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14.01.2009

11:37 Uhr

Privatbanken

Bund vor Einstieg bei Hypo Real Estate

Die Bundesregierung hatte nach dem Einstieg bei der Commerzbank kein Geheimnis daraus gemacht, dass dies auch bei anderen Privatbanken möglich ist. Nun steht der Einstieg des Bundes bei der Hypo Real Estate offenbar kurz bevor.

Die Hypo Real Estate dürfte bald auch teilweise in Staatshand sein. Foto: ap Quelle: ap

Die Hypo Real Estate dürfte bald auch teilweise in Staatshand sein. Foto: ap

ax/HB BERLIN. Der Bund prüft nach der Beteiligung an der Commerzbank auch einen Einstieg beim angeschlagenen Finanzkonzern Hypo Real Estate (HRE). Nach Informationen der Deutschen Presse- Agentur dpa aus Finanzkreisen ist aber noch keine Entscheidung gefallen. Der schwer angeschlagene Immobilienfinanzierer selbst wollte sich nicht zu einem möglichen Einstieg des Bundes äußern. „Kein Kommentar“, sagte ein Firmensprecher am Mittwoch in München.

Es würden verschiedene Modelle geprüft, um die Interessen der Steuerzahler zu schützen, hieß es in den Kreisen. Zu den Optionen soll auch eine Beteiligung von 25 Prozent plus eine Aktie wie im Fall der Commerzbank zählen. Die im MDax notierte HRE hatte bereits Staatsgarantien über 30 Mrd. Euro erhalten.

In mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen hieß es, der Bund sehe eine direkte Beteiligung an der HRE als eine von mehreren Möglichkeiten. Eine weitere Teilverstaatlichung eines großen deutschen Finanzhauses sei nicht das primäre Ziel der Verhandlungen.

Eine Sprecherin des Banken-Rettungsfonds Soffin lehnte eine Stellungnahme ab. Die HRE stand im Herbst als Folge der weltweiten Finanzkrise kurz vor der Pleite. Bund und die privaten Banken mussten den Immobilien- und Staatsfinanzierer mit 50 Mrd. Euro Kreditlinien retten.

Das Handelsblatt hatte zuvor berichtet, dass der angeschlagene Immobilienfinanzierer mehr Luft für die Inanspruchnahme staatlicher Garantien bekommt. Der Finanzmarktstabilisierungsfonds (Soffin) habe den zunächst bis 15. Januar 2009 zugesagten Garantierahmen im Gesamtumfang von 30 Mrd. Euro bis zum 15. April 2009 verlängert, teilte die Bank am Montagabend in München mit. Zugleich dauerten die Gespräche mit dem Soffin über längerfristige und umfassende Maßnahmen zur Liquiditäts- und Kapitalunterstützung der Gruppe weiter an. Die Aktien des Immobilienfinanzierers brachen am Dienstag weiter ein. Am Vormittag verloren die Papiere zeitweise gut acht Prozent auf 2,16 Euro.

Die Hypo Real Estate war im Zuge der internationalen Finanzkrise an den Rand der Pleite geraten und ist auf massive Unterstützung aus dem Banken-Rettungspaket der Bundesregierung angewiesen. Erst im Dezember hatte sich die Bank weitere Hilfen aus dem Rettungspaket verschafft, nachdem sie einen höheren finanziellen Bedarf festgestellt hatte. Der Garantierahmen wurde dabei von 20 auf 30 Mrd. Euro aufgestockt. Ihr Überleben will sich die Bank nun mit dem Abbau von mehr als der Hälfte der Arbeitsplätze und einer tiefgreifenden Neuausrichtung sichern. Im Zuge der Krise hatten unter anderem Ex-Vorstandschef Georg Funke und der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Viermetz ihre Posten geräumt.

Zuletzt wurde bekannt, dass der Bank hohe Schadenersatzforderungen drohen. Ein Anwalt der Münchner Kanzlei Rotter hatte in einem Zeitungsinterview für diese Woche angekündigt, eine Klage beim Landgericht München I einzureichen. Eine weitere Klage solle Ende September folgen. Die Kläger werfen den Verantwortlichen des Münchner Immobilienfinanzierers vor, dessen wirtschaftliche Lage falsch dargestellt zu haben.

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