Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.04.2016

18:24 Uhr

Pleite der Maple-Bank

Wenn Banken den Staat retten

VonMichael Brächer

Der Frankfurter Maple-Bank soll mit umstrittenen Dividendendeals am Fiskus verdient haben. Dabei waren offenbar ausgerechnet Länder und Kommunen treue Kunden des Instituts. Für sie zahlt nun die Bankenbranche die Zeche.

Firmenlogo der Maple-Bank in Frankfurt: Die Finanzaufsicht Bafin hat ein Moratorium verhängt. dpa

Maple-Bank

Firmenlogo der Maple-Bank in Frankfurt: Die Finanzaufsicht Bafin hat ein Moratorium verhängt.

FrankfurtIm Februar fiel für die Maple-Bank der letzte Vorhang – zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren ging wieder ein deutsches Geldhaus in die Pleite. Die kleine Investmentbank aus Frankfurt hatte sich mit umstrittenen Dividendendeals verzockt. Die Bank wird derzeit abgewickelt, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Manager. Die Ironie dabei: Während Maple sich vom Fiskus offenbar Steuern mehrfach erstatten ließ, hatten viele Städte und Gemeinden ausgerechnet der relativ unbekannten Investmentbank ihr Geld anvertraut.

Vor der Pleite wusste selbst mancher Banker aus Frankfurt nichts mit dem Namen Maple anzufangen. Dennoch konnten sich Kämmerer aus ganz Deutschland für die Bank begeistern – wohl auch dank attraktiver Konditionen für Termingeld. Bereits bekannt war, dass das Land Nordrhein-Westfalen satte 65 Millionen Euro bei Maple angelegt hatte.

Banken reformieren Einlagensicherung: Das Ende der Solidarität

Banken reformieren Einlagensicherung

Premium Das Ende der Solidarität

Private Banken lassen es sich einiges kosten, die Spareinlagen ihrer Kunden zu schützen. Allmählich wird es den Instituten zu teuer. Nun prüft der Bankenverband einen Dreipunkteplan zur Reform der Einlagensicherung.

Doch offenbar waren die Düsseldorfer in bester Gesellschaft. Laut „Tagesschau.de“ soll das Land Mecklenburg-Vorpommern der kleinen Investmentbank rund 59 Millionen Euro anvertraut haben. Rheinland-Pfalz kam auf 55 Millionen Euro, Niedersachsen auf 50 Millionen Euro und Berlin auf 7,7 Millionen Euro. Auch die Stadt München zählte zu den Maple-Kunden – mit 35,6 Millionen Euro. Und auch Bonn hatte rund 7,7 Millionen Euro angelegt.

Dass sich Banken durch Einlagen refinanzieren, gehört zum normalen Geschäft. Doch dieser Fall entwickelt eine besondere Ironie. Denn Maple soll ein enormes Rad bei fragwürdigen Dividendendeals gedreht haben. Maple hatte zwischen 2006 und 2010 Aktien rund um den Dividendenstichtag gehandelt. Bei den so genannten Cum-Ex-Geschäften werden Steuern mehrfach vom Staat erstattet.

Im vergangenen Herbst hatten Ermittler von Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung die Bank durchsucht. Der Fiskus forderte rund 450 Millionen Euro von Maple zurück. Dadurch drohte der Bank die Überschuldung, die Finanzaufsicht Bafin ordnete ihre Abwicklung an. Die Bank wollte sich zu den Vorwürfen bislang nicht äußern.

Über die Durchsuchung von Maple im Zusammenhang mit den Cum-Ex-Geschäften hatten Medien bereits im September berichtet. Laut „Tagesschau.de“ hatten manche Kämmerer der Bank trotzdem weiter Steuergelder anvertraut. Die Verluste dürften sich in Grenzen halten. Denn für die insgesamt rund 2,6 Milliarden Euro, die bei der Maple-Bank lagen, muss vor allem der Einlagensicherungsfonds der privaten Banken zahlen.

Dass die Institute für den Staat einstehen müssen, stieß vielen Bankern sauer auf – schnell wurde über eine Reform der Einlagensicherung diskutiert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×