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16.07.2013

03:53 Uhr

Prozess gegen Fabrice Tourre

Naiver Weltverbesserer oder böser Finanzhai?

VonMichaël Jarjour, Nils Rüdel

Seit Montag steht der „Fabelhafte Fab“ vor Gericht: Der Ex-Händler von Goldman soll Investoren betrogen haben. Zum Auftakt stellen ihn seine Anwälte ganz anders dar. Und die Richterin duldet kein Finanz-Kauderwelsch.

Der Ex-Goldman-Banker Fabrice Tourre ist eines der prominentesten Gesichter der Finanzkrise. Reuters

Der Ex-Goldman-Banker Fabrice Tourre ist eines der prominentesten Gesichter der Finanzkrise.

New YorkDass diese Sache hier kompliziert werden würde, war allen Prozessbeteiligten vorher klar. Trotzdem sah sich Richterin Katherine Forrest gleich zu Beginn zu einem Appell gezwungen. „Haben Sie ein Herz“, sagte sie in Richtung der Anwälte. Die Geschworenen sprächen schließlich nicht die Sprache der Wall Street. „Ein synthetischer CDO ist reines Kauderwelsch, solange Sie ihn nicht erklären“, mahnte Forrest.

Ebenso wie die Jury war auch die Richterin am Montag mitten hineingeraten in die Welt der Investmentbanken, Finanzprofis und unverständlichen Finanzprodukte. An einem Gericht in Manhattan begann gestern einer der Aufsehen erregendsten Prozesse im Zusammenhang mit der Finanzkrise: Die Zivilklage der US-Börsenaufsicht SEC gegen den 34-jährigen Fabrice Tourre, Ex-Händler der Investmentbank Goldman Sachs, Spitzname: „Fabelhafter Fab“. Ihm wirft die SEC Betrug vor.

Prozessbeginn: Der fabulöse Goldman-Banker vor Gericht

Prozessbeginn

Der fabulöse Goldman-Banker vor Gericht

Als „Fabulous Fab“ ging Goldman-Sachs-Banker Fabrice Tourre in die Finanzhistorie ein. Für Verluste mit einem heiklen Finanzpapier zahlte die Bank Entschädigungen. Jetzt geht es Tourre persönlich an den Kragen.

„In diesem Fall geht es um Lügen, Täuschung und Wall-Street-Gier“, sagte ein Anwalt der Behörde in seinem Eröffnungsplädoyer. Das Wort „Gier“ sollte am ersten Prozesstag noch öfters fallen: Die SEC will den Franzosen als Prototyp all dessen darstellen, was an der Wall Street falsch lief. Für seine Anwältin ist Tourre dagegen nur ein Sündenbock. Er habe niemanden täuschen wollen, entgegnete sie am Montag. Das Anwaltsteam wird von Goldman Sachs bezahlt.

In den kommenden drei Wochen müssen sich die neun Geschworenen, die am Montag ausgewählt wurden, nun selbst eine Meinung darüber bilden.

Dazu müssen sie tief eintauchen in die wilde Zeit vor dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007. Nach Ansicht der SEC soll Tourre damals Investoren irreführende Informationen über ein Anlageprodukt gegeben haben, das er als damals 28-Jähriger für Goldman selbst zusammengestellt hatte: „Abacus 2007-AC1“. Dem Papier – ein so genannter CDO – lag demnach ein Bündel fauler US-Häuserkredite zugrunde. Von vornherein sei es darauf angelegt gewesen, abzustürzen. Und die Investmentbank wettete darauf.

Das tat das Papier dann auch erwartungsgemäß, als im Jahr 2007 der lange boomende Immobilienmarkt drehte und immer mehr Hausbesitzer ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten. Die Käufer von „Abacus“ waren angeschmiert, während Goldman und der Hedgefonds-Manager John Paulson ein Vermögen verdienten. Paulson soll an der Zusammenstellung von „Abacus“ beteiligt gewesen sein, was Goldman und Tourre den Käufern – darunter die deutsche Bank IKB – verschwiegen hatten. Sie verloren durch den Deal mehr als eine Milliarde Dollar.

Kommentare (10)

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16.07.2013, 05:27 Uhr

Der Krake Goldman ist der wahre Schuldige!
Ich orakle: Niemand wird sich Goldman vorknüpfen und verurteilen, denn das wäre ja dann angeblich antisemitisch bzw. würde so ausgelegt werden.
Dieser Joker sticht immer, wenn's prekär wird!
Goldman hat, so mein Eindruck, einen Freibrief für alle Schweinereien.

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16.07.2013, 06:41 Uhr

"Er habe niemanden täuschen wollen, entgegnete sie am Montag. Das Anwaltsteam wird von Goldman Sachs bezahlt. "

Diese Geschäfte beruhten doch allein auf Täuschungen und Illusionen vom schnellen Reichtum.
Niemanden täuschen zu wollen, ist da schon zumindest der Anfang einer dummdreisten Lüge.
Natürlich muss eben genug Dumme geben die diese Lügen glauben. Und das sind leider keine Dummen, sondern viele Gutgläubige. Hoffentlich darf er sich im amerikanischen Knast ein paar davon suchen, werden diese Jungs enttäuscht oder man hält sein Wort nicht, braucht es kein Gericht mehr.

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16.07.2013, 07:14 Uhr

Dieser Fabelhafte Fab ist wohl eine Figur,die man opfern kann.Im Alten Testament gab es das auch.Ein echtes Schaf,der "Sündenbock" wurde mit den Sünden des Volkes beladen und in die Wüste gejagt.Schon sind alle Sünden weg.So ist das auch mit Fab.Er gehört nicht zum Auserwählten Volk und darf also die Rolle des Schafes übernehmen.Danach ist alles wieder gut und das Speil kann weiter gehen.Altes Testament!

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