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15.07.2015

17:54 Uhr

Prüfung durch EU-Kommissar

Banken hoffen auf Lockerung von Kapitalvorschriften

Werden die Eigenkapitalvorschriften für Banken bald gelockert? EU-Finanzmarktkommissar Jonathan Hill prüft entsprechende Schritte. Man wolle nicht, dass die Kapitalpuffer zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.

EU-Finanzmarktkommissar Jonathan Hill prüft eine Lockerung der Kapitalvorschriften für Banken. dpa

Jonathan Hill

EU-Finanzmarktkommissar Jonathan Hill prüft eine Lockerung der Kapitalvorschriften für Banken.

LondonDie EU-Kommission macht Banken Hoffnung auf eine Lockerung der Eigenkapitalvorschriften. Es müsse geprüft werden, ob man den Instituten die Vergabe von Krediten an die Realwirtschaft erleichtern könne, sagte Finanzmarktkommissar Jonathan Hill am Mittwoch laut Redetext auf einer Veranstaltung in London.

Die deutschen Sparkassen begrüßen den Vorstoß. „Die EU-Kommission hat erkannt, wie wichtig der Mittelstand für Wachstum und Arbeitsplätze ist“, sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon. „Mittelstandskredite müssen nach der Regulierungswelle der letzten Jahre wieder entlastet werden.“

Die nach der Finanzkrise erlassenen Regeln hätten die Geldhäuser sicherer gemacht, sagte Hill in der britischen Finanzmetropole. Man müsse aber prüfen, ob sie unerwünschte Nebenwirkungen hätten. „Stehen sie immer im richtigen Verhältnis zu den Risiken? Welche Folgen haben sie für die Kreditvergabe an kleine Unternehmen und für die Infrastruktur? Könnten sie vereinfacht oder nach Risiko und Größe differenziert werden, ohne die übergeordneten Ziele zu gefährden?“

Hill hat mehrfach deutlich gemacht, dass die EU-Kommission künftig stärker auf Wachstum achten und Finanzmarktregeln auf ihre Verhältnismäßigkeit prüfen will. Viele Banken klagen, dass die gestiegenen Eigenkapitalanforderungen zulasten der Kreditvergabe und des Wertpapierhandels gehen.

Die deutschen Institute beäugten Hill anfangs kritisch, weil sie den Verdacht hegten, er habe vor allem die Interessen kapitalmarkt-orientierter britischer Geldhäuser im Blick. Dass es auf sein Betreiben hin nun auch bei Krediten Erleichterungen geben könnte, dürfte die Kritik fürs erste verstummen lassen.

Verschuldungsquote (Leverage Ratio) ausgewählter Banken

UBS

5,6 Prozent

(nach Schweizer Vorgaben, inkl. Puffer-Kapital)

Lloyds Banking

4,9 Prozent

HSBC

4,8 Prozent

Crédit Agricole

4,2 Prozent

Royal Bank of Scotland

4,2 Prozent

ING

4,1 Prozent

Commerzbank

3,7 Prozent

Deutsche Bank

3,4 Prozent

Quelle

Quelle: Unternehmen

Stand: 31.12.2014

(außer Deutsche Bank und UBS, Stand: 31.3.2015)

Hill riskiert durch seine bankenfreundliche Agenda einen Konflikt mit den internationalen Bankenaufsehern im Baseler Ausschuss, die die unter dem Schlagwort „Basel III“ bekannten Vorschriften ausgearbeitet haben. Von dort hatte sich die EU bereits einen Rüffel geholt, weil sie den Verbriefungsmarkt ankurbeln und dafür von den Basel-III-Regeln abweichen will. Andererseits gehen einige nationale Aufsichtsbehörden wie die Bank von England über die Vorgaben von Basel III hinaus und verlangen von ihren Geldhäusern dickere Eigenkapitalpolster.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Manfred Zimmer

16.07.2015, 12:42 Uhr

Ein sehr interessanter Ansatz, musste die EU bzw. der Rettungsschirm nicht gerade die Banken vor dem Zusammenbruch retten und wurden nicht eben erst die Belastungen auf den kleinen Steuerzahler übertragen. Der hatte weder die Kredite gewährt, noch hat er Boni wegen der tollen Kreditgeschäfte erhalten.

Man wird den Eindruck nicht los, dass hier das gesamte "Staatswesen" von der Aufsicht, der Exekutive bis in die Legislative durchkorruptiert ist.

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