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19.08.2016

11:18 Uhr

Postbank mit neuem Gebührenmodell

Gratiskonten nur noch für Besserverdienende

Die größte Privatkundenbank Deutschlands ändert ihr Geschäftsmodell: Deutlich weniger Kunden der Postbank wird künftig ein kostenloses Girokonto angeboten. Welches Entgelt fällig wird und für wen es Ausnahmen gibt.

Kunden der Postbank stehen vor einer Filiale am Geldautomaten: Die Postbank schränkt die Zahl der Gratiskonten drastisch ein. dpa

Postbank

Kunden der Postbank stehen vor einer Filiale am Geldautomaten: Die Postbank schränkt die Zahl der Gratiskonten drastisch ein.

BonnViele Kunden der Postbank müssen künftig für ihr Girokonto Geld bezahlen. Die größte Privatkundenbank Deutschlands kündigte am Freitag zum 1. November 2016 eine Neuausrichtung ihrer Kontolandschaft und ein verändertes Preismodell an. Hintergrund ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB): Die anhaltend niedrigen Zinsen machten es immer schwerer, mit dem Girokonto Geld zu verdienen, begründete Postbank-Vorstand Susanne Klöß den Schritt.

Erstmals führt die Postbank ein Online-Konto mit einer monatlichen Grundgebühr von 1,90 Euro ein. Ein flexibles Konto mit einem Entgelt von 3,90 Euro gibt es für Kunden, die ihre Bankgeschäft sowohl online als auch in Filialen abwickeln wollen. Neben dem Basis-Konto bietet die Postbank auch künftig ein Premium-Konto mit umfassenderen Leistungen an, das monatlich weiter 9,90 Euro kostet. „Es wird bei uns aber nach wie vor ein kostenloses Girokonto geben“, sagte Klöß der Deutschen Presse-Agentur; nämlich für junge Leute und für Kunden mit einem Geldeingang von 3000 Euro pro Monat.

Wie Banken im Ausland mit Minuszinsen umgehen

Frankreich

Der Fall der Strafzinsen der Tegernseer Bank hat im Nachbarland ein großes Echo hervorgerufen. Dort gibt es Strafzinsen für Privatkunden bisher nicht. Die Bankgebühren sind zuletzt aber nach zwei Jahren Rückgang wieder gestiegen, wie eine Auswertung des Vergleichsportals panorabanques.com ergab. Minuszinsen drohen nur Unternehmen in Einzelfällen, etwa wenn sie sehr große Summen auf Bankkonten horten.

Dänemark

Zwar verlangt die dänische Zentralbank dort noch höhere Strafzinsen von Banken als die EZB. Doch Geldhäuser geben diese laut der Danske Bank, der größten des Landes, nicht an Privatkunden weiter. Die Institute verdienen gut an Gebühren. Bei Wohnungskrediten erhöhen einige Geldhäuser gerade die Zinsen. Das ärgert die Kunden, aber ein Sturm der Entrüstung blieb bisher aus.

Italien

Negativzinsen und steigende Gebühren beschäftigen Sparer nicht. Sie treibt eher die Krise der heimischen Banken um, die sie ihr Erspartes kosten könnte. Viele Kleinsparer haben den Banken Geld geliehen. Doch die stehen unter Druck, da sie faule Kredite in Höhe von 360 Milliarden Euro in ihren Bilanzen haben. Die Regierung in Rom verhandelt mit Brüssel, inwieweit die Banken gestützt werden können.

Großbritannien

Nach dem Brexit-Votum hat die Bank of England den Leitzins zwar auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Damit liegt der Zinssatz aber immer noch über dem Wert in der Eurozone. Auch erhebt die Notenbank keine Strafzinsen von Banken. Privatkunden bleiben daher von verschont, sagt Mike Peacock, Sprecher der Bank of England. „Uns ist keine Bank bekannt, insbesondere keine der wichtigen, die derartige Gebühren erheben.“

Schweiz

Auch dort verzichten Banken auf Negativzinsen für Privatkunden - mit einer Ausnahme: Seit Jahresbeginn berechnet die vergleichsweise kleine Alternative Bank Schweiz (ABS) mit Sitz in Olten (Kanton Solothurn) auf Girokonten Minuszinsen von 0,125 Prozent. Trotzdem konnte die Bank neue Kunden gewinnen. Die ABS gilt indes mit ihren oft gesellschaftlich engagierten Kunden als Sonderfall. Statt Gewinnmaximierung ist ihr erklärtes Ziel die Förderung umweltfreundlicher und sozialer Projekte.

Spanien

Die Bank BBVA hat begonnen, in speziellen Fällen Einlagen von Unternehmenskunden mit Negativzinsen zu belegen. Die Zeitung „El Diario“ schrieb, sie habe damit „eine Pandora-Büchse geöffnet“. Negativzinsen für Privatkunden sind für spanische Banken (noch) kein Thema. Laut Medienberichten erheben aber ausländische Banken wie BNP Paribas, HSBC und Julius Bär Strafzinsen für Privatkunden.

Japan

Auch in Fernost sind die Zinsen drastisch gefallen. Im Zuge der „Abenomics“, der Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe, wurde die Geldpolitik stark gelockert, um die schwächelnde Konjunktur anzukurbeln. Seit diesem Januar müssen auch dort Banken Negativzinsen zahlen für einige Gelder, die sie bei der Zentralbank horten. Minuszinsen für Sparer sind dort trotzdem nicht verbreitet.

USA

Die Vereinigten Staaten tanzen aus der Reihe. Dort denkt die Notenbank eher über eine Anhebung der Leitzinsen nach. Dennoch bürden Banken Kunden teils hohe versteckte Gebühren auf. Der Zahlungsverkehr ist mit dem innereuropäischen System nicht vergleichbar. Auf Papier gedruckte und per Post verschickte Schecks sind noch immer die Regel. Kunden müssen etwa für ihr Scheckheft bezahlen. Wessen Kontostand unter einen bestimmten Mindestbetrag fällt - etwa 1500 Dollar - muss Kontogebühren bezahlen. Relativ hohe Beträge werden auch für Transaktionen ins Ausland, speziell in Fremdwährungen fällig.

Das neue Gebührenmodell wirkt sich laut „Süddeutscher Zeitung“ so aus, dass es für Kunden mit weniger als 1000 Euro Gehaltseingang billiger wird – 3,90 statt bisher 5,90 Euro im Monat. Klöß beziffert ihre Zahl auf rund eine Million. Die Mehrheit der Kunden, jene mit einem Gehaltseingang zwischen 1000 und 3000 Euro, zahlen künftig erstmals eine Gebühr – 3,90 Euro im Monat. Über 3000 Euro Gehaltseingang können Kunden wiederum das kostenlose Premium-Konto nutzen.

„Wir müssen raus aus dieser Welt, in der Girokonten querfinanziert wurden“, begründete Postbank-Vorstand Susanne Klöß im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ die Umstellung. Die derzeitige Gratis-Kultur habe die Postbank selber mitbegründet. In der Zwischenzeit habe sich aber der Rahmen völlig verändert. In einer Welt mit höheren Zinsen habe eine Bank die Einlagen der Girokonto-Kunden anlegen und daher auf ein Entgelt für die Kontoführung verzichten können. „Natürlich geht es uns auch um die Erträge“, sagte Klöß. Die Postbank habe Mitarbeiter und Gesellschafter, denen sie gerecht werden müsse: „Wir brauchen ein nachhaltiges Geschäftsmodell.“

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Auf die Frage, ob mit dem neuen Gebührenmodell die meisten Kunden mehr zahlen, sagte Klöß: „Ja, das ist so.“ Aber sie bekämen auch etwas dafür: die komplette Kontoführung, das Online-Banking, mehr als 1000 Filialen, 9000 Stellen zur Bargeldversorgung. „Wenn man in Frankfurt eine Stunde parkt, kostet das 2,50 Euro“, sagte Klöß, die im Postbank-Vorstand für Produkte zuständig ist. „Darüber diskutiert kein Mensch. Hier reden wir von 3,90 im Monat, und da stelle ich nicht für zwei Stunden ein Auto ab, sondern bekomme einen echten Gegenwert in Form einer Dienstleistung.“

Die Postbank hat rund 14 Millionen Kunden, darunter mehr als 5 Millionen mit einem Girokonto. Sie ist damit nach den Sparkassen und Volksbanken die größte Privatkunden-Bank Deutschlands. Die Zahl der Girokonten, die 2015 stagnierte, ist nach den Worten von Klöß im ersten Halbjahr 2016 wieder gestiegen. „Aber klar, einige werden sich jetzt umorientieren. Ich bin nicht blauäugig“, sagte sie.

Kommentare (32)

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Novi Prinz

19.08.2016, 11:23 Uhr

Das ist ja praktisch, weil die Kleinrentner ihre Rente wieder bar ausbezahlt bekommen und damit auch den Weg , die Zeit und den CO 2 Ausstoss des Abhebens einsparen ! Kundenfreundlich und Umweltschonend , NICHT ZU TOPPEN 1

Baron v. Fink

19.08.2016, 11:49 Uhr

Die Deutsche Postbank AG ist ein deutsches Kreditinstitut mit Sitz in Bonn. Sie ist seit 2015 eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Bank.
Da lacht das Herz der DB-Aktionäre, wenigsten irgend einer ihrer Läden kann noch Geld verdienen.
Es zeigt aber auch wie es um die Banken steht, Eigenkapital wo bist du ?

Frau Pia Paff

19.08.2016, 12:22 Uhr

Endlich mal eine gute Lösung. Der Kleinverdiener will alles umsonst obwohl er nur kostet.

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