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22.06.2011

12:46 Uhr

Protest vor der WestLB

Die Anzug-Demonstranten

Banker, die auf die Barrikaden gehen, sind kein alltäglicher Anblick. Doch heute in Düsseldorf war es soweit: Hunderte Mitarbeiter der WestLB wissen nicht wohin, wenn die Bank zerschlagen wird.

Mitarbeiter der WestLB demonstrieren lautstark - auch mit Trillerpfeife. Quelle: dpa

Mitarbeiter der WestLB demonstrieren lautstark - auch mit Trillerpfeife.

DüsseldorfNein, rote Fahnen und Plastikumhänge gab es auf dieser Demonstration nicht. Eher in Anzug und Blazer gingen die mehreren hundert WestLB-Mitarbeiter auf die Straße. Angestachelt von ihrer Betriebsratsvorsitzenden Doris Ludwig: „Zukunft sichern, Perspektiven schaffen“, ruft sie ins Megafon.

Am Anfang steigen die Demonstranten nur zögerlich mit ein. Lautes Schreien gehört nicht zu ihren gewohnten Tätigkeiten. Nach ihrem Zug durch die Straßen werden die Rufe vor dem Landtag dann allerdings doch deutlich lauter. Schließlich geht es um ihre Zukunft – und die ist extrem unsicher.

Die angeschlagene WestLB soll radikal verkleinert und zur regionalen Sparkassen-Zentralbank werden. Statt der derzeit rund 5000 Mitarbeiter wird sie dann voraussichtlich deutlich weniger als 1000 Mitarbeiter haben. In der Diskussion ist eine Größenordnung von 400 Arbeitsplätzen, die unmittelbar mit dem Verbundbank-Geschäft zusammenhängen sollten.

Diese Größenordnung nannte auch NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) auf der Abschlusskundgebung vor dem Landtag. Das Wetter passte sich der Stimmung der WestLB-Mitarbeiter auf ihrem Prostestzug vom Kirchplatz in der Nähe ihrer Zentrale bis zum Landtag: „Man hat das Gefühl, dass bei dem Prozess der Zerschlagung keiner an die Beschäftigten denkt“ nennt eine 46-jährige Mitarbeiterin, die bereits seit 27 Jahren für die Bank tätig ist, ihre Beweggründe für ihren Gang auf die Straße. „Wir fühlen uns von der Bundesregierung im Stich gelassen. Sie macht einfach nichts dagegen, dass uns die EU-Kommission zerschlagen will“. Eine andere Mitarbeiterin gibt sich fast schon resigniert: „Wir erhoffen uns einfach Fairness.“

Andere Demonstranten empfingen Minister Borjans kämpferischer mit der Parole: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut.“ Die Betriebsratsvorsitzende Doris Ludwig machte in ihrer Ansprach noch einmal deutlich, warum die Mitarbeiter auf die Straße gegangen sind: „Wir können was und möchten das auch zeigen. Wir haben Kinder, haben Familien und wir haben Angst um unsere Arbeit und unsere Existenz.“

Kommentare (3)

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Jason

22.06.2011, 13:36 Uhr

Bankster und leichtfertige Chaoten wie in den Landesbanken haben ihre Existenzberechtigung selbst verspielt. Ich glaub mir ziehts die Schuhe aus, wenn ich diese Nullnummer-Spekulanten demonstrieren sehe. Der Sozialismus für Banken muss aufhören! Leute die die hier auf der Straße haben das Finanzsystem zum Selbstbedienungsladen gemacht und dem Währungssystem ein Ablaufdatum verpasst. Der "Domino Day bei den Banken" - inzwischen ein feststehender Begriff rückt immer näher und die demonstrieren. Es ist so unglaublich...

Account gelöscht!

22.06.2011, 14:16 Uhr

Ich druecke den WestLB-lern die Daumen!! Falls bei der WestLB, dann auf jeden Fall fuer eine positive berufliche Zukunft woanders!

omnipraesenz

23.06.2011, 13:19 Uhr

Das einzige, was unglaublich ist, ist dieser Stammtisch-Parolenkommentar. Vielleicht sind die Landesbankmitarbeiter auch noch schuld an der EHEC-Krise. Die Menschen fordern mit Recht eine Zukunft und Perspektive und verdienen Solidarität wie alle anderen auch, wenn ihre Jobs gefährdet sind (Opel, Holzmann, Mannesmann).

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