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09.05.2013

13:13 Uhr

Private Banking

Deutsche Bank fusioniert Vermögensverwalter

Die Verwaltung von Vermögen reicher mittelständischer Unternehmer und von Stiftungen gilt als Königsdisziplin unter Bankern. Eine Fusion soll die Deutsche Bank in diesem Segment jetzt schlagkräftiger machen.

Tochter der Deutschen Bank: Sal. Oppenheim. dpa

Tochter der Deutschen Bank: Sal. Oppenheim.

Die Deutsche Bank verwaltet große Familienvermögen künftig aus einer Hand. Die Oppenheim Vermögenstreuhand (OVT) ist mit der Wilhelm von Finck Deutsche Family Office verschmolzen worden, wie die Bank am Donnerstag mitteilte. Mit der Deutsche Oppenheim Family Office AG entstehe der größte Vermögensverwalter für mittelständische Unternehmer und Stiftungen in Deutschland und einer der größten in Europa. Die rund 80 Mitarbeiter in Frankfurt, Köln und München verwalten nach Unternehmensangaben Vermögen von mehr als zehn Milliarden Euro. Überschneidungen gebe es kaum, so dass nur wenige Stellen wegfallen sollen.

In "Family Offices" arbeiten Finanzmanager, die sich hauptberuflich um das Vermögen einer Unternehmer-Familie oder von deren Erben kümmern. Lohnt sich das für eine einzelne Familie nicht, kann ein Family Office auch mehrere Mandanten gleichzeitig betreuen. Für Banken sind solche Einheiten die oberste Kategorie der Vermögensverwaltung. Typische Kunden der Deutsche Oppenheim Family Office AG lassen dort nach Unternehmensangaben 30 bis 50 Millionen Euro anlegen.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

1789

Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

1798

Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

1904

Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

1929

Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

1938

Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

1947

Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

1964

Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

1993

Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

1999

Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

2005

Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

2008

Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

2009

Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Die Fusion fällt in eine Zeit, in der die Euro-Krise viele Unternehmerfamilien verunsichert habe, sagen Branchenexperten. Für die meisten stehe in der Beratung mehr denn je der Erhalt des Vermögens - trotz Steuern und Inflation - über Generationen hinweg im Vordergrund.

Geführt wird die neue Einheit von vier Vorständen, je zwei kommen von OVT und von Wilhelm von Finck. Mit der Fusion sei eine größere Spezialisierung möglich, hieß es. OVT ist spezialisiert auf die Steuerung illiquider Vermögen und übernimmt etwa die Finanzbuchhaltung. Wilhelm von Finck ist dagegen eher als klassischer Vermögensverwalter unterwegs.

Organisatorisch ist die Family-Office-Einheit jetzt eine Schwestergesellschaft der Fondsgesellschaft DWS innerhalb der Deutsche-Bank-Tochter DB Capital. Damit solle sie mehr Freiheit bekommen als die beiden Bank-Töchter bisher, aber doch von den Mittelstands-Kunden der Deutschen Bank profitieren, hieß es im Unternehmen.

Der Zusammenschluss ist Teil des grundlegenden Umbaus der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank. Das Geschäft mit privaten und institutionellen Kunden wurde zum Bereich Asset and Wealth Management zusammengelegt. Die Privatbank Sal. Oppenheim, die sich traditionell um vermögende Kunden kümmert, wirft allerdings noch nicht genug Gewinn ab - hier steht deshalb ein größerer Jobabbau an.

Von

rtr

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