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11.10.2013

17:22 Uhr

Provinzial-Fusion

Landschaftsverband beharrt auf AG als Rechtsform

Die Fusion der Versicherer Provinzial Nordwest und Provinzial Rheinland droht zu scheitern. Um die künftige Rechtsform tobt ein Streit. Der Großaktionär Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat sich festgelegt.

Die Zentrale der Provinzial-Versicherung in Düsseldorf. Der Großaktionär LWL verlangt den Erhalt des Unternehmens als Aktiengesellschaft. dpa

Die Zentrale der Provinzial-Versicherung in Düsseldorf. Der Großaktionär LWL verlangt den Erhalt des Unternehmens als Aktiengesellschaft.

DüsseldorfDie Pläne für eine Großfusion im Lager der Sparkassen-Versicherer stehen auf der Kippe. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) pocht als Großaktionär der Provinzial Nordwest bei den Verhandlungen über einen Zusammenschluss mit der Provinzial Rheinland darauf, dass auch der fusionierte Versicherer als Aktiengesellschaft organisiert wird, wie er am Freitag mitteilte.

Das birgt Zündstoff: Der potenzielle Partner Provinzial Rheinland ist eine Anstalt öffentlichen Rechts. Der LWL, der rund 40 Prozent an der Provinzial Nordwest hält, fürchtet nach einer Umwandlung deutliche Steuernachteile. Zudem bleibt mit dem Erhalt einer Aktiengesellschaft die Option eines Eignerwechsels auf dem Tisch.

Dass die Allianz ihre Fühler nach Deutschlands zweitgrößtem Sparkassen-Versicherer, der Provinzial Nordwest, ausgestreckt hatte, hatte die Verhandlungen über eine Fusion der beiden öffentlichen Versicherer erst in Gang gebracht. "Der LWL hält an der bewährten Rechtsform der AG für die Holding eines potenziell zusammenzuführenden Unternehmens fest", beschlossen die Abgeordneten im LWL-Landschaftsausschuss. "Nach gegenwärtigem Stand stehen die unterschiedlichen Rechtsformen einer Vollfusion auf der Ebene der Management-Holding entgegen." Eine Kooperation der Versicherer sei damit aber nicht vom Tisch - denn eine Zusammenarbeit der beiden Versicherer hält der LWL ausdrücklich für sinnvoll. Synergien "unterhalb der Vollfusion" könnten erzielt werden, teilte der LWL mit.

Die Sparkassenversicherer

Bedeutung

Mit 10,2 % Marktanteil sind die öffentlichen Versicherer auch im Jahr 2011 zweitgrößte Erstversicherungsgruppe im deutschen Markt - vor der Generali und der Ergo-Gruppe

Quelle: Verband der öffentlichen Versicherer

Gewinn

Ergebnis vor Steuern der Öffentlichen mit 680 Millionen Euro bleibt 2011 auf hohem Niveau

Lebensversicherung

Die Öffentlichen Versicherer sind weiterhin drittgrößter Anbieter im deutschen Lebensversicherungsmarkt. Der Bestand wurde auf 8,9 Millionen Verträge ausgebaut.

Schaden- und Unfallversicherung

Die Öffentlichen behaupten die Marktführerschaft in der Sachversicherung mit mehr als 3,65 Milliarden Euro Beitragseinnahmen.

Krankenversicherung

Die öffentlichen Krankenversicherer verzeichneten 2011 ein Beitragswachstum von 4,2 Prozent. Insgesamt konnten sie Prämien in Höhe von nahezu 2,2 Milliarden Euro verbuchen. Das entspricht einem Marktanteil von 6,3 Prozent. 2,13 von den 2,2 Milliarden Euro entfallen auf die beiden Tochterunternehmen der Consal AG, die Bayerische Beamtenkrankenkasse und die Union Krankenversicherung.

Marktführer

Versicherungskammer Bayern (VKB), München
Bruttobeitragseinnahmen 2011: 6,6 Milliarden Euro.

Quelle: Jahrbuch

Nummer 2

Provinzial Nordwest, Münster
Prämien: 3 Milliarden Euro

Nummer 3

SV Sparkassenversicherung, Stuttgart
Prämien: 2,9 Milliarden Euro

Nummer 4

Provinzial Rheinland, Düsseldorf
Prämien: 2,4 Milliarden Euro

Nummer 5

VGH, Hannover
Prämien: 1,7 Milliarden Euro

Kleinere Sparkassenversicherer

Sparkassenversicherung Sachsen
Öffentliche Braunschweig
Badischer Gemeinde-Versicherungs-Verband
Öffentliche Versicherungen Oldenburg
Öffentliche Versicherungen Sachsen-Anhalt
Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse

Die Provinzial Rheinland drängte am Freitag zur Eile. Die Fusionsverhandlungen sollten fortgesetzt werden, so lange es eine Chance zur Einigung gebe. Die Eigentümer der Provinzial Rheinland legten "Wert auf eine zeitnahe Fortsetzung der Gespräche", hieß es in einer Mitteilung. Doch dazu müssten sich die Provinzial Nordwest und deren Eigentümer erst einmal einig werden. Auch Sparkassenverbände sind an den beiden Versicherern beteiligt.

Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hatte immer wieder betont, er gehe ohne Vorbedingungen in die weiteren Verhandlungen über eine Fusion - auch in der Frage der künftigen Rechtsform. Bei den Sparkassenverbänden im Rheinland war dagegen immer wieder deutlich gemacht worden, dass eine Abkehr von der Anstalt öffentlichen Rechts mit Problemen verbunden sei.

Die Vorstände der beiden Versicherer hatten im Frühjahr das Konzept für einen Zusammenschluss ausgearbeitet. Auch die nordrhein-westfälische Landesregierung in Düsseldorf hatte Unterstützung für einen Zusammenschluss signalisiert.

Von

rtr

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