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15.11.2013

12:32 Uhr

Privatbank

Privatbank Julius Bär verliert an Schwung

Die Übernahme des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäft der Bank of America macht sich für Julius Bär bezahlt. Doch die Schwarzgelddebatte drückt den Aktien-Kurs der schweizerischen Bank.

Ein Mann betritt das Hauptquartiert von Julius Bär in Zürich. Die Kundeneinlagen der Schweizer Privatbank kletterten in den vergangen zehn Monaten auf 249 Milliarden Franken. Reuters

Ein Mann betritt das Hauptquartiert von Julius Bär in Zürich. Die Kundeneinlagen der Schweizer Privatbank kletterten in den vergangen zehn Monaten auf 249 Milliarden Franken.

ZürichDie Debatte um Schwarzgeld macht der Schweizer Privatbank Julius Bär zu schaffen. In den ersten zehn Monaten 2013 zogen westeuropäische Steuersünder, die sich selbst angezeigt haben, Gelder von ihren Bär-Konten ab, wie die Bank am Freitag mitteilte. Durch Zuflüsse aus den Schwellenländern holte die Bank gerade noch so viele neue Gelder von Kunden herein, dass sie ihre eigenen Ziele insgesamt nicht unterschritt. Bär hat sich vorgenommen, mittelfristig neue Kundengelder im Umfang vier bis sechs Prozent des Bestandes einzusammeln.

Seit vier Jahren lag das Neugeld-Aufkommen nicht mehr so niedrig: Kommt es in den kommenden Wochen nicht noch zu starken Zuflüssen, dürfte das Zürcher Institut 2013 das tiefste Wachstum seit 2009 ausweisen, als Bär bei den Kunden neues Geld von lediglich drei Prozent des Bestandes hereinholten konnte.

Kapitalquoten großer Banken (2. Quartal 2013)

Kernkapitalquoten

Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genannten Regelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

Bank of America

9,6 Prozent

Citigroup

10 Prozent

Commerzbank

8,4 Prozent (nach 7,5 Prozent im ersten Quartal)

Deutsche Bank

10 Prozent (nach 8,6 Prozent im 1. Quartal 2013)

Goldman Sachs

keine Angabe nach dem 2. Quartal 2013

JP Morgan

9,3 Prozent

Morgan Stanley

9,9 Prozent

UBS

11,2 Prozent

Wells Fargo

8,5 Prozent

Quelle

Die Kernkapitalquoten stammen von den jeweiligen Geldhäusern und beziehen sich auf das jeweils zuletzt verfügbare Quartal. Die Banken beschreiben die Quote als „Common Equity Tier 1 Ratio nach Basel III“ oder auch nach der EU-Umsetzung der Basel-III-Vorgaben („CRD IV“) als „pro forma fully loaded CRD IV core tier 1 ratio“. Offiziell gilt die Basel-III-Vorgabe erst ab 1. Januar 2019, doch die Investoren verlangen bereits lange eine deutliche Übererfüllung der künftigen Quoten.

Kunden aus Deutschland und anderen europäischen Ländern legten ihre in der Schweiz geparkten Vermögen den Steuerbehörden offen und müssten dafür Zahlungen leisten - Geld, dass sie von den Bär-Konten abziehen.

Eine Großübernahme bescherte Bär bis Ende Oktober immerhin einen sprunghaften Anstieg der Kundengelder. Die verwalteten Vermögen kletterten auf 249 Milliarden Franken von 189 Milliarden. Der bereits übernommene Teil des internationalen Vermögensverwaltungsgeschäfts der Bank of America/Merrill Lynch steuerte 48 Milliarden Franken bei. In den kommenden Monaten sollen schrittweise weitere Teile integriert werden. Bis Januar 2015 rechnet Bär mit einem Zufluss von insgesamt bis zu 72 Milliarden Franken.

Allerdings warfen die im Zuge Übernahmen gewonnen neuen Kunden auch weniger ab als das bestehende Geschäft. Zusammen mit dem Handelsstreik bei vielen Anlegern drückte dies die Bruttomarge - die Einnahmen gemessen an den verwalteten Vermögen - auf 97 Basispunkte von 102 in der ersten Jahreshälfte. Angesichts der geringen Kursausschläge lahmte insbesondere der Devisenhandel. Auch die Großbanken UBS und Credit Suisse hatten kürzlich enttäuschende Zwischenbericht vorgelegt.

An der Börse sackten die Bär-Titel um zwei Prozent auf 41,64 Franken ab, während die europäischen Bankentitel insgesamt unverändert notierten. „Wir können nicht sehen, wie die Akquisition in den nächsten zwei Jahren voll verdaut, der Margenrückgang gestoppt und die Kostenziele erreicht werden kann“, erklärte Kepler Cheuvreux-Analyst Dirk Becker.

Von

rtr

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