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03.01.2007

15:18 Uhr

Privatkundengeschäft

Den Direktbanken geht es an den Kragen

VonRolf Benders

Seit Gründung der Direktbanken sind Millionen Kunden von den alteingesessenen Instituten dorthin abgewandert. Günstige Konditionen waren stärker als der persönliche Kontakt zum Berater. Großbanken, Sparkassen und Kreditgenossen drehen den Spieß jetzt um. Sie überbieten sich gegenseitig mit lukrativen Neukundenangeboten. Die Direktbanken befürchten Schlimmes.

Skyline des Bankenplatz Frankfurt: Die deutschen Großbanken und Sparkassen holen zum Gegenschlag gegen die Konkurrenz der Direktbanken aus. Foto: dpa dpa

Skyline des Bankenplatz Frankfurt: Die deutschen Großbanken und Sparkassen holen zum Gegenschlag gegen die Konkurrenz der Direktbanken aus. Foto: dpa

FRANKFURT. „Die etablierte Konkurrenz hat das Tagesgeld und auch kostengünstige Girokonten für sich entdeckt, weil sie die Abwanderung der Kunden zu den Direktbanken stoppen müssen“, sagt Martin Daut, Vorstand bei Cortal Consors. „An dieser Front haben sie 20 Jahre lang geschlafen und sind jetzt aufgewacht.“

Lange konnten sich die Direktbanken, allen voran Marktführer ING Diba und die Comdirect, im deutschen Bankenmarkt benehmen wie ein Hecht im Karpfenteich. Hohe Tagesgeldzinsen und kostenlose Girokonten lockten preisbewusste und interneterfahrene Bankenkunden in Scharen an. Der Kundenstamm der zur niederländischen Finanzgruppe ING gehörenden Diba versiebenfachte sich seit 2001 auf derzeit gut 5,5 Millionen. Zu leiden hatte vor allem die Verbünde, also Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Mit geringen Sparbuchzinsen und hohen Kontoführungskosten waren sie nicht konkurrenzfähig. Aber das Umfeld hat sich geändert. So bieten nicht nur die Großbanken Dresdner Bank, Hypo-Vereinsbank und Commerzbank attraktive Konditionen an, auch die beiden großen Bankenverbünde steuern gegen. Sie überbieten sich gegenseitig mit Neukundenangeboten bei Tagesgeldzinsen und kostenlosen Girokonten.

Diese Offensive macht sich in den Bilanzen der ehemaligen Preisbrecher bemerkbar. „Wir Direktbanken müssen uns auf geringere Wachstumsraten beim Tagesgeld einstellen. Vor allem die Sparkassen und die Kreditgenossenschaften greifen uns dort an, weil ihre Schmerzgrenze beim Einlagenabfluss offenbar überschritten wurde“, sagt Peer Teske von der Netbank. Das Einlagenwachstum im Tagesgeld der Netbank habe sich halbiert, insbesondere bei Einlagen über 100 000 Euro.

Die Reaktion der Direktbanken fällt – je nach Ausrichtung – unterschiedlich aus. Marktführer ING Diba zieht zum 1. April 2007 mit einem kostenlosen Girokonto nach, bleibt aber beim Tagesgeldzins bei seiner zurückhaltenden Linie. Die Bank will erst zum Februar die Verzinsung auf ihrem populären Flaggschiffprodukt „Extra-Konto“ von 2,75 auf drei Prozent anheben. Dass sie damit hinter den Spitzenwerten von derzeit bis zu 3,6 Prozent einiger aggressiver Konkurrenten zurückfällt, sieht Diba-Chef Ben Tellings nicht als Nachteil. „Wir wollen unseren Kunden dauerhaft attraktive Konditionen bieten und nicht möglichst viele Neukunden über dubiose Lockangebote, die nur für Neukunden gelten und über begrenzte Einlagensicherung verfügen, gewinnen“, sagt der Niederländer. Er setzt auch 2007 auf weiteres Wachstum und setzt sich große Ziele: „Wachstumstreiber werden wie 2006 die Baufinanzierung, das Spargeschäft und das Brokerage sein, in dem wir die Marktführerschaft anstreben.“

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