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22.03.2017

16:19 Uhr

Privatbanken

Bankhaus Lampe verdoppelt Gewinn

VonFelix Holtermann

Das Bielefelder Bankhaus Lampe hat 2016 seinen Gewinn mehr als verdoppelt – vor allem aufgrund des Verkaufs der Fondsgesellschaft Universal. Die Einnahmen aus dem regulären Geschäft sanken, auch wegen der Niedrigzinsen.

Das Bankhaus Lampe gehört zur Oetker-Gruppe. Stammsitz ist Bielefeld, die Geschäftsführung sitzt in Düsseldorf. dpa

Bankhaus Lampe

Das Bankhaus Lampe gehört zur Oetker-Gruppe. Stammsitz ist Bielefeld, die Geschäftsführung sitzt in Düsseldorf.

DüsseldorfGute Nachrichten für die Oetkers: Der Bielefelder Industriellenfamilie gehört neben dem gleichnamigen Nahrungsmittelkonzern auch das kleine, feine Bankhaus Lampe. Und das hat 2016 seinen Gewinn nach Steuern mehr als verdoppeln können auf 55 Millionen Euro, nach 23 Millionen Euro im Vorjahr. Der Gewinn soll nun vollständig an die Eigentümer ausgeschüttet werden.

In den vergangenen Jahren wurden Teile des Gewinns zur Stärkung des Eigenkapitals verwendet. „Das ist nun nicht mehr nötig“, sagte Stephan Schüller, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Düsseldorf. Schließlich habe man das Eigenkapitalpolster erfolgreich gestärkt, die harte Kernkapitalquote konnte auf mehr als 15 Prozent erhöht werden.

Generell bewege man sich in einem schwierigen Marktumfeld, sagte der Privatbankier. Der Zinsüberschuss betrug 49 Millionen Euro, ein Plus von knapp 14 Prozent. Gemessen an den Kundeneinlagen von rund 2,1 Milliarden Euro fällt er dennoch gering aus. Schüller erklärt das vor allem mit der anhaltenden Niedrigzinsphase: „An Einlagen verdienen wir nichts mehr.“ Das Bankhaus Lampe verlangt von Firmenkunden heute eine Geldaufbewahrungsgebühr von bis zu 0,4 Prozent pro Jahr. Privatvermögen sind ausgenommen. Traditionell stark ist Lampe beim Provisionsüberschuss, der einen Großteil zum Gewinn beisteuert. Während er im Vorjahr noch um über 20 Prozent gesteigert werden konnte, ging er 2016 um rund neun Prozent zurück auf 100 Millionen Euro.

Deutsche Banken im Strudel der Finanzkrise

BayernLB

Die Landesbank hatte sich im Zuge der US-Hypothekenkrise verspekuliert und musste mit Notkrediten von zehn Milliarden Euro gestützt werden. Die EU-Kommission verordnete eine radikale Schrumpfkur mit Halbierung der Bilanzsumme. Für das vergangene Jahr konnte die BayernLB wieder einen Nettogewinn von 545 Millionen Euro vermelden - zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Commerzbank

Die zweitgrößte deutsche Privatbank geriet nach der riskanten Übernahme der Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise in Turbulenzen. Der Staat sprang ein. Die direkten Staatshilfen haben die Frankfurter vor einigen Jahren zurückgezahlt. Der Bund ist mit rund 15 Prozent aber weiterhin größter Einzelaktionär der Commerzbank.

HRE

Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate war im Jahr 2008 fast kollabiert und musste mit staatlichen Milliardenhilfen aufgefangen werden, um den Finanzplatz Deutschland nicht zu gefährden. Ein Jahr später wurde die Bank notverstaatlicht. Die Altlasten wurden 2010 in eine Abwicklungsanstalt ausgelagert, die weiter im Staatsbesitz ist. Die profitable Kernbank Deutsche Pfandbriefbank kam 2015 an die Börse, doch blieb der Bund Großaktionär.

HSH Nordbank

Die Landesbank geriet 2008 in den Strudel der Finanzkrise und musste von den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein gerettet werden. Im Gegenzug für die Genehmigung milliardenschwerer Ländergarantien setzte die EU-Kommission den Verkauf des Instituts bis 2018 durch.

IKB

Die IKB Deutsche Industriebank war eines der ersten Opfer der Krise. Sie verspekulierte sich mit US-Hypotheken und wurde 2007 von der staatlichen Förderbank KfW, dem Bund und anderen Banken mit Milliarden gerettet. 2008 übernahm der US-Finanzinvestor Lone Star die Mehrheit an der IKB.

LBBW

Die Eigner - das Land Baden-Württemberg, die Sparkassen im Südwesten und die Stadt Stuttgart - stützten das Institut 2009 mit einer milliardenschweren Kapitalspritze und Bürgschaften. Als Auflage für die Hilfen verordnete die EU der Bank eine Schrumpfkur und einen strengen Sparkurs. Inzwischen ist das Institut wieder auf Kurs.

SachsenLB

Das Institut stand im Sommer 2007 wegen fragwürdiger Kreditgeschäfte in Milliardenhöhe am Rand des Abgrunds. Die Bank wurde an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) notverkauft.

WestLB

Die einst größte deutsche Landesbank ist mittlerweile Geschichte. Das Institut war durch Fehlspekulationen tief in die roten Zahlen gerutscht und musste von ihren Eigentümern - dem Land NRW und den Sparkassen - mit Milliarden gestützt werden. Im Gegenzug verlangten die EU-Wettbewerbshüter eine Zerschlagung. Mitte 2012 wurde der Düsseldorfer Konzern aufgespalten. Das Sparkassengeschäft übernahm die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Der insgesamt gesunkene operative Ertrag dürfte den Privatbankiers als Warnsignal dienen – insbesondere, da der Verwaltungsaufwand, also die Personal- und Sachausgaben, mit gut 13 Prozent stark angestiegen ist. Man habe Personal in den zwölf Niederlassungen aufgestockt, erklärte Schüller, und in die Vermögensverwaltung investiert. Mit diesen Schritten soll das Kerngeschäft, die Beratung vermögender Privatkunden und Familienunternehmer, in Zukunft weiter ausgebaut werden. Die Bilanzsumme, die zu rund zwei Dritteln aus Kundeneinlagen besteht, soll laut Schüller eher weiter schrumpfen.

„Der Jahresabschluss 2016 ist nicht repräsentativ“, betonte der Sprecher der Gesellschafter. So resultierte der Gewinnsprung vor allem aus dem Verkauf der Frankfurter Fondsgesellschaft Universal-Investment. Universal, 1968 als Fondsgesellschaft der deutschen Privatbankiers gegründet, gehörte zuletzt noch rund zur Hälfte dem Bankhaus Lampe sowie der Hamburger Berenberg-Bank. Zum Jahresanfang 2017 hat die Londoner Beteiligungsgesellschaft Montagu Private Equity das Fondshaus komplett übernommen.

Ute Gerbaulet vom Bankhaus Lampe: Fahrrad statt Ferrari

Ute Gerbaulet vom Bankhaus Lampe

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Ute Gerbaulet war eine der wichtigsten Investmentbankerinnen des Landes. Heute kümmert sie sich beim Bankhaus Lampe um den Mittelstand – als erste Frau im kleinen Führungskreis. Ihre erste Aufgabe hatte es in sich.

„Die Zeiten haben sich gewandelt“, kommentierte Schüller den Verkauf. Heute müsse man als Vermögensverwalter keine Kapitalanlagegesellschaft mehr besitzen. Die Zeiten, als Banken ihren Kunden vor allem eigene Fonds anboten, sind damit auch bei den Privatbankiers endgültig vorbei. Auch vermögende Privatkunden greifen immer öfter zu kostengünstigen Indexfonds oder anderen Anlageformen.

Und es gibt laut Schüller noch einen Grund, die traditionsreiche Fondsgesellschaft für einen dreistelligen Millionenbetrag zu verkaufen: Mit einem verwalteten Fondsvermögen von 24 Milliarden Euro seien die Risiken für das Bankhaus Lampe schlicht zu groß geworden. Lampe selbst hat eine vergleichsweise kleine Bilanzsumme von 2,9 Milliarden Euro, galt lange als mögliches Übernahmeziel. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank kommt auf 1,5 Billionen Euro.

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