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28.08.2015

14:34 Uhr

Postbank Hauptversammlung

Bitterer Abschied der Kleinaktionäre

VonLaura de la Motte

Auf der Hauptversammlung der Postbank wehren sich Kleinaktionäre gegen ihren Rauswurf per Squeeze-out. Sie hinterfragen die Höhe der Barabfindung und verlangen einen Aktientausch. Doch ihre Chancen stehen schlecht.

Die heutige HV markiert den Beginn einer neuen Ära.

Postbank

Die heutige HV markiert den Beginn einer neuen Ära.

BochumTrauriges Ende in Bochum. Nur wenige Aktionäre haben sich auf den Weg zur vorerst letzten Hauptversammlung ihrer Postbank gemacht. Als Aufsichtsratschef Stefan Krause das Treffen am Freitagmorgen um 10 Uhr eröffnet, sind die rund 350 Plätze im Bochumer Ruhr Congress noch nicht mal halb gefüllt. Doch die, die gekommen waren, machten ihrer Enttäuschung Luft.

„Die Postbank-Aktionäre werden nochmals ausgequetscht“, schimpfte Oliver Kraus von der Effecten-Spiegel AG. Sein Unternehmen klagt bis heute gegen den Preis, den die Deutsche Bank im Zuge ihres Postbank-Einstiegs gezahlt hat. „Wie können Sie uns erzählen, die Postbank sei heute eine bessere Bank als 2008 vor dem Einstieg der Deutschen Bank und jetzt eine Abfindung zahlen, die deutlich unter dem Aktienkurs von damals lag?“, fragte eine Kleinaktionärin. Ein anderer trauerte, dass die Aktien Teil seiner Altersvorsorge waren. Und Hauptversammlungsschreck und Berufskläger Karl-Walter Freitag sprach von einer „aktienrechtliche Hohlnuss“ und polterte: „Der Squeeze-out dient nur den Interessen der Deutschen Bank und nicht der Aktionäre.“

Trotzdem: Tumulte und größere Störungen blieben aus. Das lag auch am Versammlungsleiter Krause, der seine erste Hauptversammlung sehr zurückhaltend führte und auf Harmonie bedacht war. Er ließ Zwischenrufe und Nachfragen lange zu, erlaubte Redezeitüberschreitungen und wartete nach den Pausen geduldig bis die Aktionäre wieder im Saal waren.

Die Fakten zum „Squeeze out”

Was ist ein „Squeeze out”?

Bei einem Squeeze out werden Kleinaktionäre aus einer Aktiengesellschaft herausgedrängt. Wie der Name schon andeutet, kann dies auch gegen ihren Willen geschehen.

Warum werden die Kleinaktionäre verdrängt?

So soll verhindert werden, dass kleine Anteilseigner wichtige Entscheidungen durch Klagen blockieren. Die Deutsche Bank, die als Großaktionärin 96,8 Prozent der Anteile an der Postbank hält, will sich von ihrer Tochterfirma trennen und dazu die verbliebenen Kleinaktionäre (3,2 Prozent) auf diesem Wege herausdrängen.

Wer beschließt einen „Squeeze out”?

Die Hauptversammlung

Was ist die gesetzliche Grundlage für ein „Squeeze out”?

Nach dem Aktiengesetz ist ein Squeeze out möglich, wenn ein Großaktionär über mindestens 95 Prozent der Anteile verfügt. Dabei beschließt ein Großaktionär praktisch den vollständigen Rauswurf der übrigen Aktionäre.

Werden die Aktionäre entschädigt?

Die Kleinaktionäre erhalten eine Barabfindung. Wie hoch sie ist, hängt vom Unternehmenswert ab. Diesen ermitteln Wirtschaftsprüfer.

Deutschlands größtes Geldhaus als Mehrheitseignerin muss die Bonner Filialbank bis Ende 2016 aus ihrer eigenen Bilanz streichen, um steigende Kapitalanforderungen zu erfüllen. Die Postbank mit ihrem bilanzintensiven Baufinanzierungsgeschäft treibt die Verschuldung zu stark in die Höhe.

Geplant ist ein erneuter Börsengang der Postbank, aber auch ein Verkauf an einen neuen Eigentümer ist denkbar. Damit kleine Anteilseigner wichtige Entscheidungen nicht durch Klagen blockieren, will ihnen die Deutsche Bank im Rahmen eines Squeeze-out ihre Aktien für 35,05 Euro pro Stück abkaufen.

„Neben der üblichen Rückschau auf die Entwicklung im abgelaufenen Geschäftsjahr (…) steht in diesem Jahr Ihre wichtige Entscheidung zum Squeeze-out-Verlangen der Deutsche Bank AG auf der Tagesordnung“, sagte Postbank-Chef Frank Strauß in seiner Eröffnungsrede. Eine Ankündigung, die für vielen Anwesenden eine Farce war.

Denn in Wahrheit ist die Abstimmung reine Formsache, weil die Deutsche Bank allein schon 96,8 Prozent der Stimmen besitzt und damit jede Entscheidung im Alleingang treffen kann.

Squeeze-out bei der Postbank: Wenn die Großbank Kleinaktionäre verscheucht

Squeeze-out bei der Postbank

Wenn die Großbank Kleinaktionäre verscheucht

Die Deutsche Bank drängt die letzten Kleinanleger aus der Postbank-Aktie. Das Gesetz gibt dem Großaktionär tatsächlich viele Rechte – doch Minderheitsaktionäre müssen bei weitem nicht alles hinnehmen.

Der Widerstand der restlichen Aktionäre gegen ihr Herausdrängen ist damit zwecklos. „Wir bedauern den Schritt, aber wir werden nicht dagegen stimmen, weil ein Squeeze-out unter diesen Voraussetzungen verfassungsrechtlich zulässig ist“, sagte Daniela Bergdolt, Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Ihr Kollege Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) war dagegen aufmüpfiger und kündigte an, im Namen der durch die SdK vertretenen Aktionäre gegen den Squeeze-out zu stimmen. Bringen wird das nichts.

Strauß zeigte in seiner Rede Verständnis für die Misere, in die er seine Kleinaktionäre bringt. „Wir wissen auch, dass der Abschied von ‚Ihrer‘ Postbank-Aktie nicht für alle von Ihnen einfach ist, da dies oftmals mehr als nur ein finanzielles Investment ist“, sagte er. „Wir als Vorstand der Postbank und ich persönlich hoffen, dass wir Sie auch nach dem angestrebten Börsengang wieder als Aktionäre begrüßen dürfen.“

Kommentare (1)

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Herr Thomas Schmidt

28.08.2015, 13:44 Uhr

Dass Deutsche Bank + Postbank kein Schamgefühl und schon gar keinen guten Ruf mehr zu verlieren haben war klar. Diet deutsche Banke war so ziemlich in jeder Schweinerei beteiligt, die es in den letzten Jahren an den internationalen Finanzmärkten gab (Abzocke der Postbank-Aktionäre bei der Übernahme, Kirch-Skandal, Abzocke von Kommunen mit riskanten Zinsgeschäften, Libor-Zins-Manipulation, Abzocke bei der US-Immobilienkrise, Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmittel und Rüstungs-Industrie..und..und.und...) und ist mittlerweile längst zu einer Belastung für das Ansehen dieses Lands geworden. Und die dubiosen Methoden der Postbank sind allseits bekannt. Da haben sich 2 gesucht und gefunden. Trotzdem können sie ihre eigene Dreistigkeiten immer noch steigern, wie das Statement des Postbank-Vorstands beweist: "Wir als Vorstand der Postbank und ich persönlich hoffen, dass wir Sie auch nach dem angestrebten Börsengang wieder als Aktionäre begrüßen dürfen.“ Im Klartext: Wir haben die Kleinaktionäre bereits beim Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank über den Tisch gezogen, wir ziehen sie jetzt nochmal über den Tisch beim Squeeze-Out, aber da "alle guten Dinge Drei sind" würden wir uns natürlich freuen, wenn wir sie demnächst mit überteuerten Postbank-Aktien zum dritten Mal über den Tisch ziehen können. Da bleibt einem wirklich die Spucke weg angesichts soviel Dummdreistigkeit.

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