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14.01.2007

13:45 Uhr

Privatbanken

Klasse und Masse

VonMelanie Bergermann
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Klein, aber fein – das alleine reicht nicht mehr, um als Privatbank zu bestehen. Wollen die Institute mit den wohlklingenden Namen überleben, müssen sie expandieren. Die Banken bemühen sich mit viel Einsatz um Kunden.

Sal. Oppenheim ist eine der größten deutschen Privatbanken. Sitz ist Köln. Foto: dpa dpa

Sal. Oppenheim ist eine der größten deutschen Privatbanken. Sitz ist Köln. Foto: dpa

FRANKFURT. Es zieht sie in die Großstädte, dorthin wo sich die Kundschaft sammelt. Doch es zieht sie nicht auf die Einkaufsmeilen der Innenstädte, eher in die edlen Viertel. Und dort wählen sie meist schmucke Altbauten als Domizile, die sie dann mit Marmor, Holzmöbeln und Gemälden ausstatten.

Optisch sind deutsche Privatbanken kaum zu unterscheiden. Gleiches gilt für ihre Kundschaft. Nur Reiche erhalten Einlass. Worin sich die Privatbanken ebenso einig sind: Sie wollen wachsen. Setzen die edlen Institute ihre Ankündigungen in die Tat um, wird sich ihre Präsenz in Deutschland in den nächsten Jahren drastisch erhöhen. Regionen, die bisher nur Genossenschaftsbanken und Sparkassen kannten, werden bald eine Privatbank vor Ort haben.

Was die Institute bei ihren Expansionsbemühungen antreibt, ist der Überlebenswille. Denn viele Privatbanken verdienen längst nicht so gut wie ihre Kunden. Zudem drängen immer mehr Großbanken ins traditionelle Geschäft mit den Vermögenden. Um die Kosten für Verwaltung und Informationstechnik besser verkraften zu können, wollen die Privatbanken nun Masse aufbauen. Sie erweitern ihre Filialnetze, gehen ins Ausland und kaufen Wettbewerber.

Beispiel Merck Finck & Co, eine der kleineren Privatbanken. 2004 erzielte Merck Finck einen Überschuss von gerade mal rund 100 000 Euro. „Die Zahlen waren nicht optimal. Doch das war gestern“, sagt Michael Krume, persönlich haftender Gesellschafter bei Merck Finck. „In diesem Jahr haben wir bereits jetzt unsere eigenen Erwartungen übertroffen.“ Wo die Bank nun genau steht, lässt sich nicht nachvollziehen; seit 2005 weist Merck Finck die Zahlen der Bank nicht mehr gesondert aus.

Klar ist, das Institut hat reagiert. Mitte 2004 schaltete es auf Expansion und hat den Beraterstamm bis heute um 70 Prozent aufgestockt. Lange konzentrierte die Bank sich nur auf Bayern, heute betreibt sie elf Filialen bundesweit. Und das soll erst der Anfang sein. Niederlassungen sollen in Leipzig, Hannover, Essen und im Raum Ulm entstehen. Bis 2010 will die Bank jährlich um 15 Prozent wachsen. Dazu beitragen könnten auch Institute, die die Münchner zukaufen wollen. „Wenn sich die Gelegenheit ergibt eine Privatbank, eine Private-Banking-Sparte oder einen freien Vermögensverwalter zu kaufen, werden wir sie nutzen“, sagt Krume. Auch neue Kundengruppen zu erschließen ist für Krume ein Weg zu schnellerem Wachstum.

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