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25.03.2013

10:54 Uhr

Postbank in Nöten

Filialen müssen wegen Mitarbeitermangel schließen

VonTobias Döring

In ganz Deutschland standen Postbank-Kunden in den vergangenen Wochen vor verschlossenen Türen. Das Geldhaus schiebt den Ausfall auf die Grippewelle. Arbeitnehmervertreter sehen dagegen ein grundlegendes Problem.

Postbank-Filiale: Dem Geldhaus macht in einigen Gebieten ein „Krankenstand von mehr als 60 Prozent“ zu schaffen. dpa

Postbank-Filiale: Dem Geldhaus macht in einigen Gebieten ein „Krankenstand von mehr als 60 Prozent“ zu schaffen.

DüsseldorfDer ganze Ärger begann mit einem Blatt Papier. Das klebte in den vergangenen Tagen und Wochen an den gläsernen Schiebetüren zahlreicher Postbank-Filialen. „Wegen Erkrankung bleibt unsere Filiale heute geschlossen“, stand oftmals drauf – und die Kunden schnaufend davor.

Ob in Oberhausen, Lage und Sieker in Nordrhein-Westfalen, Korbach in Hessen, Springe in Niedersachsen oder Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern: In ganz Deutschland standen Kunden der Postbank in den vergangenen Wochen vor verschlossenen Türen – während der regulären Öffnungszeiten.

Betroffen waren dabei nicht nur diejenigen, die am Schalter den Dauerauftrag ändern oder Geld anlegen wollten, sondern auch solche, die ein Paket abholen oder ein Einschreiben verschicken wollten. Denn die Postbank gehört zwar nicht mehr zur Deutschen Post, sondern zur Deutschen Bank, bietet in ihren Filialen jedoch immer noch Post-Serviceleistungen im Auftrag der Deutschen Post an.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 12

2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

Platz 11

Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

Platz 10

Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

Platz 9

Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

Platz 8

Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

Platz 7

Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

Platz 6

Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

Platz 5

Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

Platz 4

Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

Platz 3

Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

Platz 2

Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

Platz 1

Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Die Postbank macht für die Schließungen die Grippewelle verantwortlich. Die Gewerkschaft für Deutsche Post, Postbank, Telekom und Call-Center DPVKOM hingegen spricht von generellem Mitarbeitermangel und einem krank machenden Vertriebsdruck.

Zuletzt standen Kunden am Donnerstag in Bottrop vor den verschlossenen Türen einer Filiale. Just zur Mittagszeit blieb das „Finanzcenter“ der Postbank in der Ruhrgebietsstadt für rund anderthalb Stunden zu - und das zum dritten Mal in den letzten Wochen. „Drei der vier Stammbeschäftigten der Filiale sind zur Zeit erkrankt“, erklärt Postbank-Pressesprecherin Iris Laduch-Reichelt. Zudem sei eine Aushilfskraft mittags zu spät gekommen, die zwei Mitarbeiter der Filiale mussten ihre Pause nehmen und das „Finanzcenter“ schließen. Denn es gilt das Vier-Augen-Prinzip.

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In Hannover schloss eine Postbank in der vergangenen Woche gleich für mehrere Tage die Pforten. Dort fehlte zunächst sogar das Hinweisschild an der Tür. Besonders kurios: In Bocholt konnte vor zwei Wochen gar kein Schild aufgehängt werden, da der Mitarbeiter erkrankte, der den Schlüssel zum Gebäude hatte.

„In den vergangenen Wochen hatten wir in einigen Filialen und Gebieten einen Krankenstand von mehr als 60 Prozent“, sagt Laduch-Reichelt. Die Grippewelle sei hartnäckig. „So einen Ausfall von Stammbeschäftigten können auch wir nicht ausgleichen.“ Im besonders betroffenen Großraum Duisburg seien vier weitere Aushilfen eingestellt worden. Mitarbeiter würden teilweise aus dem Urlaub geholt und Fortbildungen gestrichen.

Kommentare (22)

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Banker

25.03.2013, 11:10 Uhr

Ich lach mich Schlapp - da sieht man wieder mal wo man mit "Geiz ist Geil" hinkommt.
Mir tun nur die Mitarbeiter leid.

Account gelöscht!

25.03.2013, 11:14 Uhr

Bei den Post-Agenturen geht es schon zu normalen Zeiten zu, wie man das sich nur beim real existierenden Sozialismus vorstellte: Es gibt regelmäßig Schlangen bis auf die Straße hinaus.Was oh Wunder, wenn eine Grippewelle dann das ganze System zusammenbrechen lässt.

Leopold

25.03.2013, 11:21 Uhr

Was werden hier für Märchen erzählt?
2010 bis 2012 hat die Postbank über zehn Prozent ihrer Mitarbeiter entlassen! Was sucht man jetzt? Billige Zeitarbeitskräfte? So etwas sollte nicht von der Presse unterstützt werden!

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