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14.01.2009

17:19 Uhr

Privatbanken

Deutsche Bank schockt mit Milliardenverlust

Die Deutsche Bank hat die Präsentation ihrer Quartalszahlen überraschend vorgezogen – und das ist selten ein gutes Zeichen. Das Institut wies für das vierte Quartal einen Verlust von knapp fünf Milliarden Euro aus. Vorstandschef Josef Ackermann machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung und räumt Schwächen der Bank ein. Die Börse reagiert dementsprechend.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gerät in Erklärungsnot.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gerät in Erklärungsnot.

HB FRANKFURT. Die Deutsche Bank hat erstmals in der Nachkriegsgeschichte einen Jahresverlust verbucht. Damit hat die Finanzkrise nun auch Deutschlands größtes Geldhaus mit voller Wucht erfasst. Hohe Belastungen im Eigenhandel, Abschreibungen sowie Verluste beim Abbau von risikoreichen Positionen sorgten alleine im Schlussquartal für 4,8 Mrd. Euro Fehlbetrag vor Steuern. Für das Gesamtjahr wird von einem Fehlbetrag von 3,9 Mrd. Euro ausgegangen – nachdem die Bank 2007 noch einen Rekordgewinn von 6,5 Mrd. Euro erwirtschaftet hat.

Wie angespannt die Situation ist, zeigt der Umstand, dass der Einstieg bei der Postbank neu verhandelt werden musste. Um ihre Kapitaldecke zu schonen, zahlt die Deutsche Bank nun einen Teil des Kaufpreises von 4,9 Mrd. Euro in Aktien – weshalb die Post zumindest vorläufig einen Anteil von acht Prozent an der Deutschen Bank hält.

„Wir sind sehr enttäuscht“, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der für das erste Quartal keine Prognose wagte. „Das extrem schwierige Marktumfeld hat einige Schwächen in der Bank aufgezeigt.“ Die Aktionäre müssen sich nach dem Horrorquartal voraussichtlich mit einer Dividende von 50 Cent je Aktie begnügen – für das Geschäftsjahr 2007 hatten sie noch 4,50 Euro erhalten.

Die Börsianer reagierten schockiert auf die vorzeitig veröffentlichte Bilanz der Deutschen Bank. Die Aktie brach zeitweise um bis zu 13 Prozent ein. „Die Zahlen der Deutschen Bank waren ein Paukenschlag“, sagte NordLB-Händler Matthias Melms. „Dass die Deutsche Bank so schlecht abgeschlossen hat, ist schon beängstigend.“

In der Folge gaben auch andere Finanzwerte hierzulande deutlich nach. Die Papiere der Commerzbank sackten auf ein Allzeittief von unter vier Euro. Größter Verlierer im Dax waren die Postbank-Titel, die rund 18 Prozent einbüßten. Hintergrund ist, dass die neue Struktur des Postbank-Einstiegs ein Pflichtangebot frühestens in drei Jahren nötig macht. Auch weltweit haben die Zahlen der Deutschen die Angst um die Stabilität des Finanzsystems noch einmal angeheizt. In London fiel der Leitindex FTSE um sechs Prozent, die Kurse von Banken wie HSBC oder Barclays fielen zweistellig.

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