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17.07.2013

19:22 Uhr

Pläne der EU-Kommission

Kreditkarten sollen billiger werden

Die EU-Kommission will Kosten für Kreditkarten begrenzen. Die Gebühren komplett abzuschaffen, sei aber nicht geplant. Der Entwurf sieht laut „Financial Times“ eine Kappung auf 0,2 Prozent der Kartentransaktion vor

Mastercard und Visa in einem Portemonnaie. Kreditkartengebühren würden durch die Deckelung von 5,7 Milliarden auf 3,5 Milliarden Euro zurückgehen. dpa

Mastercard und Visa in einem Portemonnaie. Kreditkartengebühren würden durch die Deckelung von 5,7 Milliarden auf 3,5 Milliarden Euro zurückgehen.

BangaloreDie EU-Kommission will die Gebühren für Kreditkarten und andere Bankkarten von Anbietern wie Visa und Mastercard begrenzen. Bei Kreditkarten soll das Limit 0,3 Prozent des Zahlbetrags betragen und bei Debitkarten 0,2 Prozent, wie aus einem Reuters am Mittwoch vorliegenden Gesetzentwurf hervorgeht. Die Gebührengrenze soll zunächst auf grenzüberschreitende Zahlungen beschränkt sein. Nach zwei Jahren sollen sie auch im Inlandszahlungsverkehr gelten.

Die Kartenindustrie wird das hart treffen. Denn derzeit betragen die Gebühren bis zu 1,5 Prozent. Nach Daten von 2010 wurden 1,8 Billionen Euro über Kredit- und Debitkarten, die über die Banken vergeben werden, bezahlt. Bei Kreditkarten wird der Zahlbetrag meistens erst nach einigen Wochen vom Konto abgebucht. Bei Debitkarten - in Deutschland eher unter dem Namen EC-Karte bekannt - wird der Zahlbetrag umgehend eingezogen.

Die Kommission will den Gesetzentwurf in der kommenden Woche vorlegen. Bis dahin kann sich an dem Text noch etwas ändern. Er muss dann von den EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament ausgehandelt werden. Die EU will dem Handel außerdem ermöglichen, den Kunden günstigere Zahlungswege anzubieten.

Die Europäische Kommission hatte bereits 2007 festgestellt, dass die Gebühren für die in Europa ausgegebenen Karten gegen Wettbewerbsrecht verstoßen und letztlich die Kosten für Händler und Verbraucher in die Höhe treiben.

Ein radikales Vorgehen gegen Kreditkarten schlug unterdessen der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan vor. Die Geldinstitute trieben durch überzogene Gebühren für Kreditkarten die Menschen in die Armut, sagte er am Dienstagabend bei einem Essen für Familien von Kriegsveteranen und Gefallenen. "Lasst die Finger von diesen Kreditkarten", sagte er. Nicht die Reichen zahlten die Zeche, sondern die Armen, die nach Kreditkarten gierten, um damit anzugeben, aber noch vor Monatsende dann ohne Geld dastünden. "Wir müssen diesem Spiel ein Ende setzen."

An der Börse ging der Aktienkurs des deutschen Zahlungsdienstleisters Wirecard auf Talfahrt - obwohl das Unternehmen nach eigenen Angaben von einer Gebührensenkung nicht betroffen wäre. Die Anteilsscheine waren zeitweise mit einem Minus von 6,4 Prozent größte TecDax-Verlierer, erholten sich dann aber deutlich. Wirecard wickelt unter anderem für die großen Kartenanbieter den Zahlungsverkehr ab. Kreditkartengebühren seien für das Unternehmen so etwas wie ein durchlaufender Posten, sagte eine Sprecherin. "In Summe sind unsere Ertragsaussichten von diesem Thema nicht beeinflusst."

Auch der Kurs des Kreditkartenunternehmen American Express stützte ab: An der New Yorker Börse gab dessen Papier um fünf Prozent nach. Analysten äußerten die Erwartung, dass bei Amex der Gewinn je Aktie um elf US-Cent zurückgehen werde. Das Unternehmen könne die Verluste durch geänderte Bonusprogramm aber wettmachen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Freidenker

17.07.2013, 12:28 Uhr

Prima...da werden sich die Wohlhabenden aber freuen...und alle, die auf Pump leben sowieso :)

Zahungsverkehrs-Kenner

18.07.2013, 10:16 Uhr

@Freidenker:
Die hier genannten Gebühren bezahlt der Händler, nicht der Kartennutzer (ja, natürlich rechnet der Händler Kartengebühren in seine Preiskalkulation mit ein, aber das gilt auch für die Kosten der Bargeldentsorgung, die im Zweifelsfall sogar höher sind)
Dieses sogenannte Disagio deckt unter anderem die Kreditrisiken der Kartengesellschaften ab (auch Kosten des Kreditkartenbetrugs, etc.). Wenn es wirklich zu dieser Beschränkung kommen sollte, werden viele Leute zukünftig keine Kreditkarten mehr bekommen. Das kann man begrüßen (weil es bei bestimmten Bevölkerungsgruppen die Möglichkeiten zur Überschuldung rediziert), schneidet dann aber zukünftig auch eben diese Bevölkerungsteile von moderneren Zahlungsmitteln ab.
Außerdem sollte man schon auch überlegen, ob die derzeitige Marktsituation einen weiteren eklatanten Eingriff der EU in die freie Preisfindung rechtfertigt. Ja, Kreditkartengeschäft ist ein Oligopol. Aber kein Händler ist gezwungen, Kartenzahlungen überhaupt anzubieten. Und wenn man sich die Entwicklung ansieht, dann sind die Disagios für die Händler in den letzten Jahren auch ohne planwirtschaftliche Eingriffe zurückgegangen. Früher lag der Durchschnittssatz bei ca. 4%. Tankstellen(ketten) mit hohen Umsätzen lagen niedriger, Anbitere mit wenig Umsätzen oder in gewissen Geschäftsmodellen (z.B. mit höheren Anteilen am Volumen des Kartenbetrugs) hatten höhere Sätze. Das dürfte auf niedrigerem Niveau auch heute noch gelten. Eine feste Vorgabe durch die EU wird auch diese Differenzierung zukünftig verhindern. Als Folge werden bestimmte Händler gar nicht mehr am Kreditkartengeschäft teilnehmen können, was für diese dann ggf. massive Umsatzverluste bedeuten kann.

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