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04.07.2017

08:31 Uhr

Problembanken in Italien

Banca Carige nimmt 500 Millionen Euro auf

Der Banca Carige steht auf Geheiß der EZB die dritte Kapitalerhöhung seit 2014 bevor – diesmal um 500 Millionen Euro. Das Institut muss seine faulen Kredite reduzieren. Ein Führungsstreit verschleppt zudem den Umbau.

Die Restrukturierung verzögert sich wegen eines Führungsstreits. dpa

Banca Gruppo Carige

Die Restrukturierung verzögert sich wegen eines Führungsstreits.

MailandDie italienische Problembank Banca Carige beschafft sich frisches Geld durch eine Kapitalerhöhung und den Verkauf von Vermögenswerten. Die Kapitalmaßnahme soll dem Finanzinstitut bis zum Jahresende 500 Millionen Euro in die Kassen spülen, teilte Carige am Montag mit. Mit Hilfe von Veräußerungen will das Geldhaus mindestens 200 Millionen Euro einnehmen. Zudem wolle Carige Problemkredite im Volumen von 1,2 Milliarden Euro abstoßen. Der Verwaltungsrat der neuntgrößten Bank Italiens segnete die Pläne am Montag bei einer Sitzung ab.

Das Institut muss auf Geheiß der Europäischen Zentralbank (EZB) frisches Geld aufnehmen und die faulen Kredite in seinen Büchern reduzieren. Ihm steht damit die dritte Kapitalerhöhung seit 2014 bevor. Die Restrukturierung verzögerte sich zuletzt wegen eines Führungsstreits. Vor kurzen wurde der frühere UniCredit-Manager Paolo Fiorentino zum neuen Carige-Chef berufen. Sein Vorgänger war vom Hauptaktionär nach nur einem Jahr aus dem Amt gedrängt worden. Beide waren sich uneins über das richtige Vorgehen zur Überwindung der Krise.

Die neuen Abwicklungsregeln für Großbanken in Europa

Zuständige Abwicklungsbehörde

Im Fokus stehen die aktuell 125 Großbanken, die unter direkter Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen, sowie grenzüberschreitend aktive Banken. Entscheidungen über deren Restrukturierung oder Abwicklung werden in der Abwicklungsbehörde „Single Resolution Board“ (SRB) getroffen, die auch beim Notverkauf von Banco Popular das Heft in der Hand hatte. In den übrigen Fällen - insbesondere bei kleineren Geldinstituten - bleibt vor allem die nationale Abwicklungsbehörde zuständig.

SRB

Exekutivdirektorin des SRB ist die Deutsche Elke König. Ihr Stellvertreter ist der Finne Timo Löyttyniemi. Stellt die EZB fest, dass eine Bank in Schieflage ist, tritt das SRB zusammen und macht einen Vorschlag für die Abwicklung oder Restrukturierung des Geldhauses.

Fall Banco Popular

Die EU-Kommission muss dem Vorschlag des SRB zustimmen. Genau dies geschah bei Banco Popular, nachdem die EZB das Institut als nicht mehr überlebensfähig eingestuft hatte. Das SRB entschied sich in diesem Fall für einen Verkauf des Instituts an Santander.

Abwicklungsfonds

Um die Abwicklung oder Restrukturierung abzufedern, wird ein Abwicklungsfonds (SRF) aufgebaut. In den Fonds sollen die Banken bis zum 31. Dezember 2023 rund 55 Milliarden Euro einzahlen. Die dazu fälligen Bankenabgaben werden seit 2015 von den Mitgliedstaaten erhoben, ab 2016 auf nationale Kammern des Fonds transferiert und dort schrittweise vergemeinschaftet.

Im Pleitefall

Bevor der SRF angezapft werden kann, ist allerdings eine private Verlustbeteiligung in Höhe von mindestens acht Prozent der Bilanzsumme vorgeschrieben. Dazu wurde eine Haftungskaskade erstellt: Im Pleitefall werden zuerst die Anteilseigner und Gläubiger der Bank zur Kasse gebeten.

Ausnahmen

Für gesetzlich gesicherte Einlagen oder besicherte Verbindlichkeiten gibt es Ausnahmen. Bei Banco Popular tragen Besitzer so genannter AT1- und AT2-Anleihen Verluste von rund zwei Milliarden Euro. Aktionäre verlieren alles. Die Besitzer vorrangiger Titel wurden geschont.

Regeln in Aufbauphase

Während der Aufbauphase des Fonds gibt es verschiedene Möglichkeiten, zusätzlichen Geldbedarf zu decken – etwa über Sonderabgaben der Banken oder Kreditaufnahmen des SRF. Eventuelle Sonderkredite der EU-Staaten an den SRF müssen vom jeweiligen Bankensystem des Landes zurückgezahlt werden.

Mit einer Kapitallücke von 600 Millionen Euro sorgt Carige in Italien allerdings für weit weniger Kopfschmerzen als Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza, für die die Regierung in Rom bis zu 17 Milliarden Euro bereitstellen will. Die Auffanglösung sorgte für große Erleichterung in der heimischen Bankenbranche.

Im Zuge der jahrelangen Wirtschaftsflaute in Italien ächzen viele heimische Banken unter einem Berg an faulen Krediten. Anders als Spanien oder Irland hat Italien keine EU-Gelder genutzt, um die Bilanzen der Geldhäuser zu sanieren.

Von

rtr

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