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12.05.2012

08:23 Uhr

Private-Equity-Branche

China düpiert Finanzinvestoren

VonFinn Mayer-Kuckuk

Anleger aus dem Ausland hatten lange hoffend nach China geblickt. Eine stärkere Öffnung des Marktes für Unternehmensbeteiligungen schien nahe. Doch nun hat Peking den Ängsten der konservativen Kräfte nachgegeben.

Für sie ist die Welt noch in Ordnung: Händler an der Börse in Shanghai. Reuters

Für sie ist die Welt noch in Ordnung: Händler an der Börse in Shanghai.

PekingIm Streit über die Öffnung des Kapitalmarkts haben sich in China die Reformgegner durchgesetzt. Private-Equity-Fonds werden weiterhin als ausländische Anleger diskriminiert, wenn sie Geld internationaler Investoren enthalten. Bei Start eines Pilotprojekts in Schanghai vor einem guten Jahr sah es noch so aus, als könnte diese Regel kippen. Doch Peking hat nun ein Machtwort gesprochen: Fonds gelten auch dann als ausländisch, wenn sie nur kleine Mengen ausländischen Kapitals enthalten. Das geht aus einem Brief des Entwicklungs- und Reformministeriums in Peking an die Stadtregierung von Schanghai hervor, aus dem die Zeitung "21st Century Business Herald" zitiert.

China ist potenziell ein gewaltiger Markt für die Beteiligungsbranche. Das Volumen der Zukäufe erreichte im vergangenen Jahr 16 Milliarden US-Dollar und ist damit binnen zweier Jahre um 88 Prozent gestiegen. Experten sehen noch Luft, denn diese Summe entspricht 0,2 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts, während der Wert in Europa bei 0,3 und in den USA bei 0,5 liegt, wie die Unternehmensberatung Bain & Company errechnet hat.

Der Unterschied zwischen ausländischen und inländischen Investoren ist wichtig. Inländische Investoren erhalten nicht nur Vergünstigungen wie niedrigere Steuern. Sie dürfen auch in Schlüsselbranchen wie Banken, Telekom oder Rohstoffe investieren, von denen Ausländer ausgeschlossen sind. Als inländisch gilt, wer sein Geld vor Ort einsammelt. Ausländisches Kapital ist als Zufluss über den Umtausch von Devisen in Yuan definiert.

Das Pilotprojekt in Schanghai vom Januar 2011 sah vor, dass gemeinsam aufgelegte Fonds von internationalen und chinesischen Beteiligungsgesellschaften auch als Inländer gelten, wenn sie einen Teil ausländischen Kapitals enthalten. Der US-Investor Blackstone wollte diese Regel nutzen, um einen Fuß in den Markt zu bekommen. Er hat einen Fonds vorbereitet, der zum größten Teil mit vor Ort eingesammeltem Kapital gefüllt war - und wollte nun aus seinen internationalen Töpfen etwas zuschießen.

Doch daraus wird nichts. "Wir sollten Blackstone als Präzedenzfall behandeln", schrieb die maßgebliche National Development and Reform Commission (NDRC) von Peking aus nach Schanghai. Fonds, die ausländisches Kapital enthalten, sollten auch künftig den "geltenden Bestimmungen nach" behandelt werden. Damit rufen die konservativen Kräfte in Peking die wirtschaftsfreundlichen Reformer der Stadtregierung in Schanghai zurück.

Kommentare (4)

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Icke

12.05.2012, 11:20 Uhr

"Mehr Konkurrenz würde die Transparenz und Effizienz der Wirtschaft erhöhen. "Gerade Mittelständler können von Private Equity einen Wachstumsschub bekommen", sagt Branchenexperte Han Weiwen von Bain."

Genau, dann wachsen sie... Weil sie wachsen ja z.Z. auch nicht. Dabei heiß diese Wachstum ja nur kaufen, kaufen, kaufen und übernehmen. Die dann enstehenden internationalen Großkonzerne sind bestimmt gut für den Mittelstand und den Wettbewerb...

Irgendwie klingt es für mich auch nicht konservativ, sich nicht einfach dem ausländischen Großkapital und seinem Druck zu beugen. Warum sollten sie auch, nur um europäische und amerikanische Renten und Milliadäre zu bedienen. Die Chinesen erarbeiten sich doch genug Geld - genau wegen dieser Politik. Unsere Gelddrucker haben nur (leider) nichts davon.

Account gelöscht!

12.05.2012, 13:19 Uhr

Völlig richtig.

China steht auf der Kippe und muß seine Gewinne für sich behalten.
Außerdem sollten unsere Regierungen den Fondsbetreibern das Handwerk legen, denn sie veruntreuen aus Geldgier frisch gedrucktes Geld, welches hier Jobs schaffen könnte.

B.Giertz

12.05.2012, 13:31 Uhr

Die Chinesen sind eben nicht so dumm wie wir Europäer !
Sie lassen keinen Ausverkauf ihre Wirtschaft an Finanzinvestoren zu, wo niemand genau weiß wer überhaupt dahinter steht !!
Geld ist immer auch Macht und Wirtschaft immer auch Politik !!!

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