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04.06.2014

15:32 Uhr

Prozess gegen Nonnenmacher und Co.

„Der Angeklagte war Vorstand und kein Hellseher“

Die Verteidiger der ehemaligen HSH-Nordbank-Chefs Nonnenmacher und Berger fordern einen Freispruch. Den Angeklagten wird Untreue vorgeworfen. Die risikofreudigen Geschäfte der Landesbank seien „Standard“ gewesen.

Frühere Vorstandschefs und weitere Führungspersonen vor Gericht: Dirk Jens Nonnenmacher (2.v.r.), Hans Berger (4.v.r.), Jochen Friedrich (l). dpa

Frühere Vorstandschefs und weitere Führungspersonen vor Gericht: Dirk Jens Nonnenmacher (2.v.r.), Hans Berger (4.v.r.), Jochen Friedrich (l).

HamburgIm Untreue-Prozess gegen ehemalige Vorstände der HSH Nordbank hat die Verteidigung auf Freispruch plädiert. Die beiden früheren Bankchefs Dirk Jens Nonnenmacher und Hans Berger seien nicht schuldig. Ein der Bank durch die umstrittene „Omega“-Transaktion entstandener Schaden könne ihnen nicht angelastet werden, argumentierten die Anwälte am Mittwoch in ihren Schlussplädoyers vor dem Hamburger Landgericht. „Herr Nonnenmacher hat objektiv die Vermögensbetreuungspflicht gegenüber der HSH Nordbank nicht verletzt“, sagte Nonnenmachers Verteidiger Heinz Wagner.

Die Staatsanwaltschaft hat Bewährungsstrafen und Geldbußen für alle sechs der gemeinschaftlichen Untreue angeklagten ehemaligen Bankmanager gefordert. Nonnenmacher und der frühere Kapitalmarktvorstand Joachim Friedrich sind zudem der Bilanzfälschung beschuldigt.

Wagner hob hervor, dass Nonnenmacher zum Zeitpunkt des Vorstandsbeschlusses für die Transaktion im Dezember 2007 erst wenige Monate bei der HSH Nordbank beschäftigt war und die Kreditvorlage im Vertrauen auf das Votum der Fachabteilungen gegengezeichnet habe. Für ihn habe die Rettung der Bank in der aufziehenden Finanzkrise im Vordergrund gestanden. Die umstrittene Transaktion sei „marktgerecht“ gewesen und daher nicht als Untreue zu werten, selbst wenn dadurch ein Verlust entstanden sei. Eine Pflichtverletzung könne Nonnenmacher nicht angelastet werden.

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Nonnenmacher war Finanzvorstand der HSH Nordbank, als das Institut versuchte, durch eine riskante Kapitalmarkttransaktion attraktiv für Anleger zu werden. Im Kern ging es um ein komplexes Wertpapiergeschäft unter dem Codenamen „Omega 55“, mit dem die HSH ihre Bilanzrisiken loswerden wollte. Doch damit holte sich die Bank Risiken ins Haus, die sie beinahe in die Pleite getrieben hatten. Berger kostete der Deal den Job.

Auf ihn folgte im Herbst 2008 Nonnenmacher. Hamburg und Schleswig-Holstein mussten die Landesbank mit einem 13 Milliarden Euro schweren Rettungspaket vor dem Aus retten. Nonnenmacher musste die Bank 2011 im Streit mit den Eignern verlassen und erhielt eine Abfindung von vier Millionen Euro.

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