte was die Bank jetzt brauchen könne, sei eine Führungskrise, hieß es zuletzt. Allerdings drohte die Diskussion um Achleitner eine bedrohliche Eigendynamik zu gewinnen. Mit ihrer Erklärung reagiert die Paramount Holding auf einen  Bericht des „Manager Magazins“, wonach Katar auf einen raschen Wechsel an der Aufsichtsratsspitze dränge. Der Bericht sei dazu angetan, Unsicherheit zu erzeugen, begründete Paramount die ungewöhnliche öffentliche Rückendeckung für Achleitner.

Ist Achleitner ein guter Chefaufseher für die Deutsche Bank?

Die Deutsche Bank steht unter Cryan erneut vor einem radikalen Umbau. Durch die teure Restrukturierung und diverse Altlasten fiel im vergangenen Jahr ein Rekordverlust von fast sieben Milliarden Euro an. Die Dividende für 2015 und 2016 fällt aus, und die Bank hat die Investoren auf ein schwaches erstes Quartal und einen möglichen leichten Verlust im Gesamtjahr Zuletzt verschreckte die Achterbahnfahrt der Aktie viele Großinvestoren nachhaltig.

Mitte Februar war der Kurs auf ein neues Allzeittief eingebrochen. Auch wenn sich der Kurs inzwischen wieder etwas erholt hat, steht seit Jahresbeginn ein Minus von über 25 Prozent zu Buche. Am Mittwochmorgen reagierte die Aktie mit Kursgewinnen auf die Nachricht aus Katar, inzwischen liegt die Aktie aber nur noch mit 0,7 Prozent im Plus.

Kommentare (1)

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Herr J.-Fr. Pella

30.03.2016, 13:05 Uhr

......Herr Achleitner.......
Nicht nur Herr Achleitner hat im Aufsichtsrat gepennt, sondern auch viele weitere
Aufsichtsratmitglieder.
Meiner Meinung nach gilt für alle Aufsichtsräte bei allen AG`s.
Man kann nicht Diener z w e i e r Herren sein.

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