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26.05.2015

13:17 Uhr

Prozess wegen Libor-Manipulation

Staatsanwalt wirft Ex-UBS-Händler Hayes Gier vor

Etliche Banken, auch die Deutsche Bank, gerieten zuletzt in die Schlagzeilen, weil Mitarbeiter Interbankenkurse manipuliert haben sollen. Nun steht mit Ex-UBS-Mann Thomas Hayes der erste verdächtigte Banker vor Gericht.

Er steht im Zentrum des Liborskandals und muss sich als erster für seine Taten verantworten. Reuters

Ex-UBS-Banker Thomas Hayes

Er steht im Zentrum des Liborskandals und muss sich als erster für seine Taten verantworten.

LondonEr ist der erste ehemalige Banker, der wegen der Manipulation des Libors vor Gericht steht – mit entsprechender Spannung ist der Prozess gegen Thomas Hayes in London erwartet worden. Der Staatsanwalt warf dem ehemaligen UBS-Mitarbeiter am Dienstag zum Prozessauftakt Habgier als Handlungsmotiv vor.

„Dieser Fall dreht sich um unehrliche Einflussnahme auf Bankenkurse aus Profitinteresse“, sagte Chefankläger Mukul Chawla beim Prozessauftakt am Montag. Hayes habe sich extrem manipulativ verhalten und mehrfach diejenigen betrogen, mit denen er handelte. „Er war der Chef, er stand im Zentrum und wies andere an, was zu tun sei“, fuhr Chawla fort.

Hohe Geldbußen gegen Banken – eine Auswahl

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen. (Stand: April 2015)

JP Morgan – 13 Milliarden Dollar

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

JP Morgan – 6,2 Milliarden Dollar

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Credit Suisse - 2,6 Milliarden Dollar

Mai 2014

Die Schweizer Bank Credit Suisse räumt im Steuerstreit mit den USA die eigene Schuld ein und akzeptiert eine Strafe von mehr als 2,6 Milliarden Dollar. Die Bank hatte Vermögen ihrer Kunden vor den US-Steuerbehörden versteckt.

Deutsche Bank – 2,5 Milliarden Dollar

April 2015

Anfang April 2015 berichteten zunächst US-Medien, dass der Deutschen Bank im Libor-Skandal eine Strafzahlung in Höhe von mindestens 1,5 Milliarden Dollar droht. Unter anderem erkenne eine Bank-Tochter in Großbritannien ihre Schuld an. Schließlich landete die Summe bei 2,5 Milliarden Dollar (2,33 Milliarden Euro).

UBS – 1,5 Milliarden Dollar

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilte, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an amerikanische, britische und Schweizer Behörden.

Commerzbank - 1,45 Milliarden US-Dollar
Britische Banken – 1,3 Milliarden Pfund

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Rabokbank - 774 Millionen Euro

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

Deutsche Bank – 725 Millionen Euro

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Deutsche Bank - 202 Millionen Dollar

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Hayes ist in acht Fällen wegen des Verdachts auf Betrug durch Manipulation des Liborsatzes angeklagt. Die London Interbank Offered Rate, für die die Abkürzung Libor steht, dient als Orientierungswert für viele Bankgeschäfte. Sie zeigt die Konditionen von kurzfristigen Interbankenkrediten zwischen einigen der weltweit größten und wichtigsten Banken an. Am Libor orientieren sich auch viele andere Banken, um die Zinssätze für etliche weitere Finanzprodukte im Umfang von etwa 350 Billionen US-Dollar festzusetzen. Durch diese Verquickung haben Manipulationen des Libor erhebliche Auswirkungen auf die globalen Finanzgeschäfte.

Hayes soll zwischen 2006 und 2010 als Händler der Schweizer Bank UBS und der Citigroup Einfluss auf den Libor genommen haben, indem er sich mit Händlern von Banken wie der Deutschen Bank, HSBC, JP Morgan Chase und anderen Instituten absprach.

Hayes, der heute 35 Jahre alt ist, plädiert in dem Prozess auf Unschuld in allen Fällen. Staatsanwalt Chawla hingegen betonte vor dem Gericht, dass seine Aussagen auf den Erkenntnissen beruhten, die Behörden aus 82-stündigen Interviews mit Hayes gezogen hätten. Das Urteil wird innerhalb der kommenden zwölf Wochen erwartet.

Die UBS selbst hat sich bereits mit Behörden geeinigt und zunächst 1,5 Milliarden Dollar an Strafen wegen der Libor-Manipulation gezahlt. Vergangene Woche bekam sie weitere 200 Millionen Dollar Strafe wegen Libor-Verfehlungen aufgebrummt.

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