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10.03.2016

12:40 Uhr

Privatbankier Metzler zur Börsenfusion

„So ganz vertrauen wir den Engländern nicht“

Privatbankier Friedrich von Metzler pocht darauf, dass eine europäische Großbörse ihren Sitz in Frankfurt haben sollte. Darüber habe er mit dem Chef der Deutschen Börse gesprochen. Reaktion darauf: keine.

Klare Meinung zur angestrebten Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange. Reuters

Friedrich von Metzler

Klare Meinung zur angestrebten Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange.

FrankfurtFrankfurt sollte Hauptsitz einer fusionierten deutsch-britischen Börse, fordert der Privatbankier Friedrich von Metzler. „Europa braucht eine international wettbewerbsfähige Börse“, sagte er und stellte sich ausdrücklich hinter die Fusionspläne von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE). „Größe und Finanzkraft sind die entscheidenden Faktoren, um zukünftig in diesem Wettbewerb bestehen zu können.“ Doch nach seiner Ansicht droht der Mainmetropole ein Bedeutungsverlust, sollte die neue Holding wie geplant in London angesiedelt werden. „So ganz vertrauen wir den Engländern nicht“, betonte von Metzler.

Die Deutsche Börse müsse ihre Vorteile besser ausspielen: Sie sei größer und insbesondere im Terminmarkt, Clearing und der Verwahrung von Wertpapieren leistungsfähiger. Außerdem sei die IT-Kompetenz in Frankfurt angesiedelt. Gegen London spreche zudem die Unsicherheit wegen des geplanten Referendums über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union („Brexit“).

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Friedrich von Metzler, der jahrelang die gleichnamige Privatbank führte, ist einer der prominentesten Köpfe am Finanzplatz Frankfurt, wo er sich regelmäßig in öffentliche Debatten einmischt. Zur Deutschen Börse hat er ein besonders enges Verhältnis, war er doch in verschiedenen Funktionen an der Umwandlung der Frankfurter Wertpapierbörse in die Deutsche Börse AG beteiligt: Von 1989 bis 1993 war er Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Wertpapierbörse, von 1993 bis 2008 saß er im Aufsichtsrat der Deutschen Börse.

Diese wird inzwischen von Carsten Kengeter geführt, einem früheren Investmentbanker, dessen Familie in London lebt. Vor allem vor diesem Hintergrund befürchten Kritiker einen Ausverkauf Frankfurts. Von Metzler sagte, er habe Kengeter seine Sicht der Dinge mitgeteilt. „Aber er hat mir nicht gesagt, was er davon hält.“

Deutsche Börse und LSE hatten Mitte Februar angekündigt, zum mit Abstand größten Börsenbetreiber Europas verschmelzen zu wollen. Die Details des gut 25 Milliarden Euro schweren Zusammenschlusses müssen beide Unternehmen bis zum 22. März vorlegen. Kengeter hat mehrfach betont, dass der Finanzplatz Frankfurt von der Fusion profitieren werde. "Der Sitz der Holding ist in diesem Gesamtkonstrukt von untergeordneter Bedeutung", sagte er kürzlich im hessischen Rundfunk. Insidern zufolge stand es niemals zur Debatte, die Holding der Mega-Börse am Main anzusiedeln. Dagegen spreche aus Sicht der Unternehmen unter anderem, dass in einer Holding laut deutschem Recht auch Arbeitnehmervertreter vertreten sein müssten. Unterhalb der Holding soll jedoch die Deutsche Börse AG erhalten bleiben, in deren Aufsichtsrat auch Arbeitnehmervertreter sitzen.

Die tief in der Sanierung steckende Deutsche Bank kann die Wende nach Einschätzung von Metzlers noch schaffen. „Die Neuaufstellung kommt spät, aber nicht zu spät“, sagte er am Mittwochabend im Frankfurter Wirtschaftspresseclub. „Ich hätte mich gefreut, wenn es früher passiert wäre.“ Deutschland brauche eine große internationale Bank. Daher schaue die gesamte Branche gespannt darauf, wie sich das Geldhaus unter dem neuen Vorstandschef John Cryan entwickele.

Cryan hatte das Ruder im vergangenen Juli von Anshu Jain übernommen, der bei wichtigen Investoren und einigen Aufsichtsbehörden in Ungnade gefallen war. Ihnen ging das Aufräumen der Altlasten nicht schnell genug. Die Deutsche Bank ächzt unter zahlreichen Rechtsstreitigkeiten, die die mühsam erwirtschafteten Gewinne immer wieder auffressen. Im Niedrigzinsumfeld ist das eine besonders schwierige Ausgangslage.

Die großen US-Rivalen, mit denen sich die Deutsche Bank lange Zeit messen wollte, verdienen längst wieder zweistellige Milliardengewinne, während die Frankfurter im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von fast sieben Milliarden Euro verbuchten. Unter Cryan geht die Deutsche Bank nun mit einer fast völlig erneuerten Führungsmannschaft in die Zukunft. Der Konzern wird abermals umgebaut und soll deutlich schrumpfen, insbesondere im Privatkundengeschäft.

Vor allem in Deutschland wird die Kritik der Banken an der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) lauter. Die Institute sehen sich im angestammten Kreditgeschäft immer mehr unter Druck. Von Metzler sagte, sein Haus - die gleichnamige Frankfurter Privatbank - treffe diese Entwicklung nicht so sehr, da es auf die Vermögensverwaltung spezialisiert sei. Er könne die EZB-Politik aber generell nicht nachvollziehen. Risiken für die Stabilität des hiesigen Bankensystems sieht von Metzler nicht.

Von

rtr

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