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14.08.2014

14:31 Uhr

Pfandbriefbank PBB

Cheflose HRE-Nachfolgerin plant Privatisierung

Das Neugeschäft macht der Nachfolgerin der Pleitebank Hypo Real Estate immer mehr Freude. Der Zinsüberschuss der PBB wächst – und damit auch der Gewinn. Doch die Herausforderungen werden nicht kleiner.

PBB-Kugelschreiber: Ohne eine Nachfolgerin für Manuela Better, aber trotzdem im Zielkorridor. dpa

PBB-Kugelschreiber: Ohne eine Nachfolgerin für Manuela Better, aber trotzdem im Zielkorridor.

MünchenBei der HRE-Nachfolgerin Pfandbriefbank PBB laufen die Vorbereitungen für die anstehende Privatisierung an. Zusammen mit der US-Bank Citigroup, die als Berater mandatiert wurde, werden in den kommenden Wochen in enger Abstimmung mit dem Bund die verschiedenen Optionen - Verkauf oder Börsengang - ausgelotet, wie Finanzchef Andreas Arndt am Donnerstag sagte. Wegen der Staatshilfen in der Finanzkrise muss die PBB auf Geheiß der EU bis spätestens Ende 2015 den Besitzer wechseln. Ein deutlicher Gewinnsprung zum Halbjahr und ein florierendes Neugeschäft dürften dem Immobilienfinanzierer dabei Rückenwind verleihen - hofft das Management.

„Wir liefern das, was wir versprochen haben“, kommentierte Arndt die Zwischenbilanz. Zur Jahresmitte ist die Hälfte des angepeilten Vorsteuerergebnisses von mindestens 140 Millionen Euro bereits geschafft. Allein im zweiten Quartal stieg das Ergebnis um 45 Prozent auf 45 Millionen Euro.

Dabei profitierte die PBB vor allem von einem höheren Zinsüberschuss, weil das Neugeschäft nach eigenen Angaben immer mehr abwirft. Insgesamt reichte die Bank im Quartal Darlehen über 2,7 (Vorjahr: 1,8) Milliarden Euro aus, auch wenn der Wettbewerb anzieht. Darüber hatte in dieser Woche auch die Rivalin Aareal Bank geklagt.

Die Eigenkapitalrendite lag per Ende Juni bei 4,3 Prozent nach Steuern - deutlich über dem Vorjahreswert von 2,5 Prozent, aber noch weit entfernt von den „Richtung acht Prozent“, auf die sie nach früheren Aussagen steigen soll. Der Wert ist zwar nur eine Hochrechnung auf das Gesamtjahr, für potenzielle Investoren aber trotzdem von großer Bedeutung. Gerade Immobilienbanken mit ihren großvolumigen und langlaufenden Kreditbeständen lassen sich seit der Krise nur schwer verkaufen. Die PBB finanziert auch öffentliche Infrastrukturprojekte.

Die Hypo Real Estate (HRE) stand in der Finanzkrise vor dem Aus und konnte nur dank staatlicher Hilfen im Volumen von zeitweise mehr als 100 Milliarden Euro gerettet werden. Ex-Chef Georg Funke muss nun einen Strafprozess fürchten. Die gefährlichsten Wertpapiere und Kredite wurden an die „Bad Bank“ FMS Wertmanagement ausgelagert, um mit der PBB einen Neuanfang zu wagen.

Das Erbe der Hypo Real Estate

Die Hypo Real Estate (HRE) hat wie kaum eine andere deutsche Bank das Bild der weltweiten Finanzkrise hierzulande geprägt. Die Münchner Immobilienbank, vor der Rettung durch den Staat ein eher heimlicher Star der obersten Börsenliga Dax, feilt unter neuem Namen an ihrer Zukunft. Die Risiken verwalten inzwischen andere. Fragen und Antworten zum Zustand der HRE und ihrer Altlasten.

Was ist die HRE?

Die Hypo Real Estate ist eine Immobilienbank. Solche Banken verdienen ihr Geld mit der Finanzierung von Bauprojekten. Sie leihen etwa Firmen Geld, die beispielsweise ein Einkaufszentrum bauen. Das Kapital beschafft sich die Bank dann etwa über die Ausgabe von Anleihen, leiht es sich also bei Investoren. Die HRE, nach einer wechselvollen Vorgeschichte als Abspaltung der Münchner Hypo-Vereinsbank entstanden, galt vor der Finanzkrise als solides Unternehmen. Die Aktie war ab 2005 im Dax notiert. 2007 übernahm die HRE die irische Depfa für fast 5,7 Milliarden Euro. Der Großeinkauf sollte der HRE den Zugang zu staatlichen Projekten verschaffen. Die Freude über das Geschäft währte allerdings nur kurz.

Was ging schief?

Banken brauchen für ihr Alltagsgeschäft kurzfristig viel Geld, das sie sich etwa bei anderen Banken auf dem sogenannten Interbankenmarkt leihen, manchmal nur für einen Tag. Grundlage für dieses Geschäft ist Vertrauen. Lange funktionierte das. Die Finanzkrise und die Pleite der Investmentbank Lehman veränderten alles. Die Banken misstrauten einander und es wurde immer schwieriger, sich Geld zu besorgen. Für das riskante Modell der Depfa ein Riesenproblem, denn die Depfa hatte ihre langfristigen Ausleihungen sehr kurzfristig refinanziert. Das Modell brach 2008 zusammen - und riss die HRE beinahe in den Abgrund.

Was passierte dann?

Am 28. September 2008 wurde die Notlage öffentlich. Es schlossen sich hektische Tage und Wochen an. Um den Zusammenbruch der HRE abzuwenden, schnürten Bund und Banken eilig ein erstes Rettungspaket, doch das Geld reichte nicht, es folgte ein aufgestocktes Paket mit Garantien von 50 Milliarden Euro. Am 20. März 2009 beschloss der Bundestag ein auf die HRE gemünztes Gesetz, das die Verstaatlichung maroder Banken als letzte Option vorsieht. Anfang Oktober 2009 drängte der Bund auch die letzten Aktionäre aus der Bank.

Was macht die HRE heute?

Die Bank gehört noch immer dem Staat. Doch der Bund muss die HRE bis 2015 wieder privatisieren, sprich verkaufen. Das hat die EU im Gegenzug für die Staatshilfen in einem Beihilfeverfahren entschieden. Seit einiger Zeit bastelt die Bank an ihrem zweiten Leben. Ihre Geschäfte wickelt die HRE über ihre Tochter Deutsche Pfandbriefbank (PBB) ab, die inzwischen der strategische Kern des HRE-Konzerns ist. 2013 übertraf die PBB das Ziel eines Vorsteuergewinns von 150 Millionen Euro deutlich. In der Bilanz steht auch dank eines Sondereffekts nun ein Plus vor Steuern von 165 Millionen Euro. 2012 waren es noch 124 Millionen Euro gewesen.

Gibt es keine teuren Altlasten?

Doch, die gibt es. Aber sie liegen inzwischen nicht mehr bei der HRE. Der Problemfall Depfa gehört zwar noch zum Konzern, doch die vielen Risikopapiere sind die HRE und ihre Töchter los. Im Rahmen ihres Umbaus wollen die Münchner die Depfa in diesem Jahr verkaufen - und es gibt mehr als einen Interessenten. Wer sie kriegt, ist offen.

Und wo sind die Altlasten dann?

Das Zauberwort heißt Bad Bank, zu deutsch etwa Schlechte Bank. Der offizielle Name ist weniger griffig und möglicherweise ein wenig irreführend: FMS Wertmanagement (FMSW). In einer beispiellosen Aktion wurden im Oktober 2010 risikoreiche Altlasten im nur schwer vorstellbaren Buchwert von rund 170 Milliarden Euro von der HRE in die eigens gegründete Bad Bank ausgelagert. Dabei sind etwa bislang kaum verkäufliche Finanzierungen etwa für Mautbrücken oder Tunnel. Die Aufgabe der FMSW: Diese Papiere möglichst mit Gewinn verkaufen.

Wer muss für die Verluste bezahlen, wenn das nicht klappt?

Die Bad Bank gehört zur Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA), die den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung, Soffin, verwaltet. Am Ende der Kette haftet der Staat, also der Steuerzahler. Wie die Bilanz der FMSW für 2013 aussieht, ist noch offen. 2012 schaffte die Bad Bank sogar einen kleinen Gewinn von 37 Millionen Euro und kündigte an, dass ohne Sonderbelastungen 2013 ähnliches möglich sei. Im Jahr 2011 hieß die Sonderbelastung Griechenland - und kostete die Abwicklungsanstalt fast neun Milliarden Euro.

Die Vorzeichen für eine Privatisierung könnten allerdings besser sein: Denn auch für die Schwestergesellschaft, den irischen Staatsfinanzierer Depfa, hatte es mit Unterstützung der Citigroup einen Bieterprozess gegeben. Am Ende entschied sich der Bund als Eigner aber gegen einen Verkauf und stattdessen dafür, die Depfa-Bestände in der staatlichen „Bad Bank“ auslaufen zu lassen. Das sei für den Steuerzahler das bessere Geschäft, hieß es zur Begründung. Die Chefin der HRE und der PBB, Manuela Better, fühlte sich düpiert - und warf im Juni im Streit mit dem Bund hin. Sie hatte im Depfa-Verkauf eine Blaupause für die PBB gesehen.

Wer auf Better nachfolgt, ist weiter unklar. Die PBB äußerte sich dazu am Donnerstag nicht. Medienberichten zufolge hat Finanzchef Arndt gute Chancen, die Geschäfte nicht nur übergangsweise, sondern dauerhaft zu leiten. Finanzkreisen zufolge waren ursprünglich aber zwei Kandidaten im Gespräch.

Von

rtr

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