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29.04.2011

12:24 Uhr

Preisabsprachen

EU stellt die Deutsche Bank an den Pranger

Banken stehen sehr selten in dem Verdacht, Preise abzusprechen. Doch genau das sollen 16 große Institute getan haben - und zwar bei Credit Default Swaps, kurz CDS. Auch die Deutsche Bank ist darunter.

Neue Sorgen machen sich in der Zentrale der Deutschen Bank breit. Quelle: Reuters

Neue Sorgen machen sich in der Zentrale der Deutschen Bank breit.

Brüssel Die EU-Wettbewerbshüter nehmen riskante Börsenwetten und damit auch die Deutsche Bank ins Visier. Wie die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mitteilte, seien zu Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps/CDS) zwei Kartell-Verfahren eröffnet worden.

Dabei geht es darum, ob 16 Investmentbanken und Markit, der führende Anbieter von Finanzinformationen auf dem CDS-Markt, sich in illegaler Weise absprachen. "Im zweiten Verfahren ermittelt die Kommission gegen neun dieser Banken sowie ICE Clear Europe als führender Clearing-Stelle für CDS", berichtete die Kommission. In beiden Verfahren ist unter anderen internationalen Geldhäusern die Deutsche Bank betroffen.

Die oft undurchsichtigen Absicherungs-Geschäfte über CDS stehen seit längerem am Pranger. Mit ihnen werden Ausfallrisiken von Anleihen oder Krediten - auch von Staaten - gehandelt. Im Zuge der Schuldenkrise in der Eurozone hatte es auch den Vorwurf gegeben, der CDS-Markt habe Spekulationen gegen finanzschwache Mitgliedsländer wie etwa Griechenland verstärkt.

Falls die Kartelljäger der Kommission in den Verfahren ihre Vorwürfe beweisen können und eine förmliche Entscheidung treffen, drohen den beteiligten Unternehmen Bußgelder von bis zu zehn Prozent eines Jahresumsatzes. Dieser Rahmen wird aber üblicherweise nicht ausgeschöpft. Möglich sind auch EU-Auflagen für die Geschäfte.

Absprachen zum Schaden von Kunden, Konkurrenten und Verbrauchern sind in der EU streng verboten.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Stefan-L-Eichner

29.04.2011, 13:32 Uhr

Der Vollständigkeit halber: Die Ermittlungen richten sich offenbar auch gegen die Commerzbank, J.P. Morgan, Citigroup, Bank of America, Goldman Sachs, Barclays, HSBC, BNP Paribas, Credit Agricole, Société Générale, UBS und Credit Suisse.

So viel zu der immer wieder von den Banken vorgebrachten Erklärung, es würde nicht gegen EU-Schuldenstaaten gezockt. Man darf gespannt sein, was die Ermittlungen erbringen.

MW65719

30.04.2011, 10:25 Uhr

Spannend, die Schlagzeile ...
Handelsblatt auf (unter?) Bildzeitungsniveau.
1. Wie schon im vorigen Kommentar - und in der zweiten Zeile dann genannt, ermittelt die EU Kommission gegen 16 Banken (praktisch alle großen, die in diesem Markt tätig sind), nicht nur bzw. nicht speziell gegen die Deutsche Bank
2. Kann von "an den Pranger stellen" durch die EU (noch) nicht die Rede sein. Das machen die erst, wenn sie einen Schuldspruch gefällt haben. Für das "an den Pranger stellen" nur wegen eines Anfangsverdachts / Einleitung von Ermittlungen fühlt sich die BILD ... äh, nein, das "seriöse" Handelsblatt zuständig.

Last but not least, zum vorigen Kommentar von Herrn Eichner noch: Hier geht es um die Frage, ob es illegale Preisabsprachen gab, nicht darum, ob gegen EU-Schuldenstaaten gezockt wird. Ob das Abschließen einer Versicherung auf eine Anleihe ein "Zocken" darstellt, bzw. ggf. der vom Grundgeschäft (der Anleihe) losgelöste Handel mit diesen Versicherungspolicen, wird wohl immer eine Interpretationsfrage sein. Aber vorsichtshalber oute ich mich jetzt mal: Ich zocke gegen Gevatter Tod - ich bin nämlich (nicht freiwillig) na der gesetzlichen Rentenversicherung und (freiwillig) bei privaten Rentenversicherungen versichert. Außerdem zocke ich noch gegen Einbrecher, Wasserschäden etc. mit einer Hausratversicherung. Und last but not least zocke ich gegen mich selbst mit meiner Haftpflichtversicherung ...

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