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09.07.2015

16:41 Uhr

Pleite-Geldhäuser in Griechenland

Was die maroden Banken noch am Leben hält

VonGerd Höhler

Eigentlich sollte den griechischen Bank längst das Bargeld ausgegangen sein. Aber immer noch geben die Geldautomaten Scheine aus. Zwei Helfer haben die liquiditätsarmen Geldhäuser: die Urlauber und den Sparstrumpf.

Griechenland-Minister Kammenos

„Alles wird gut, niemand sollte besorgt sein“

Griechenland-Minister Kammenos: „Alles wird gut, niemand sollte besorgt sein“

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AthenVon „wenigen Tagen“ war die Rede, als die griechische Regierung am vorvergangenen Sonntag die Schließung der Banken verfügte und Kapitalverkehrskontrollen anordnete. Daraus sind inzwischen zwei Wochen geworden. Am späten Mittwochabend verlängerte das Finanzministerium die Schließung ein weiteres Mal, zunächst bis kommenden Montag. Wann die Banken wieder öffnen, ist ungewiss.

Die Griechen werden deshalb auch in den kommenden Tagen vor den Geldautomaten anstehen, um ihre „Tagesration“ von 60 Euro abzuheben. Das ist der Höchstbetrag, der pro Kalendertag ausgezahlt werden darf. Manche gehen deshalb zu später Stunde zum Automaten, stecken ihre Karte kurz vor Mitternacht in den Schlitz und gleich danach, wenn der neue Tag begonnen hat, noch einmal. So ziehen sie 120 Euro aus dem Automaten und müssen nur jeden zweiten Tag anstehen.

Diese Banken erwarten den „Grexit”

Schreckgespenst „Grexit”

Bis zum 12. Juli hat Griechenland noch die Chance, sich vor der Pleite zu retten. So viel Zeit haben die Gläubiger der griechischen Regierung gegeben, um kompromisstaugliche Reformvorschläge vorzulegen. Für viele Analysten ist der Deal aber bereits gelaufen. Seit dem Referendum, bei dem mehr als 60 Prozent der Griechen mit einem „Nein” gegen die Sparauflagen der Gläubiger stimmte, rechnen viele Banken mit einem Euro-Austritt Griechenlands, einem „Grexit”. Und die Liste der Pessimisten wird immer länger.

Bank of America Merrill Lynch

„Wir glauben, dass im Moment alle nötigen Bedingungen für einen „Grexit” vorhanden sind. Offenbar sieht das die Mehrheit der anderen EU-Staaten ähnlich. Es gibt zwar eine kleine Chance, ihn abzuwenden. Aber dazu müsste Tsipras die Gläubiger schon positiv überraschen.”

Barclays

„Der Austritt Griechenlands ist für uns das wahrscheinlichste Szenario. Sich mit der griechischen Regierung auf einen Kompromiss zu verständigen, wird für die EU-Politiker wird extrem schwer sein. Sie hat bereits einen Deal abgelehnt und einen neuen Kompromiss wird sie der Bevölkerung zu Hause nur schwer verkaufen können.”

Citigroup

„Wir haben unsere Meinung geändert und glauben nun, dass ein „Grexit” das wahrscheinlichste Szenario darstellt. Entweder wird das kurzfristig innerhalb der nächsten Monate passieren oder aber in den nächsten ein bis drei Jahren. Die die zu unserer Meinungsänderung beigetragen haben, sind das Nein-Referendum am 5. Juli sowie die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen. Trotz des höheren Austrittsrisikos glauben wir dennoch, dass ein kurzfristiger Deal zustande kommen kann. Doch selbst ein solcher Kompromiss wird das mittelfristige Risiko für einen „Grexit” nicht vom Tisch räumen können. ” 

Deutsche Bank

„Dass ein Deal am Sonntag kurz nach Mitternacht zustande kommt, ist möglich. Aber es wird knapp.”

JP Morgan

„Ein „Grexit” erscheint uns derzeit wahrscheinlicher als kein „Grexit”.”

BMO Capital Markets

„Wir glauben, dass Griechenland mit einer 60-prozentigen Wahrscheinlichkeit in der nahen Zukunft den Euro verlässt.”

Industrial and Commercial Bank of China (ICBC)

„Ein Austritt Griechenlands könnte der Tropfen sein, der für die globalen Märkte für Aktien, Devisen und Anleihen das Fass zum Überlaufen bringt. Bereits jetzt drohen Risiken durch eine mögliche Änderung der US-Geldpolitik. Auch droht Ansteckungsgefahr für die Märkte anderer Industrienationen, auf welche diese nicht unbedingt schnell reagieren könnten.”

ING

„Ein Kompromiss ist zwar nach wie vor möglich. Doch die scharfen Worte der EU-Politiker in den vergangenen Woche in Richtung Griechenland legen nahe, dass nicht nur die Zeit für einen Deal knapp wird, sondern auch die Geduld der Gläubiger.”

Aber wie lange kommt noch Geld aus den Maschinen? Immerhin fließen pro Tag zwischen 200 und 300 Millionen Euro durch die Automaten ab. Noch vergangene Woche erklärte die Präsidentin des griechischen Bankenverbandes, das Liquiditätspolster der Institute reiche für höchstens drei Tage. Aber die verstrichen - und es kam weiter Geld aus den Maschinen. Anfang dieser Woche sagte Wirtschaftsminister Giorgos Stathakis, das Geld lange noch bis zum Freitag. Jetzt heißt es, man habe genug Banknotenreserven bis zum kommenden Montag.
Dass es immer noch Geld gibt, wundert auf den ersten Blick. Schließlich hat die Europäische Zentralbank (EZB) die ELA-Notkredite, die Griechenlands Banken bei der nationalen Notenbank aufnehmen können, schon Ende Juni bei 88,6 Milliarden Euro eingefroren. Es fließt also kein frisches Geld. Die sehnlichst erwarteten Luftfrachtpakete mit den Banknoten aus Frankfurt bleiben aus.

Überdies erhöhte die EZB die Abschläge für die Bewertung der Sicherheiten, die Griechenlands Banken für die Notkredite hinterlegen müssen. Die Institute mussten deshalb diese Woche weitere Pfänder nachreichen. Damit hat sich der Bestand an Wertpapieren, die sie für weitere ELA-Kredite einsetzen können, weiter reduziert.

Kommentare (5)

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Friedrich Lubumba

09.07.2015, 18:24 Uhr

Friedrich sagen doch Scheise-Drecke seivice in diese gichenlande besser Italia mit de renzi mehr demakratia für de Flüschlinge und kohle aus de Automate

Herr Vitto Queri

09.07.2015, 18:42 Uhr

>> Über die Hotels, Restaurants und den Einzelhandel fließt dieses ins Land gebrachte Bargeld zu den Banken – die damit die Geldautomaten füttern können >>

Was für ein Blödsinn !

Wie kann Geld zu Banken fliessen, wenn diese geschlossen sind ?

Mit dem Geld haben die Griechen überhaupt keine Probleme : erst gestern hat sich Griechenland 1,6 Mrd. € auf dem freien Markt besorgt.

Diese Tatsache ist dem "Schreiberling" wohl entgangen !

Herr Helmut Metz

09.07.2015, 18:42 Uhr

Hallo. Herr Prof. Rogoff, Hallo, Herr Walter Borjahns, Sie Steuergeld-Parasiten:
Wissen Sie, dass viele Griechen schon jetzt HUNGERN müssten, wäre Ihre dummdreiste Forderung nach einem Bargeldverbot bzw. einer massiven Bargeldeinschränkung bereits umgesetzt worden? Einzig und alleine das Bargeld schützt nämlich die Griechen momentan noch vor dem Schlimmsten.

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