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30.01.2009

07:10 Uhr

Private-Equity-Branche

Finanzstars im Überlebenskampf

VonHans G. Nagl

Auch wenn die Private-Equity-Branche nicht müde wird, Optimismus zur Schau zu stellen, die Realität sieht - zumindest derzeit - völlig anders aus. Private-Equity-Firmen fehlt frisches Kapital, zudem haben sich viele verspekuliert. Wer in der Branche als Wackelkandidat gehandelt wird.

Blackstone-Gründer Stephen Schwarzman verbreitet Optimismus, doch auch für ihn wird es schwieriger, renditestarke Objekte zu finden. Foto: Reuters Reuters

Blackstone-Gründer Stephen Schwarzman verbreitet Optimismus, doch auch für ihn wird es schwieriger, renditestarke Objekte zu finden. Foto: Reuters

FRANKFURT. Gemessen an den Ticket-Preisen ist alles beim Alten. 4 757,62 Pfund zahlen die rund 1 200 Teilnehmer der "Superreturn", wenn sie sich in der kommenden Woche in Berlin für vier Tage auf dem alljährlichen Stelldichein der Private-Equity-Branche treffen. Während sich die allgegenwärtige Krise also beim Eintritt nicht niedergeschlagen hat, zeigt sie sich umso heftiger in den Unternehmensportfolios der Beteiligungsgesellschaften - und damit bald auch bei ihnen selbst. Öffentlich zugeben, mag es keiner: Die Heuschrecken-Branche steckt in der schwersten Krise ihrer Geschichte. "Schon jetzt gibt es ein paar, die tot im Wasser liegen", sagt der Deutschland-Chef eines großen Fonds.

Das deckt sich mit einer Studie der IESE Business School und der Boston Consulting Group (BCG). Bis zu 40 Prozent der Private-Equity-Häuser könnten binnen der nächsten drei Jahre vom Markt verschwinden, heißt es darin. "Es wird einige der großen Namen treffen", prognostiziert auch John Evans, der bei KPMG den Bereich Finanzinvestoren leitet. Das Sterben vollzieht sich langsam: Viele Manager dürften in ein paar Jahren einfach kein Geld mehr für den nächsten Fonds bekommen, weil der alte - wenn überhaupt - schwache Renditen ablieferte.

Als Wackelkandidaten werden in der Branche unisono Namen wie 3i, Permira, Apollo oder auch Cerberus genannt. Letzterer hat sich nicht zuletzt mit Engagements bei Chrysler oder dem US-Autofinanzierer GMAC verspekuliert und musste Personal streichen. Kein Einzelfall, wie der Blick auf Carlyle oder Blackstone zeigt.

Dennoch wird man in der Szene nicht müde, demonstrativ Optimismus zur Schau zu stellen. So predigte Blackstone-Gründer Stephen Schwarzman noch im Oktober, die Branche habe stets den Grundstein für die besten Renditen in der Rezession gelegt. "Das ist eine absolut wunderbare Zeit", lautete das Credo des Private-Equity-Gurus.

Die Realität sieht - zumindest derzeit - völlig anders aus. Alleine in Europa fiel im Schlussquartal 2008 das Volumen der Transaktionen von Finanzinvestoren nach Daten des Anbieters Unquote um drei Fünftel auf magere acht Mrd. Euro. Das ist der niedrigste Wert seit Mitte 1997. "Wir sind faktisch auf einem Tiefpunkt, was die Investitionstätigkeit anbelangt", bestätigt KPMG-Experte Evans.

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