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15.02.2013

06:49 Uhr

Privatkundengeschäft

Mehr bieten in der Spar-Filiale

VonThorsten Giersch, Sebastian Ertinger

Es ist die Quadratur des Kreises: Die Commerzbank will ihren Privatkunden mehr Service bieten und gleichzeitig muss sie sparen.

Die Commerzbank muss sparen – und will zugleich die Filialen länger aufhalten. dpa

Die Commerzbank muss sparen – und will zugleich die Filialen länger aufhalten.

Düsseldorf1200 Filialen betreibt die Commerzbank Deutschlandweit. Und gefühlt genauso oft hat der Vorstand angekündigt, sich mehr um den „kleinen Sparer“ kümmern zu wollen. Das Privatkundengeschäft soll zum wichtigen Standbein werden.

Das Problem ist nur, dass dann auch Kosten und Einnahmen in einem guten Verhältnis stehen sollten. Davon ist die Commerzbank laut Experten weit entfernt: „Gerade weil die Bank in der Wettbewerbslage nicht die Erlöse steigern kann, muss sie an die Ausgaben ran“, sagt Bankenexperte Dieter Hein vom Analysehaus Fairesearch. „Die Commerzbank hat ein Kostenproblem.“

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 12

2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

Platz 11

Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

Platz 10

Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

Platz 9

Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

Platz 8

Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

Platz 7

Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

Platz 6

Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

Platz 5

Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

Platz 4

Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

Platz 3

Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

Platz 2

Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

Platz 1

Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Die Lösung ist so offensichtlich wie hart: Stellenstreichungen. Zwischen 4000 und 6000 der Jobs muss Deutschlands zweitgrößte Privatbank kürzen. Die Gewerkschaft Verdi fürchtet einen Kahlschlag: Jeder dritte Mitarbeiter in den Filialen könnte wegfallen.

So schlimm wird es wohl nicht kommen. Aber die Kritik der Gewerkschaften an der Sparstrategie steht dennoch: „Die Commerzbank hat kein Kostenproblem, sondern sie macht zu wenig Erträge“, sagt Mark Roach, der für die Gewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat der Bank sitzt. Ein klarer Widerspruch also zu den Argumenten des Vorstandes – und in diesem Fall auch gegenüber dem unabhängigen Fachmann. Offenbar schätzt die Gewerkschaft die Einnahmepotenziale des Geldhauses höher ein als die Führung der Bank. Denn die will gerade im Privatkundengeschäft sparen. Das bedeutet konkret: Geschäftsräume sollen länger aufbleiben, um mehr Kunden anzulocken.

Bankenexperte Dieter Hein kennt das seit langem: „Woran sich die Commerzbank hier versucht, probiert sie im Grunde schon seit 15 Jahren.“ Das Bankgeschäft habe sich durch das Internet verändert. „Filialbanken wie die Commerzbank müssen sich gegenüber Online-Instituten durch besseren Service und bessere Beratung rechtfertigen“, argumentiert Hein. Die Erreichbarkeit für die Kunden sei entscheidend. Und das geht eben nur mit mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit der Angestellten: „Dies ist eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.“

Es ist ja auch nicht so, dass die Commerzbank mit diesem Problem allein dasteht. Immer noch wirken die allermeisten Bankfilialen wie ein Anachronismus auf viele Kunden: mittags geschlossen, um 17 Uhr wird Feierabend gemacht und samstags steht man vor geschlossenen Türen. Der Einzelhändler um die Ecke hat dagegen bis 22 Uhr auf. Gut, dass man dort mit Karte zahlen kann.

Kommentare (3)

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MBoudik

15.02.2013, 08:23 Uhr

Hört sich doch gut an, wir Steigern die Erträge.

Kunden aufgepasst, mehr zahlen! Für was?

Im klassischen Geschäft mit dem Giro-Konto, wie soll man da Geld verdienen?

Bei der Geldanlage: Wie soll man sich gegen Direktbanken durchsetzen? Für den Kunden sind oftmals Produkte mit geringer Marge (ETF´s, Sparbriefe etc.) ideal. Hier noch aufwendig beraten?

Mit Krediten? Die zentrale Daten-Sammelstelle Schufa ermöglicht dem Kunden (jede Bank hat ja sofort alle Informationen), den für ihn günstigsten Anbieter unter den Banken zu wählen.


Friede-den-Huetten

15.02.2013, 11:29 Uhr

Die Frage zu lösen, welchen Mehrwert dem Kunden mit welchem Service geboten werden kann, ist elementare Aufgabe eines jeden Unternehmers, egal wie groß oder klein er ist, egal in welcher Branche er tätig ist.

Kann die Commerzbank diese elementare Frage nicht beantworten, wird sie nicht von Unternehmern geführt, sondern von Verwaltern, die ihr Geld nicht wert sind.

nureinPrivatkundenberater

18.02.2013, 11:57 Uhr

Die Frage darf erlaubt sein, bringen längere Öffnungszeiten auch unweigerlich mehr Erträge? Eines steht fest, sie bringen auch mehr Kosten mit sich. Und genau das ist es ja, was die Coba nicht möchte. Ausserdem, nur weil die Angestellten in den Filialen ( egal in welchem Institut ) wie Angestellte aus dem Einzelhandel bezahlt werden, müssen sie deshalb auch die selben Öffnungszeiten haben? Ich glaube nicht. Vielmehr sollte man anfangen das Onlinegeschäft und die Erreichbarkeit der Berater und die Berater an sich zu stärken. Die Coba sollte sich selbst ersteinmal versuchen ein Gesicht zu geben, etwas mit dem sich die Privatkunden auch identifizieren können. Im Moment ließt man eher nur negative Schlagzeilen und DAS so glaube ich, ist nicht das erklärte Ziel der Coba.

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