Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2007

08:51 Uhr

Potenzial bei Immobilienkrediten

Türkische Banken rücken in den Fokus

VonGerd Höhler

Ausländische Investoren kaufen sich derzeit reihenweise Anteile von türkischen Banken, um nichts zu verpassen. Denn dort gibt es vor allem bei den Konsumentenkrediten und der Immobilienfinanzierung Chancen wie in kaum einem europäischen Land.

2006 war ein Jahr der Bewährung für die türkischen Banken. Foto: dpa. dpa

2006 war ein Jahr der Bewährung für die türkischen Banken. Foto: dpa.

ISTANBUL. Wachstum und Konsolidierung dürften daher 2007 die bestimmenden Faktoren in der Finanzbranche am Bosporus sein.

Für außergewöhnlich großes Potenzial sorgt schon die Bevölkerungsstruktur: Das Durchschnittsalter der Türken beträgt 27 Jahre. Dazu kommt die Wohnungsbaufinanzierung. Hypothekendarlehen waren noch in den 90er-Jahren wegen der astronomischen Zinsen fast unbekannt. Sie machen deshalb in der Türkei erst rund drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, gegenüber rund 40 Prozent in der EU. „Die Wachstumsmöglichkeiten sind sehr groß“, sagt Aylin Corman, Analystin bei Garanti Securities in Istanbul.

Doch 2006 war ein Jahr der Bewährung für die türkischen Banken. Als die Anleger im Frühsommer den Schwellenmärkten massenhaft den Rücken kehrten, wurde die Türkei besonders hart getroffen. Wegen der wieder anziehenden Inflation, der überbewerteten Lira und des ausufernden Leistungsbilanzdefizits bekamen viele Investoren kalte Füße und zogen binnen weniger Wochen mehrere Mrd. Dollar von den Istanbuler Finanzmärkten ab. Doch entgegen manchen Befürchtungen konnte das türkische Bankwesen die Volatilität gut verkraften. „Das System hat seine erhöhte Widerstandsfähigkeit bewiesen“, lobt Magar Kouyoumgjian, Banken-Analyst bei Standard & Poor’s. Damit zeigte sich: Die türkische Finanzwirtschaft hat die schwere Liquiditätskrise des Jahres 2001 endgültig hinter sich gelassen. Damals brachen binnen weniger Monate 21 Geschäftsbanken zusammen, mehr als 30 000 Bankangestellte verloren ihre Jobs. Die Sanierung des Bankensektors, traditionell eine Achillesferse der türkischen Wirtschaft, kostete den Staat 46 Mrd. Dollar. Aus den Turbulenzen ging die Branche gestärkt hervor. Von mehr als 80 Banken vor der Krise sind heute 46 übrig.

Aber die Konsolidierung ist keineswegs abgeschlossen. Dafür sorgen die ausländischen Finanzdienstleister, die in den Markt drängen. So ließ sich im Frühjahr 2006 die National Bank of Greece den Einstieg bei der Finansbank, dem achtgrößten türkischen Kreditinstitut, 2,77 Mrd. Dollar kosten. Wenig später übernahm die griechische EFG Eurobank 70 Prozent an der Tekfenbank. Im Oktober investierte die Citigroup 3,1 Mrd. Dollar in einen 20-Prozent-Anteil an der Akbank, der Nummer drei der Branche, und die belgische Dexia übernahm 75 Prozent der Denizbank. Ausländische Finanzdienstleister, unter ihnen HSBC, Fortis, BNP Paribas, General Electric und Unicredit, kontrollieren mittlerweile mehr als ein Drittel des türkischen Bankenmarktes. Weitere Deals sind bereits in der Pipeline: Der Streitkräfte-Pensionsfonds Oyak verhandelt mit mehreren Interessenten über einen Verkauf der Oyakbank, Nummer zehn unter den Geschäftsbanken. Für dieses Jahr steht auch die Privatisierung der staatseigenen Halkbank an. Interesse an dem Institut bekundete bereits Akbank-Chairman Erol Sabanci. Finanzieren könnte Sabanci die Übernahme mit dem Erlös aus der Citigroup-Beteiligung. Istanbuler Finanzkreise rechnen damit, dass sich auch ausländische Finanzdienstleister für eine Übernahme der Halkbank interessieren.

Mittelfristig werden von den heute rund 15 Geschäftsbanken im engeren Sinne fünf bis sechs Institute den Sektor dominieren, schätzen Marktbeobachter. Als Vorbote einer neuen Konsolidierungswelle gilt die 2006 eingeleitete Fusion der Kocbank mit Yapi Kredi, die damit zur Nummer vier unter den türkischen Geschäftsbanken aufsteigen. Die Finanzmarkt-Turbulenzen des Frühsommers dürften zwar deutliche Spuren in den diesjährigen Bilanzen hinterlassen. Aber dennoch rüsten sich die großen Institute für die erwartete Nachfrage. So will der Branchenführer Is Bank jetzt 50 neue Zweigstellen eröffnen und 2  300 Beschäftigte einstellen. Die Finansbank plant 1 300 Neueinstellungen und die Eröffnung weiterer 85 Filialen. Ehrgeizige Expansionspläne hat auch HSBC, das größte ausländische Kreditinstitut in der Türkei. Von heute 192 Filialen will HSBC bis 2010 auf 359 Geschäftsstellen wachsen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×