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17.09.2012

21:57 Uhr

Privatisierung

Russland trennt sich von Teilen der Sberbank

In Deutschland wurde die Sberbank bekannt, als sie bei der Finanzierung eines möglichen Verkaufs des Autoherstellers Opel eine Rolle spielte. Russland treibt jetzt den Verkauf von Teilen des staatlichen Instituts voran.

Eröffnung einer Sberbank-Filiale in Süd-Russland im vergangenen Jahr. Reuters

Eröffnung einer Sberbank-Filiale in Süd-Russland im vergangenen Jahr.

MoskauRussland treibt seine Privatisierungspläne wieder voran. Am Montag brachte die Zentralbank den Verkauf von 7,6 Prozent am größten Geldinstitut des Landes, der staatlichen Sberbank, in Gang. Das Vorhaben könnte dem Staat mehr als fünf Milliarden Dollar in die Kassen spülen. Es wäre der größte Privatisierungserlös seit Februar, als sich der Staat für 3,3 Milliarden Dollar von zehn Prozent an der Bank VTB getrennt hatte.

Der Verkauf der Sberbank-Anteile, die in Moskau und London platziert werden sollen, stieß offenbar auf großes Echo. Wie am Abend aus Marktkreisen verlautete, gab es für alle angebotenen 1,71 Millionen Aktien bereits Interessenten. Die Gebote lagen bei 93,5 Rubel oder höher. Offiziellen Angaben zufolge soll sich der Preis zwischen 91 Rubel und dem Kurs bewegen, der bei der Schließung der Bücher erreicht wird. Die Bekanntgabe wird für den späten Dienstag oder frühen Mittwoch erwartet. Gemessen am Börsenwert ist die Sberbank das drittgrößte Geldhaus Europas nach der britischen HSBC und der spanischen Santander.

"Das war der beste Tag in den vergangenen 15 Monaten für die Entscheidung, an den Markt zu gehen", sagte Sberbank-Chef German Gref in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Er hoffe, dass auch Investoren aus China, Singapur oder Hongkong zugriffen. Für Gref ist der Verkauf ein wichtiger Schritt in seinem Bemühen, aus dem schwerfälligen Staatsapparat eine moderne Bank mit internationalen Ambitionen zu formen.

Gegründet wurde die Sberbank vor 170 Jahren und hatte während der Sowjetzeiten ein Monopol. 46 Prozent der russischen Privatkonten liegen immer noch bei ihr. Damit hat das Institut bei seinen westlichen Konkurrenten eine herausragende Position. Im Herbst 2009 war Sberbank als Käufer für einen Anteil des Autoherstellers Opel im Gespräch. Der Abschluss platzte aber schließlich, da sich der Eigner General Motors entschied, Opel zu behalten.

Derzeit hält der russische Staat 57,6 Prozent an der Sberbank. Nach der Teilprivatisierung soll der Anteil auf 50 Prozent plus eine Aktie gesenkt werden. Die Kontrolle will der Staat aber behalten. Bereits seit längerem steht das Geldhaus auf der Privatisierungsliste der Regierung. Nachdem der Kurs im vergangenen Jahr aber einbrach, wurden die Pläne verschoben.

Einem Fondsmanager zufolge könnte die Regierung mit dem Sberbank-Anteilsverkauf punkten. "Wenn sie hierfür fünf Milliarden Dollar bekommen können, wird es auch sicherlich Geld für die anderen Privatisierungen geben", sagte Bruce Bower von Verno Capital, die selber Sberbank-Aktien halten. "Und zweitens gab es viel Sorgen, dass die Regierung es nicht ernst meint. Die Meinungen müssen jetzt wohl revidiert werden."

Von

rtr

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