Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.04.2013

17:36 Uhr

Portigon

WestLB-Nachfolger kämpft um Bad Banks

VonAndreas Dörnfelder

Die Portigon AG will Finanzhäusern helfen, Bilanzen von faulen Wertpapieren zu befreien. Dietrich Voigtländer, Vorstandschef der Nachfolgegesellschaft der WestLB, spricht im Interview über das Geschäft mit dem Schrott.

Portigon-Vorstandschef Dietrich Voigtländer bei der Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Düsseldorf. dpa

Portigon-Vorstandschef Dietrich Voigtländer bei der Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Düsseldorf.

Herr Voigtländer, Sie sind Vorstandschef der Portigon AG, dem Rechtsnachfolger der ehemaligen Westdeutschen Landesbank. Gerade sind Sie dabei, eine neue Gesellschaft auszugliedern. Was ist das Kerngeschäft dieser Portigon Financial Services?

Die Service Gesellschaft soll für internationale Finanzdienstleister komplexe Portfolios aus Vermögenswerten betreuen. Dazu zählen etwa Kredite oder Kapitalanlagen. Im Zuge des Umbaus der Finanzindustrie ist ein umfangreicher Bedarf für solche Unterstützungsleistungen entstanden. Und an diesem Markt wollen wir partizipieren.

Zu Ihren wichtigsten potenziellen Kunden zählen so genannte Bad Banks, in die Banken und Finanzdienstleister faule Wertpapiere ausgelagert haben.

Das ist ein Aspekt von vielen. Aber zu unseren potenziellen Kunden zählen insbesondere auch Banken und Versicherungen, die aufgrund der stärkeren Regulierung und des extrem niedrigen Zinsniveaus ihr Wertpapiervermögen deutlich verkleinern wollen.

Portigon: WestLB-Nachfolger erwartet Milliardenverlust

Portigon

WestLB-Nachfolger erwartet Milliardenverlust

Im vergangenen Jahr wurde die WestLB auf Druck der EU-Kommission zerschlagen. Der Rechtsnachfolger Portigon erwartet für dieses Jahr einen Verlust von rund einer Milliarde. Grund seien Pensionsverpflichtungen.

Sie hatten sich einen größeren Auftrag von der Bad Bank der Hypo Real Estate erhofft, der aber geplatzt ist. Warum mussten Sie eine Absage hinnehmen?

Im vergangenen Jahr gab es eine Ausschreibung, letztendlich ist dieser Auftrag aber nicht vergeben worden. Der dortige Vorstand hat sich aufgrund der knappen Zeit dazu entschieden, eine eigene Servicegesellschaft zu gründen. Mal sehen, ob sich in Zukunft Möglichkeiten für Synergien ergeben.

In München hört man, dass sich Portigon schlecht verkauft haben soll.

Das glaube ich nicht. Wir haben eine Top-Leistungsbeurteilung bekommen.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen die Münchener lieber selbst Konkurrenz machen wollen?
Nein.

So wurde die WestLB zerschlagen

Zerschlagung

Die WestLB ist seit dem 30. Juni 2012 Geschichte. Das Geldhaus, das auf die 1832 in Münster gegründete Westfälische Provinzial-Hülfskasse zurückgeht, wurde in drei Teile zerschlagen.

Verbundbank I

Sie umfasst das Sparkassengeschäft der WestLB - und wurde von der Frankfurter Helaba übernommen. 451 Mitarbeiter der WestLB wechselten dabei den Arbeitgeber. Die Helaba übernahm nach langem Poker mit den WestLB-Eignern - dem Land NRW und den beiden örtlichen Sparkassenverbänden - sowie der bundesweiten Sparkassenorganisation Geschäfte mit einer Bilanzsumme von rund 40 Milliarden Euro.

Verbundbank II

Eine Milliarde Euro erhielt die Verbundbank als Mitgift – die beiden NRW-Sparkassenverbände polsterten die Kapitaldecke der Verbundbank mit 500 Millionen Euro auf, weitere 500 Millionen Euro steuerten die Sicherungseinrichtungen der Sparkassen-Finanzgruppe bei. Diese wurden im Gegenzug an der Helaba beteiligt. Die vor allem in Hessen und Thüringen aktive Helaba konnte damit nach Nordrhein-Westfalen expandieren.

Erste Abwicklungsanstalt I

Die EAA ist die Bad Bank der WestLB - sie soll bis voraussichtlich 2027 die unverkäuflichen Überbleibsel der Bank abwickeln. Die Resterampe der Landesbank wurde im Dezember 2009 aus der Taufe gehoben. Die beiden Vorstände Markus Bolder und Matthias Wargers begannen danach, Käufer für Risikopapiere und Geschäftsbereiche der WestLB mit einem Volumen von rund 77,5 Milliarden Euro zu suchen. Mitte 2012 standen davon noch rund 45 Milliarden Euro in den Büchern der EAA.

Erste Abwicklungsanstalt II

Auf Bolder und Wargers kommt nun aber neue Arbeit zu: Portfolios mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro, darunter auch der Immobilien-Finanzierer WestImmo, landeten aus der Erbmasse der WestLB bei der EAA. Die Übertragung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Für Verluste aus der Abwicklung stehen Steuerzahler und Sparkassen gerade. Allein für das mit besonders risikoreichen Papieren bestückte, „Phoenix“-Portfolio haben Land und Sparkassen Garantien in einer Höhe von fünf Milliarden Euro gegeben.

Portigon I

Am 1. Juli 2012 ging das neue Serviceinstitut an den Start. Rund 3500 Mitarbeiter sollte Portigon zunächst haben, bis Jahresende sollen es dann weniger als 2700 Menschen sein – und die Zahl der Beschäftigten soll in Zukunft weiter schrumpfen, bis Ende 2016 soll das Service-Geschäft verkauft sein.

Portigon II

Die Portigon-Mitarbeiter werden sich zunächst vor allem mit gut bekannten Geschäftsvorgängen beschäftigen: Sie sollen die EAA bei der Abwicklung ihrer Milliarden-Portfolien unterstützen. Diese strebt selbst einen Personalstand von rund 100 Mitarbeitern an. Auch Portigon wurde mit einer Finanzspritze auf den Weg geschickt: Das Land Nordrhein-Westfalen gab eine Milliarde Euro – es ist nun auch alleiniger Eigner von Portigon.

Mit wem verhandeln Sie denn noch, nachdem es mit der Bad Bank der Hypo Real Estate nicht geklappt hat?
Wir führen Gespräche mit interessierten Kunden.

Können Sie ein paar aufzählen?

Könnte ich, will ich aber nicht.

Wie viele sind es denn?
Auch die Anzahl will ich nicht nennen. Ich habe gut zu tun, bin viel auf Reisen und die Aufgabe macht Spaß.

Wenn Sie so viel reisen: Wo sitzen denn die potenziellen Kunden?

Nicht nur in Deutschland.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×