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14.09.2012

12:46 Uhr

Pleitebank

Lehman Brothers werden weiter künstlich beatmet

VonThomas Jahn, Martin Kölling, Michael Maisch

Der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers löste eine Weltwirtschaftskrise aus – heute bemüht sich die Folgegesellschaft, Restvermögen zu verkaufen. Doch wieso wurde Lehman nicht gerettet?

Zentrale von Lehman Brothers: Trotz Pleite existiert die Bank weiterhin. dpa

Zentrale von Lehman Brothers: Trotz Pleite existiert die Bank weiterhin.

New York/Tokio/LondonDas Time-Life Building ist eine der besten Adressen in New York. Im Hochhaus an der Avenue of the Americas haben der Fernsehsender CBS oder der Verlag Time ihre Büros. Auch ein anderer Mieter ist recht bekannt: Lehman Brothers. Ganze zwei Stockwerke beansprucht die Bank. Der Besucher ist verwirrt: Ging Lehman Brothers nicht vor vier Jahren in Konkurs? Die Antwort: Ja, aber sie wird immer noch abgewickelt. Die Angestellten gehen dem Tagesgeschäft mit dem einzigen Ziel nach: die Bank aufzulösen.

Noch fünf Jahre wird es dauern, bis Lehman Brothers endgültig Geschichte ist. Der Konkurs kam vor vier Jahren. Lehman Brothers hatte zu sehr auf Hypothekenpapiere gesetzt, die mit der Immobilienkrise stark an Wert verloren. Die US-Regierung weigerte sich zu helfen. Der Konkurs am 15. September 2008 versetzte die Märkte in Panik.

Seit dem Schreckenstag verkauft die Folgegesellschaft Lehman Brothers Holdings die Vermögenswerte. Insgesamt gibt es 60.000 Forderungen. Der Gesamtwert: 361 Milliarden Dollar. Vor vier Jahren begann der Ausverkauf. Die britische Bank Barclays sicherte sich den Firmensitz sowie die Investment-Banking-Tochter mit 10.000 Angestellten.

Das japanische Institut Nomura erwarb im September 2008 das asiatische Geschäft sowie Teile des europäischen Geschäfts. Wenige Monate später verkaufte Lehman Brothers 51 Prozent am Vermögensverwalter Neuberger Berman an die Mitarbeiter, den Rest hält die Bank bis heute. Andere Geschäfte wie Derivate oder Immobilienbeteiligungen erwiesen sich dagegen als schwieriger abzuwickeln. Lehman Brothers bündelte in der Gesellschaft Lamco Immobilien im Wert von mehr 40 Milliarden Dollar.

Ein Viertel davon gehört direkt zu Lehman, wie etwa ein Hotel auf der Upper East Side in New York, zahlreiche Bürogebäude in Manhattan, ein Skiresort in Montana oder eine Golf-Ranch in Texas. Bislang zahlte Lehman Brothers an seine Gläubiger 22 Milliarden Dollar zurück und hofft, weitere 40 Milliarden Dollar aufbringen zu können.

Das sind rund 18 Prozent der ausstehenden Forderungen. Die Quote hätte höher sein können. In einer Studie kommt die US-Einlagensicherungsbehörde FDIC zu einem überraschenden Ergebnis: Danach hätten Anleger, wenn das Investmenthaus nach den Vorgaben des neuen US-Finanzmarktgesetzes Dodd-Frank aufgelöst worden wäre, 97 Cent für jeden investierten Dollar erhalten.

Kommentare (9)

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OhdumeineGuete

14.09.2012, 13:59 Uhr

Drei Journalisten veröffentlichen einen Artikel über die Reste von Lehman und stellen die Frage: "Doch wieso wurde Lehman nicht gerettet?

Und als Antwort gibts: Nüscht!

Danke, da haben sich andere aber schon mehr Mühe gegeben.

Goldmund

14.09.2012, 14:23 Uhr

Arte brachte Anfang September eine Doku ueber Goldman Sachs. Der damalige amerikanische Finanzminister war ehemaliger Mitarbeiter (wenn ich mich recht erinnere sogar im Vorstand) von Goldman Sachs. Da Lehman ein direkter Konkurent von Goldman Sachs war, bestand kein Interesse an einer Rettung. Die Doku war sehr informativ und hat viel aufgedeckt. Ich habe mir die Sendung im Internet angesehen. Am naechsten Tag wollte ich den Link an Freunde verschicken. Siehe da, die Sendung stand im Internet nicht mehr zur Verfuegung. Noch Fragen???

Bank1

14.09.2012, 14:40 Uhr

Lehman war nicht der Auslöser der (noch immer anhaltenden) Krise. Lehman war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Das wird immer wieder vergessen. Die waren Schuldigen machen heute weiter / wieder dicke Geschäfte und ziehen einen "lernresistenten" (Privat-)Anlege nach dem anderen weiter über den Tisch. Großbanken sollten aufgegliedert werden in ihre Einzelsparten, vollkommen unabhängig von einander, damit keine Gewinne und Verluste mehr untereinander aufgerechnet werden können. Dann sieht hoffentlich auch der Letzte, womit die ein oder andere Bank tatsächlich ihr Geld verdient.

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