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28.05.2014

18:32 Uhr

Prozess wegen Untreue

HSH-Vorstände sollen saftige Geldbußen zahlen

VonMatthias Lambrecht

Im Prozess gegen die Ex-Vorstände der HSH Nordbank fordert die Staatsanwaltschaft Geldbußen und Bewährungsstrafen für alle Angeklagten. Auch Ex-Chef Nonnenmacher soll für den „ungeheuerlichen“ Schaden aufkommen.

Ex-HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher: Für den Topbanker fordert die Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe und eine Geldbuße von 150.000 Euro. dpa

Ex-HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher: Für den Topbanker fordert die Staatsanwaltschaft eine Bewährungsstrafe und eine Geldbuße von 150.000 Euro.

HamburgDie Bewertung der Führungsqualitäten des ehemaligen Vorstands der HSH-Nordbank fiel am Mittwochnachmittag vor der Wirtschaftsstrafkammer des Hamburger Landgerichts vernichtend aus: „Nach Frühstücksdirektorenart“, ohne sich inhaltlich damit ausreichend zu befassen, hätten die sechs angeklagten Bankmanager eine Kreditvorlage „großzügig unterzeichnet“, die ihrem Institut einen Vermögensverlust von gut 50 Millionen Euro einbrachte, lautete das Fazit von Staatsanwalt Karsten Wegerich gegen Ende seines Plädoyers. Alle Vorstände hätten sich der Untreue in besonders schwerem Fall schuldig gemacht, beim damaligen Finanzvorstand Uwe Jens Nonnenmacher sowie Kapitalmarktvorstand Jochen Friedrich komme noch Bilanzfälschung hinzu.

Die Staatsanwaltschaft fordert zum Ende des seit gut zehn Monaten laufenden Verfahrens Gefängnisstrafen für die sechs Ex-Vorstände zwischen einem Jahr und neun Monaten und 10 Monaten, die gegen Zahlung von Geldbußen zwischen 40.000 und 150.000 Euro zu Bewährung ausgesetzt werden. Das Urteil wird für Anfang Juli erwartet.

Die Ankläger sehen es nach 57 Verhandlungstagen als erwiesen an, dass die ehemaligen Bankvorstände „grob pflichtwidrig“ gehandelt und ihre Handlungsspielräume erheblich überschritten haben. Denn bei der Entscheidung über das Kreditgeschäft mit der bankinternen Bezeichnung „Omega 55“ sei eine umfassende Informationsgrundlage von zentraler Bedeutung gewesen, um im Dezember 2007 bei der Entscheidung über die Kreditvorlage der Sorgfaltspflicht des Vorstands zu genügen. Dazu hätte die Geschäftsleitung alle verfügbaren Informationsquellen ausschöpfen müssen – eine bloße Plausibilitätsprüfung genüge nicht.

Die Angeklagten im HSH-Prozess

Ein Vorstand vor Gericht

Der frühere Vorstand der HSH Nordbank in Hamburg steht vor Gericht. Die Angeklagten sind nicht mehr für die Bank tätig. Sie bestreiten die Vorwürfe.

Hans Berger

Hans Berger (63) war im Dezember 2007, als das „Omega 55“-Geschäft beschlossen wurde, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank. Er gehörte bereits seit 1996 dem Vorstand eines der beiden Vorgängerinstitute an, der Landesbank Schleswig-Holstein, zuletzt als Vorsitzender. Berger trat im November 2008 zurück, weil der Vorstand die Intensität und Dauer der Finanzkrise sowie die Risiken für die Ertragslage der Bank nicht hinreichend vorhergesehen habe.

Peter Rieck

Peter Rieck (60) war als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands unter anderem zuständig für die Bereiche Schifffahrt, Transport, Immobilienkunden und die Niederlassungen in Amerika und Asien. Er arbeitete zunächst bei der Landesbank in Kiel und der Investitionsbank Schleswig-Holstein, wurde aber schon 1998 Vorstand der Hamburgischen Landesbank. Rieck wurde im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat abberufen.

Jochen Friedrich

Jochen Friedrich (49) gehörte im Dezember 2007 dem HSH-Vorstand seit einem halben Jahr an. Er hatte zuvor für JP Morgan und die DZ Bank gearbeitet. Bei der HSH Nordbank war er zuständig für das Investmentmanagement und den Kapitalmarkt sowie die Niederlassung London, die bei dem Verfahren eine besondere Rolle spielt. Friedrich wurde gemeinsam mit Rieck im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat entlassen. Er ist - ebenso wie Nonnenmacher - nicht nur wegen schwerer Untreue angeklagt, sondern auch wegen Bilanzfälschung.

Dirk Jens Nonnenmacher

Dirk Jens Nonnenmacher (50) gehörte dem Vorstand der HSH Nordbank erst seit Oktober 2007 an. Er war als Mathematiker wissenschaftlich sowie operativ in verschiedenen Positionen der Finanzindustrie tätig, zuvor bei der Dresdner Bank und der DZ Bank. Nonnenmacher sollte als Vorstand für Finanzen und Steuern den geplanten Börsengang der HSH Nordbank vorbereiten. Im November 2008 wurde er als Nachfolger von Berger Vorstandschef. In seiner Amtszeit stabilisierte sich die Bank wirtschaftlich, wurde aber immer wieder von Affären und Skandalen erschüttert. Nonnenmacher musste die Bank im März 2011 auf Druck der Anteilseigner verlassen und erhielt eine Abfindung in Millionenhöhe, die er bei einer rechtskräftigen Verurteilung zurückzahlen muss.

Hartmut Strauß

Hartmut Strauß (64) war für das Risikomanagement der Bank zuständig. Er hat sein Berufsleben bei der Hamburgischen Landesbank verbracht, in deren Vorstand er 2001 aufrückte. Strauß schied im Juni 2008 auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen aus dem Vorstand der HSH Nordbank aus. Der Vorstand erklärte zum Abschied von Strauß, er habe sich bleibende Verdienste um die Bank erworben. Inzwischen macht die Bank gegen Strauß Schadensersatzansprüche geltend, ebenso gegen Rieck und Friedrich.

Bernhard Visker

Bernhard Visker (46) arbeitete rund 25 Jahre bei der Hamburgischen Landesbank und der HSH Nordbank und war Vorstand seit Januar 2007. Er war verantwortlich für Firmen- und Immobilienkunden, Private Banking und Sparkassen. Visker überstand als einziger Vorstand die Stürme der Finanzkrise und schied erst Ende August 2011 „im besten Einvernehmen“ aus dem Gremium aus. Er ist heute Geschäftsführer der Immobilienfirma ABG in München.

Quelle: dpa

Dies gelte insbesondere für ein kompliziertes Überkreuzgeschäft wie „Omega 55“. Ziel der Transaktion war es, die Bilanz der Bank vor dem damals angestrebten Börsengang zu entlasten. Dazu wurden risikobehaftete Immobilienkredite in eine Zweckgesellschaft ausgelagert und bei der französischen Bank BNP Paribas gegen einen Ausfall versichert. Im Gegenzug musste die HSH Nordbank die Risiken eines Wertpapierportfolios von BNP Paribas übernehmen. Darin waren unter anderem isländische Anleihen und Zertifikate der US-Bank Lehman Brothers enthalten, die im Zuge der Finanzkrise massiv an Wert verloren.

In der Anklageschrift war der daraus resultierende Vermögensschaden noch auf 158 Millionen Euro beziffert wurden. In ihrem Plädoyer schloss sich die Staatsanwaltschaft der Einschätzung eines vom Gericht bestellten Gutachters an, der den von den Vorständen zu verantwortenden Vermögensnachteil für die Bank auf 52,6 Millionen Euro bewertet hatte, da die Lehman-Pleite und der Niedergang der isländischen Banken in Folge der Finanzkrise nur für Insider voraussehbar gewesen seien. Es stelle sich aber dennoch die Frage, so Staatsanwalt Wegerich, warum Vorstände, die über derartige Geschäfte zu entscheiden hätten, nicht selbst Insider seien.

Kommentare (11)

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28.05.2014, 18:46 Uhr

Warum sind solche Nonnenmachers noch lebend unter uns?

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28.05.2014, 19:40 Uhr

Nunja: wer würde je auf die Idee kommen Middelhoff als Nonnenmacher zu bezeichnen: das käme nachgeradezu einer fast schon kategorialen Fehlbezeichnung gleich.

Und sowas gilt es ja zu verhindern, wie Mehdorn weiß.

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28.05.2014, 20:21 Uhr

Irgendwie wird mit Bankstern viel zu milde umgegangen. Die Strafgelder sind einfach lächerlich. Hier muß voll auf das Vermögen der handelnden Personen durchgegriffen werden.

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