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26.05.2016

13:35 Uhr

Piraeus Bank

Griechische Großbank strebt schwarze Zahlen an

Die griechische Priaeus Bank will nach einem Milliardenverlust 2015 in diesem Jahr wieder Gewinne schreiben. Dabei hofft das Institut hofft auch auf indirekte Hilfe durch die EZB.

Das griechische Finanzinstitut will dieses Jahr die Ertragswende schaffen. dpa

Piraeus Bank

Das griechische Finanzinstitut will dieses Jahr die Ertragswende schaffen.

AthenDie angeschlagene griechische Piraeus Bank peilt für 2016 die Rückkehr in die Gewinnzone an. "Wir erwarten einige Hundert Millionen an Ertragskraft in diesem Jahr", sagte Konzernchef Michael Salas am Donnerstag am Rande der Hauptversammlung des Instituts in Athen. Zudem würden die notleidenden Kredite deutlich sinken. Sie stellten Ende des ersten Quartals noch rund 40 Prozent aller Darlehen dar. "Der Höhepunkt der faulen Kredite liegt definitiv hinter uns", so Salas. Das Geldhaus hat seinen Verlust zwischen Januar und März auf 37 Millionen Euro reduziert, nach einem Minus von 1,24 Milliarden Ende 2015. Das Institut stellte dabei mit 289 Millionen Euro 79 Prozent weniger für faule Kredite zurück.

Griechenlands Bankenlandschaft

Die wichtigsten Banken

In Griechenland gibt es vier große Geldhäuser - die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Eurobank und die Alpha Bank. Sie stehen für rund 95 Prozent des Marktes. Ihr Börsenwert liegt zusammengefasst bei 8,6 Milliarden Euro. Das entspricht 21 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung an der griechischen Börse. Bank-Aktien haben in Athen seit Jahresbeginn wegen des sich verschärfenden Schuldenstreits mit den internationalen Geldgebern rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Einlagen

Die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen bei griechischen Banken betrugen Ende Februar 140,5 Milliarden Euro - 12,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allein von Dezember bis Februar wurden Guthaben im Volumen von 25,4 Milliarden Euro abgezogen. Wegen der Abflüsse waren die Geldhäuser gezwungen, verstärkt Notfall-Hilfen (ELA) ihrer heimischen Notenbank und direkte Liquiditätsspritzen der EZB in Anspruch zu nehmen.

Finanzierung durch das Eurosystem

Die Finanzierung griechischer Banken durch die EZB, bei der Sicherheiten verlangt werden, hatte Ende März ein Volumen von 38,67 Milliarden Euro. Die ELA-Hilfen durch die Athener Notenbank summierten sich zudem auf 68,6 Milliarden Euro. Hellas-Banken nutzen diesen Weg verstärkt, seitdem die EZB sie ab Mitte Februar von der direkten Finanzierung ausgeschlossen hat. Die EZB hatte damals eine Sonderregel gekippt, die griechischen Banken bis dahin erlaubte, auch bonitätsschwache Staatsanleihen des Landes als Pfand für frisches Zentralbankgeld zu hinterlegen.

Die Versorgung über ELA-Hilfen der Athener Notenbank ist für Banken teurer als die direkte Finanzierung durch die EZB. Zuletzt hatte die EZB eine Aufstockung des ELA-Rahmens um 1,5 Milliarden auf 75,5 Milliarden Euro genehmigt.

Sicherheiten

Griechische Banken setzen bei der Liquiditätsversorgung als Sicherheiten unter anderem Staatsanleihen, kurzfristige Geldmarktpapiere (sogenannte T-Bills), von der Regierung garantierte Bank-Anleihen und Kredite ein. Die Banken besaßen im Februar solche Pfänder im Umfang von zusammen rund 50 Milliarden Euro. Inzwischen ist dieser Puffer auf rund 40 Milliarden Euro gesunken.

Griechische Staatsanleihen

Hellas-Banken haben rund fünf Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen investiert. Das entspricht nur 1,4 Prozent ihrer Bilanzsumme. Darüber hinaus besitzen sie kurzfristige T-Bills im Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro. Aktuell wird für bonitätsschwache griechische Papiere, welche die Banken als Pfänder für ELA-Hilfen einsetzen, nach Angaben von Bankern und Analysten aus Sicherheitsgründen ein Wertabschlag (Haircut) von 32 bis 35 Prozent vorgenommen.

Salas ergänzte, griechische Geldhäuser könnten nach der politischen Einigung über das Hellas-Hilfsprogramm wohl bald wieder an die normale Geldversorgung durch die Europäische Zentralbank (EZB) angeschlossen werden. Damit seien die Banken nicht mehr so stark auf Notfallhilfen angewiesen, was sich positiv auf den Gewinn auswirken dürfte.

Geldhäuser des Ägäis-Landes sind seit Frühjahr 2015 weitgehend von der direkten Geldversorgung über die EZB abgeschnitten. Die Euro-Wächter hatten damals eine Sondergenehmigung für griechische Anleihen gekippt, die ihnen die Annahme von Bonds des Krisenstaates als Pfänder für frisches Zentralbankgeld trotz schwacher Bonitätsnoten gestattete. Seitdem sind die Institute zur Geldversorgung überwiegend auf ihre heimische Notenbank in Athen angewiesen - dieser Weg ist aber teurer als über die EZB.

Von

rtr

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