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06.03.2006

20:14 Uhr

Privatbanken

Die verwöhnten Kunden

VonSigrid Aufterbeck (Robert Landgraf und Christian Potthoff)

Die Konsolidierung bei den Privatbanken geht weiter. Von einst Hunderten Privatbankiers in Deutschland gibt es heute nicht einmal mehr fünfzig. Und nur wenige davon werden noch, wie im Fall Hauck & Aufhäuser, Sal. Oppenheim und Metzler, von privaten Inhabern geführt.

Die Banken konkurrieren nicht nur um die höchsten Wolkenkratzer. Insgesamt ist der Wettbewerb im Private Banking härter geworden. Foto: dpa

Die Banken konkurrieren nicht nur um die höchsten Wolkenkratzer. Insgesamt ist der Wettbewerb im Private Banking härter geworden. Foto: dpa

FRANKFURT. Als übernahmegefährdet gelten in der Branche Institute, die die kritische Größe von zehn Mrd. Euro an verwaltetem Vermögen unterschreiten. Im „Frankfurter Gespräch“ des Handelsblatts rechnet auch Dirk Drechsler, persönlich haftender Gesellschafter von Hauck & Aufhäuser (über 16 Mrd. Euro verwaltetes Vermögen) mit einer weiter rückläufigen Zahl unabhängiger Privatbankhäuser. Dennoch ist er überzeugt, dass das Privatbankiers-Konzept eine Zukunft hat: „Die Eigenkapitalrendite der ’echten’ deutschen Privatbankiers war in den letzten Jahren um das zwei- bis dreifache höher als die der vier deutschen Großbanken“, sagt Drechsler.

Gerade deswegen wird der Wettbewerb im Private Banking immer härter. Neben hohen Gewinnmargen machen Wachstumsraten von fünf bis zehn Prozent pro Jahr den Markt sehr attraktiv. Große Finanzkonzerne mit Private-Banking-Abteilungen, unabhängige Privatbankiers bis hin zu winzigen Spezialisten – im Fachjargon „Boutiquen“ genannt – umwerben die betuchte Klientel. Diese schätzt Walter Sinn von Geschäftsführer bei der Boston Consulting Group, auf 300 000 bis 350 000 Haushalte mit einem liquiden Vermögen von rund einer Bill. Euro. Daraus leitet er ein Erlöspotenzial von jährlich zehn Mrd. Euro ab. Wenn außerdem die so genannten „Affluent Individuals“ mit einem liquiden Vermögen von bis zu 250 000 Euro hinzugezählt werden, dann sieht Sinn Chancen für weitere 1,5 Millionen Kunden im Private-Banking. „Deutschland hat die höchste Vermögensdichte in Europa und ist damit extrem attraktiv“, erklärt Heinrich Adami, London-Geschäftführer und Deutschland-Koordinator beim Schweizer Privatbankier Pictet & Cie.

Mit Blick auf die vermögenden Privaten mit Affluent-Status, die aus dem Privatkundengeschäft der Großbanken in das Private Banking hineinwachsen, sieht BCG-Berater Sinn enormes Wachstumspotenzial für alle Private-Banking-Dienstleister. „Die Großbanken haben hier aufgrund ihrer bestehenden Kundenbeziehungen und flächendeckenden Aufstellung einen Wettbewerbsvorteil, nutzen ihn aber noch nicht ausreichend“, sagt Sinn.

Doch auch Chefs und Manager von Unternehmen reizen die Institute. Hier dürfte es den Großbanken angesichts ihrer Geschäftskundenbeziehungen leichter fallen, hier neue Kunden für sich zu gewinnen. „Viele unserer Geschäftskunden werden früher oder später Private-Banking-Kunden“, sagt Andreas Georgi, Private-Banking-Vorstand und demnächst Vertriebsvorstand der Dresdner Bank. Die Dresdner setzt darauf, ihre Firmenkunden auch für die Verwaltung des Privatvermögens zu gewinnen. „Es gibt Kunden, die möchten diese Dinge zusammenhängend regeln“, beobachtet Georgi.

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