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10.10.2011

12:28 Uhr

Problem mit Investor RHJ

Der Deutschen Bank droht Desaster bei BHF-Verkauf

Investor RHJ International hat Schwierigkeiten mit der geplanten Übernahme der Privatbank BHF. Nach einem Medienbericht muss die Deutsche Bank wieder um dem geplanten Verkauf ihrer Tochter fürchten.

Die BHF wird zum Problem für die Deutsche Bank. picture-alliance

Die BHF wird zum Problem für die Deutsche Bank.

Frankfurt/HamburgDie Deutsche Bank muss beim geplanten Verkauf der traditionsreichen BHF-Bank mit immer neuen Hürden kämpfen. Erst sollte das Institut an die Liechtensteiner Fürstenbank LGT gehen, aber das scheiterte am Widerstand der Aufsichtsbehörde BaFin. Nun kann der einzig verbliebene Interessent - der Finanzinvestor RHJ - zumindest bislang die Finanzierung nicht auf die Beine stellen.

Mangels Co-Investor zog das vom ehemaligen Dresdner-Banker Leonhard (“Lenny“) Fischer geführte Unternehmen seinen Übernahmeantrag bei der BaFin zurück, wie zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntagabend sagten. Die Aufsicht habe gedroht, den Kauf sonst wegen der mangelnden Finanzkraft von RHJ zu verbieten. „Der Verkauf ist eine Bergwanderung, kein Sonntagsspaziergang“, fasste es ein Banker zusammen.

Wie die Krise die europäischen Banken trifft

Die Geschichte wiederholt sich

Schon einmal mussten die Europäer ihre Banken 2008 retten. Nun steht die nächste Runde an. Finanzexperten begrüßen die Pläne der Europäer, die Kapitalpolster ihrer Institute zu stärken. Doch der Bedarf ist nicht überall gleich hoch: Die Krise trifft die Banken der Krisenländer unterschiedlich hart.

Portugal

Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit von neun Banken gerade erst herabgestuft. Moody’s begründet das mit den Folgen, die eine portugiesische Staatspleite für die Banken haben könnte. Die bisherige Finanzkrise haben die Banken gut gemeistert und trotz der schwierigen Situation bislang keine staatlichen Kapitalspritzen benötigt. Stabilisiert hat die Banken, dass sie einen großen Teil ihres Finanzbedarfs durch Kundeneinlagen decken können. Die Einlagen sind laut der Ratingagentur Fitch bislang stabil geblieben.

Spanien

Eigentlich ist die Sanierung und Rekapitalisierung der Banken gerade abgeschlossen. Das gilt insbesondere für die Sparkassen, die zu viele Kredite an Bauträger vergeben hatten und die nach dem Platzen der Immobilienblase auf ihren unverkauften Wohnsiedlungen und unbezahlbaren Kreditschulden sitzen geblieben waren. Griechenland-Anleihen sind für die Banken zwar kein Thema, doch sie besitzen viele spanische Anleihen – und sind so durch die Ausweitung der Schuldenkrise bedroht.

Griechenland

Die Banken haben zwar die Finanzkrise 2008 gut überstanden, doch seit der Schuldenkrise hängen sie dennoch am Fliegenfänger. Würde es in Griechenland einen Schuldenschnitt geben, hätte das Land kein Geld für die Rettung seiner Banken. Zudem wird es für die Banken schwerer, EZB-Kredite zu erhalten. Dazu bräuchten sie neue Staatsanleihen, doch Griechenland finanziert sich nur noch über die EU und nicht mehr über Anleihen.

Italien

Die erneute Bonitätsherabstufung des Landes durch eine Ratingagentur trifft die Banken zur Unzeit. Sie sind zunehmend auf Notenbankkredite angewiesen, da auch gute Ergebnisse beim europäischen Stresstest die Nervosität der Investoren nicht zerstreuten. Zu schwer wiegt die Angst vor einer Insolvenz Italiens und den Folgen für dessen Banken. Das ist ungünstig, weil zumindest die Großbank Unicredit noch eine Kapitalerhöhung plant. Das hatte die Notenbank von allen Instituten eingefordert, und bis auf Unicredit sind dem auch alle gefolgt. Kein Wunder, dass der designierte Zentralbankchef Italiens, Fabrizio Saccomanni, nach dem Ratingurteil extra betonte, dass Italiens Banken solide seien und ihre Kapitalausstattung dem europäischen Vergleich standhalte.

Großbritannien

Nach Meinung des britischen Finanzministers George Osborne sind britische Banken „liquide und gut kapitalisiert“. Von Moody’s wurden die Institute dennoch herabgestuft. Die Regierung werde zwar wohl weiterhin wichtige Banken unterstützen, aber unter Umständen das Zusammenbrechen kleinerer Finanzinstitute zulassen, heißt es zur Begründung. Für Aufregung sorgt auch ein Bericht der „Financial Times“, wonach die Royal Bank of Scotland einem Regierungsvertreter zufolge wohl auch noch einmal Staatshilfen bekäme, „wenn es in Europa einen breit angelegten Vorstoß zur Rekapitalisierung von Banken gibt“.


Im Umfeld der beiden Verhandlungspartner war man unterdessen um Schadensbegrenzung bemüht. RHJ habe die BHF-Bank eingehend geprüft, man sei sich über die Eckdaten bereits einig, sagte ein Insider. So steht etwa fest, dass ein Großteil des Derivategeschäfts bei der Deutschen Bank bleibt. Als Kaufpreis für die Bank mit ihren 1500 Mitarbeitern wird in Verhandlungskreisen 500 Millionen Euro genannt, was unter dem Buchwert des Instituts liegt. Fischer will die BHF-Bank nach eigenen Angaben nicht zerschlagen, sondern als eigene Marke unter dem Dach von Kleinwort Benson weiterführen. Der Londoner Vermögensverwalter war 2009 von RHJ übernommen worden und dient als Nukleus für den Umbau des Investors zum Bankkonzern.

Das Logo des Finanzinvestors RHJ International. AFP

Das Logo des Finanzinvestors RHJ International.

„Sobald ein Co-Investor feststeht, wird die Übernahme bei der BaFin neu beantragt“, sagte ein Insider. Die Gespräche mit Interessenten liefen weiter. Doch genau hier ist der Knackpunkt: Angesichts der Unruhe an den Märkten wegen der Euro-Schuldenkrise halten derzeit Private-Equity-Häuser und andere Finanzinvestoren ihr Geld zusammen. „Alle sind sehr sehr vorsichtig, besonders was Banken betrifft“, sagt Konrad Becker, Finanzexperte bei Merck Finck. Die Refinanzierung von Finanzinstituten ist aktuell schwierig, da Anleger bei der Pleite eines Euro-Landes gravierende Folgen für die Branche befürchten. „Letztlich ist das immer eine Frage des Preises: Wenn die Deutsche Bank weniger haben will, wird sie auch einen Käufer finden“, betonte Becker.

Welche europäischen Banken 2011 ihr Kapital erhöht haben

Commerzbank

Seit zwei Jahren gehört das deutsche Institut zu einem Viertel dem Staat. Mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung will die Bank den größten Teil der rund 16 Milliarden Euro schweren staatlichen stillen Einlage ablösen - eine Art haftendes Eigenkapital ohne Stimmrechte. Insgesamt sammelte die Commerzbank zwischen April und Juni rund 14 Milliarden Euro ein.

Intesa SanPaolo

Erst kürzlich erhöhte die italienische Bank Intesa SanPaolo ihr Eigenkapitel um rund 7 Milliarden Dollar. Mit einer Kernkapitalquote von 7,9 Prozent zum Ende des Jahres 2010 benötigt Intesa nicht unmittelbar frisches Geld. Die Großbank dürfte sich jedoch auf die neuen Eigenkapitalregeln unter Basel III vorbereiten.

Danske Bank

Auch die dänische Danske Bank polsterte in diesem Jahr bereits ihre Kapitalausstattung auf. Im April sammelte sie rund 4 Milliarden Dollar ein. Mit Hilfe der Emission sollen staatliche Finanzhilfen zurückgezahlt werden.

Monte dei Paschi di Siena

Im August hat die italienische Bank Monte dei Paschi eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Der Schritt mit einem Volumen von rund 3 Milliarden Dollar soll dem Institut die Rückzahlung der so genannten Tremonti-Bonds ermöglichen.

 

Nordea Bank

Auch die dänische Nordea Bank sah sich gezwungen, ihre Eigenkapital aufzustocken: Im April dieses Jahres sammelte sie rund 2,9 Milliarden Dollar ein.

Bank of Ireland

Das irische Institut Bank of Ireland entging durch eine Kapitalerhöhung von rund 2,8 Milliarden Dollar in diesem Jahr nur knapp der Verstaatlichung. Durch die Beteiligung eines privaten Konsortiums liegen mindestens 68 Prozent des Instituts in privaten Händen.

Banco Popolare

Die mailändische Banco Popolare stockte im Februar ihre Kapitaldecke auf – um 2,7 Milliarden Dollar. Sie hatte in der Krise staatlich garantierte Anleihen in Anspruch genommen. Die wollte sie ablösen.

Agricultural Bank of Greece

Die Agricultural Bank of Greece (ATE) ist ein Sorgenkind des griechischen Bankensektors und fiel beim Stresstest der Bankenaufsicht durch. Sie erhöhte ihr Eigenkapital im Juni um 1,8 Milliarden Euro.

Unione die Banche Italiane

Im zweiten Quartal dieses Jahres konnte Italiens viertgrößte Bank ihr Ergebnis durch Steuergutschriften fast verdreifachen. Zuvor hatte sie eine Kapitalerhöhung von 1,4 Milliarden Dollar durchgeführt.

Emporiki Bank of Greece

Die viertgrößte Bank Griechenlands erhöhte ihr Eigenkapital im März ebenfalls um 1,4 Milliarden Dollar.

Bank of Piraeus

Die griechische Bank ist wegen des Umtauschs einheimischer Staatsanleihen tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Januar griff sie zum Instrument der Kapitalerhöhung – und sammelte rund 1,1 Milliarden Dollar ein.

Marfin Popular Bank Public

Die zyprische Marfin Popular Bank erhöhte im Februar ihr Eigenkapital um 700 Millionen Dollar.

Banco de Sabadell

Die spanische Bank  kam beim Stresstest nur auf eine Kernkapitalquote von 5,7. Erst im Februar hatte sie Kapital um rund 600 Millionen Euro erhöht.

Monte dei Paschi di Siena

Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena hat sich mit 536 Millionen Dollar neuem Kapital eingedeckt. In der Finanzkrise hatte das Institut aus der Toskana als erste italienische Bank Staatshilfen in Anspruch genommen, nachdem es sich vor der Krise vor allem mit der Übernahme der norditalienischen Banca Antonveneta stark verschuldet hatte.

Aareal Bank

Knapp 399 Millionen Dollar nahm die Aareal Bank durch die Platzierung neuer Aktien im April 2011 ein. Ein Teil des Erlös nutzte das Institut, um Staatshilfen an den Bankenrettungsfonds zurückzuzahlen.

Banco Comercial Portugues

Auch die Banco Comercial Portugues hat sich mit frischem Kapital eingedeckt. Das Institut generierte 377 Millionen Dollar.

Dass es in dem aktuellen Marktumfeld durchaus möglich sein kann, eine Bank zu verkaufen, zeigt das Beispiel der Münchener Privatbank Merck Finck, die an einen neuen Eigentümer aus Katar gehen soll. Die Muttergesellschaft KBL werde für 1,05 Milliarden Euro an eine luxemburgische Holding namens Precision Capital verkauft, hinter der ein nicht genannter Investor aus dem Golfstaat steht, teilte die belgische Holding KBC am Montag mit.

Die BHF-Bank war der Deutschen Bank mit dem Erwerb der Privatbank Sal. Oppenheim zugefallen. Seither sucht der Branchenprimus einen Käufer für das auf reiche Privatkunden spezialisierte Geldhaus, das nach Ansicht von Experten grundlegend restrukturiert werden muss. Die BaFin achtet bei ihren Prüfungen genau darauf, dass die BHF-Bank nach einem Verkauf keine Refinanzierungsprobleme bekommt.

Daher fordert sie einen finanzstarken Eigentümer. Deutsche-Bank-Finanzchef Stefan Krause hatte kürzlich bereits Skepsis anklingen lassen, was eine Genehmigung betrifft: „Das ist kein Selbstläufer“, sagte er. Am Montag lehnten alle Beteiligten eine Stellungnahme zum Stand der Verhandlungen ab. Auch die „Financial Times Deutschland“ berichtete von den Schwierigkeiten beim Verkauf der BHF-Bank.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Moika

10.10.2011, 09:58 Uhr

Jahrzehnte lang hatte der deutsche Rekordmeister Bayern München das Glück des "Tüchtigen" und gewann ein über das andere Spiel in der 95sten Minute. Dieses Glüch scheint Ackermann jetzt auch verloren zu haben. Die Rückstellungen für Griechenland lassen das Gewinnziel für dieses Jahr scheitern, jetzt der in der Luft schwebende Verkauf der BHF Bank - die "Serie" wird sich fortsetzen.

Die Zeiten, in denen man durch Luftbuchungen Riesengewinne zu Lasten der Anleger einfahren konnte, sind endgültig vorbei. Jetzt zählt wieder das normale Tagesgeschaft - und schon läuft der Karren aus der Spur.

Ackermann wußte schon genau, warum er hinwirft.

Account gelöscht!

10.10.2011, 10:18 Uhr

Wieso zu Lasten der Anleger? Die Spieler im 'Casino Royal Coal' haben alle fleißig mitverdient.

Erst 2007/2008 hat man die heiße Luft aus diesen Scheinwerten abgelassen. Jetzt sollen Steuerzahler und Sparbucheigentümer die Suppe auslöffeln. Das ist die Sauerei.

Kronecker

10.10.2011, 10:25 Uhr

@Moika. Das gilt aber für die Staaten ebenso. Auch die können sich nicht mehr aus dem Topf der Spekulationsgewinne zum Beispiel ihrer Landesbanken bedienen, gewissermaßen als zweite Steuerquelle. Für die Zukunft heißt das für alle, den Gürtel enger schnallen zu müssen.

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