Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.02.2012

07:07 Uhr

Pro und Contra

Der Kampf der Sparkassen gegen die Regulierung

VonFrank Matthias Drost, Thomas Bauer

Die Sparkassen wollen von der Banken-Regulierung ausgenommen werden. Es gibt gute Gründe dafür - und dagegen. Sie werden heute auf einer Handelsblatt-Tagung mit den Sparkassen diskutiert. Die wesentlichen Argumente.

Die Sparkassen und dir Regulierung - ein spannendes Thema mit vielen Widersprüchen. dpa

Die Sparkassen und dir Regulierung - ein spannendes Thema mit vielen Widersprüchen.

Frankfurt/BerlinMehr Kapital auf der hohen Kante, falls mal etwas schiefgeht; keine zu großen Finanzkonzerne, die am Ende vom Steuerzahler aufgefangen werden müssen; eine engmaschige Aufsicht über jene Banken, die den Bezug zur Realwirtschaft verloren haben - all das verlangen die internationalen Aufsichtsbehörden von allen Banken.

Die Sparkassen allerdings sagen: Wir sind anders. Wir brauchen diese Regulierung nicht. Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes drückt es gegenüber Handelsblatt Online so aus:  „Es ist wie so oft: Die, die man packen kann, werden als erste gegriffen. Das bilanzwirksame Geschäft ist nun mal leichter erfassbar als jenes, das außerhalb stattfindet, also beispielsweise im Derivatebereich.“ 

Die zehn größten Sparkassen in Deutschland

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,8 Milliarden Euro (2010) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.580 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2010 auf eine Bilanzsumme von 11,4 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.782 Angestellte in 143 Filialen.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von etwas weniger als 11,9 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf rund eine halbe Milliarden Euro vor dem Dresdner Sparkassenableger.

Nassauische Sparkasse

2010 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 234 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat in der Bilanz 2010 eine Summe von 12,6 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist - wenig überraschend - das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,5 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,3 Milliarden Euro - mit 1.835 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3.170 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2010 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Auch Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,7 Milliarden Euro (2010) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2010 auf eine Bilanzsumme von 38,7 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5.625 Mitarbeiter.

Und bilanzwirksam, das ist das Geschäft der Sparkassen mit kleinen und mittleren Unternehmern, mit Kommunen und Privatleuten. Haasis befürchtet, dass dieses Geschäft schwieriger wird. Schwieriger, wenn die Regulierung, die als Folge der Finanzkrise verschärft werden soll, auch für die 430 Sparkassen in Deutschland greift, die zusammengenommen eine höhere Bilanzsumme haben als die Deutsche Bank.

Er wehrt sich. Betreibt er puren Lobbyismus oder hat er Recht? Sechs Gründe, warum die Sparkassen Recht haben, stehen sechs Gründen gegenüber, warum sie auf dem falschen Dampfer sind. Entscheiden Sie selbst:

Sollten Sparkassen von der Bankenregulierung ausgenommen werden?

Ja. Die Sparkassen mit ihrem regional ausgerichteten Geschäftsmodell haben sich als Stabilisator in der Finanzmarktkrise erwiesen. Ungerechterweise müssen sie jetzt auch noch die Zeche der weltweit angestoßenen Finanzmarktregulierung zahlen. Die Ursache für die Fast-Kernschmelze des internationalen Finanzsystems waren aber nicht die stabilen Geschäfte der Sparkassen.

Ja. Im Zuge der Einführung der härteren Eigenkapitalanforderungen nach Basel III werden sich die Mittelstandskredite verteuern. Der Mittelstand stellt aber das volkswirtschaftliche Rückgrat Deutschlands dar und ist nach wie vor stark kreditfinanziert. Es wäre ein Treppenwitz, wenn die Bankenregulierung zu Kreditkosten führt, die den Mittelstand stark belasten und die Wirtschaft in Deutschland damit abwürgen.

Kommentare (25)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Handelsblatt-Leser

08.02.2012, 07:35 Uhr

Die angegebenen Bilanzsummen sind doch wohl Milliarden und keine Millionen, oder ... ?

Account gelöscht!

08.02.2012, 08:00 Uhr

Das ist doch wieder mal ein schönes Beispiel dafür dass es eben nicht der Casinokapitalismus ist der unser Land zerstört sondern die, scheinbar zum Wohle der Bürger gehenden, Hilfspakete für Banken. Die Banken die immer solide gearbeitet haben, die sicher durch die Krise gekommen sind und deren Geschäftsmodell auch noch in Zukunft bestand haben wird, genau diese Banken werden jetzt gegängelt.
Die Banken die unser ganzes System an den Rand des Ruins geführt haben, die das Vertrauen der Bürger ausgenutzt haben und nur den eigenen Profit im Auge gehabt haben, genau die Banken bekommen Geld in den Hintern geblasen und werden auch noch von der Kanzlerin zum Abendessen eingeladen

... wirklich viel hat das mit freier Marktwirtschaft nicht zu tun. Es zeigt eher, dass man die Banken hätte pleite gehen lassen müssen (mit all den gesellschaftlichen Konsequenzen) denn der Staat ist ganz sicher der schlechtere Geschäftsmann!

Ben

08.02.2012, 08:00 Uhr

ein weiterer Grund, warum es richtig ist die Sparkassen auch der Regulierung zu unterwerfen ist, dass die Sparkassen mit ihren Darlehen an Privatkunden ja durchaus auch die 'Munition' zu RMBS und Ähnlichem geliefert haben. Syndizierungsklauseln haben sich in fast jedem Darlehensvertrag privater Häuslebauer befunden - mit dem Recht jederzeit zu synidzieren, nicht nur im 'Event of Default'. Die Munition liefern und dann mit dem Finger auf die zeigen, die schiessen, ist eine mehr als nur fragwürdige Vorgehensweise!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×