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25.10.2011

06:15 Uhr

Prognose

Deutscher Bank droht schwacher Quartalsgewinn

Die Deutsche Bank gibt heute ihre Quartalsergebnisse bekannt - und das wird kein Honigschlecken. Analysten rechnen mit sinkenden Gewinnen. Josef Ackermanns Wechsel in den Aufsichtsrat wird damit kein Selbstläufer.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Reuters

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Frankfurt/BerlinJosef Ackermann hatte bereits davor gewarnt - vor einem enttäuschenden dritten Quartal. Heute ist die Stunde der Wahrheit und Analysten rechnen in der Tat mit einem ernüchternden Zahlenwerk. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten erwarten, dass die Deutsche Bank hat im dritten Quartal einen Vorsteuergewinn von 572 Millionen Euro eingefahren haben dürfte. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg rechnen Experten mit einem Gewinn in Höhe von 343 Millionen Euro.

So oder so: Der Deutschen Bank droht ein drastischer Rückgang im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Quartalen. Wahrscheinlicher Grund: das schwache Investmentbanking über die Sommermonate. Im Vorjahreszeitraum hatte die Postbank-Übernahme der Deutschen Bank einen Verlust in Höhe von 1,21 Milliarden Euro eingebrockt.

Völlig überraschend kommt diese Wendung nicht. Wegen der europäischen Schuldenkrise hatte die Deutsche Bank bereits Anfang Oktober ihr ehrgeiziges Gewinnziel aufgegeben. Der scheidende Vorstandschef Josef Ackermann war sogar seinem großen Ziel abgerückt, noch in diesem Jahr einen Rekordgewinn von zehn Milliarden Euro vor Steuern im Kerngeschäft zu erreichen.

Diese Marke sei nach einem enttäuschenden dritten Quartal außer Reichweite, weil Besserung nicht in Sicht sei, hatte er auf einer Investorenkonferenz in London eingeräumt. Das operative Ergebnis im Kapitalmarktgeschäft im dritten Quartal sei deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, hieß es da.

Wo die Deutsche Bank verklagt wird

Ackermanns Versprechen

„Kein Geschäft der Welt ist es wert, dafür den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen.“ Das hat Vorstandschef Josef Ackermann 2006 gesagt. Ob diese Aussage der Realität entspricht – daran kommen angesichts der Fülle der Verfahren Zweifel auf, auch wenn diese nicht alle während Ackermanns Amtszeit „entstanden“ sind.

Risikovorstand Hugo Bänziger

Am Ende des Tages trägt natürlich Josef Ackermann die Verantwortung, aber „krumme Geschäfte“ sind per se die Aufgabe von Hugo Bänziger. Der Risikovorstand muss den Begriff „Compliance“ mit Leben füllen.

Kirch-Prozesse

Leo Kirch liegt seit Jahren mit der Deutschen Bank im Clinch. Der Medienunternehmer behauptet, dass die Äußerungen des damaligen Chefs Rolf E. Breuer für den Zusammenbruch seines Imperiums verantwortlich waren. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte ihm in einer Vorfrage einst Recht gegeben. Doch unterm Strich ist der Ergebnis der Prozesse noch offen.

Zinswetten werden zum Image-Desaster

Die Deutsche Bank hatte mit Kommunen und mittelständischen Unternehmen komplexe Geschäfte abgeschlossen. Im März fällte der BGH ein wichtiges Urteil: Das Geldhaus durfte diese so genannten CMS-Geschäfte nicht tätigen.

Probleme auch in Mailand

Wegen eines ähnlichen Falles muss sich die Deutsche Bank gemeinsam mit JP Morgan, der Depfa und der UBS in Mailand verantworten. Auch hier geht es um Zinsgeschäfte und die Frage, ob die Risikogestaltung zu Lasten der Anleger ging.

US-Regierung hat Deutsche Bank im Visier

Richtig teuer könnte es für die Deutsche Bank in den USA werden. Besser gesagt: Noch teurer, als es ohnehin schon geworden ist. Denn die US-Regierung hat das Institut Anfang Mai wegen Geschäfte mit Immobilien verklagt. Sie fordert Schadensersatz in Höhe von einer Milliarde Dollar. Die Deutsche Bank soll an Fördermittel herangekommen sein, in dem sie falsche Angaben machte.

Der Untersuchungsbericht des US-Senats

Kurz zuvor, im April, widmete der US-Senat der Deutschen Bank in einem Untersuchungsbericht ein eigenes Kapitel. Das ist kein gutes Zeichen. Der Vorwurf: Das Geldhaus hätte Hypothekenanleihen an Kunden verkauft, obwohl eigene Händler längst auf die Risiken aufmerksam gemacht hätten. Damit steht die Deutsche Bank nicht allein da – ähnliche Vorwürfe gibt es gegen mehrere Banken.

Widerrechtliche Zwangsräumungen in Los Angeles

Die Stadt Los Angeles glaubt, dass die Deutsche Bank ihren Bürgern Unrecht angetan hat. Es geht unter anderem um widerrechtliche Zwangsräumungen. Immerhin ist das Institut als Treuhänder für 2000 Wohnungen verantwortlich. Die Stadt verlangt Schadenersatz im dreistelligen Millionenbereich. Die Deutsche Bank entgegnet, dass nicht sie als Treuhänder, sondern der Kreditdienstleister zuständig gewesen sei.

New Yorker Staatsanwaltschaft prüft

Sorgen machen muss sich die Deutsche Bank unter Umständen auch wegen einer aktuellen Geschichte: Die New Yorker Staatsanwaltschaft ermittelt seit kurzem gegen einige US-Banken. Es geht um das Bündeln von Trash-Immobilienkrediten. Noch geht es also nicht um die Deutsche Bank, aber nach den bisherigen Erfahrungen könnte sich das durchaus ändern.

Ärger in Südkorea

Von der Summe her war die Zahlung an Behörden in Südkorea eher das, was man gerne auch schon mal als „Peanuts“ bezeichnet hat: Eine Strafe über 640.000 Dollar brummte die dortigen Behörden der Deutschen Bank auf. Sie hat allem Anschein nach gegen Börsenregeln verstoßen.

Parmalat-Skandal in Italien

Auch in Italien waren die Rechtsanwälte der Deutschen Bank lange beschäftigt. Hier gab es aber einen Freispruch. Der Vorwurf lautete, dass sich das Institut wie auch die Citigroup und andere Geldhäuser der Mittäterschaft beim Bilanzbetrug des Molkereikonzerns Parmalat schuldig gemacht haben sollen.

Teure Vergleiche

Üblicherweise werden in den USA Prozesse nicht bis zum bitteren Ende geführt. Oft gibt es einen Vergleich. Das ist in der Regel auch für das betroffene Unternehmen billiger und vor allem schont es die Nerven. So zahlte die Deutsche Bank im vergangenen Jahr 554 Millionen Dollar wegen eines Streits um Produkte zur Steuervermeidung.

Vor allem das Investmentbanking leidet unter der lähmenden Angst von Unternehmen und Anlegern vor der Pleite eines Euro-Landes. Konsequenz: Im Kapitalmarktgeschäft sollen nun bis März 2012 weitere 500 Stellen abgebaut werden - allerdings vor allem im Ausland.

Für das Gesamtjahr waren Anfang Oktober Analysten bei Bloomberg im Mittel von einem Vorsteuergewinn von 7,8 Milliarden Euro ausgegangen, bei Reuters von gut acht Milliarden Euro. Das von Rainer Neske geleitete Privatkundengeschäft dürfte auch in der Krise stabil geblieben sein.

Kommentare (5)

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Michael

24.10.2011, 16:26 Uhr

Josef Ackermann ist doch der Cleverste.
Wer in solchen Zeiten noch schwarze Zahlen schreibt und sich von unseren gewählten Nullingern nichts vormachen lassen muß, der hat´s schon drauf.
Auch prima: Martin Blessing - schön still und brav, aber im Hintergrund macht er seine Hausaufgaben.
Ein Jammer, dass wir uns in der Politik keine solchen Kaliber leisten können.

Kronecker

24.10.2011, 16:32 Uhr

@ Michael. Hat Dir Ackermann Einen ausgegeben?

Melitaz

24.10.2011, 17:13 Uhr

Dazu brauche ich keine Analysten! Die Deutsche Bank kann auch nicht auf Erden Geschäfte machen und dabei himmlische Gewinne erzielen. Allein durch die abgesagten Börsengänge Evonik und Osram entgehen der Bank Millionen, dazu die Abschreibungen auf griechische Anleihen und schon ist eine Milliarde futsch! Aber trotzdem denke ich, dass die sogenannten Experten die Bank unterschätzen. Aus der allgemeinen Lage aber nun eine "persönliche Niederlage"
Dr. Ackermanns zu konstruieren ist ziemlich daneben!

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