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06.04.2017

09:26 Uhr

PWC-Studie und Exec

Banken stürzen sich auf Fintechs

VonKatharina Schneider

Die Zahl der Bank-Fintech-Kooperationen steigt rasant, das zeigt eine Studie von PWC. Die aktuellen Trends zeigt die Konferenz Exec. Kein Zufall, dass dort Anbieter mit Fokus auf Unternehmen „Fintech des Jahres“ wurden.

Nicht nur in der Finanzmetropole kooperieren Banken mit Fintechs. AP

Foto der Frankfurter Skyline

Nicht nur in der Finanzmetropole kooperieren Banken mit Fintechs.

BerlinBelächelt, bekämpft, umarmt – so lässt sich kurz zusammenfassen, wie Banken im Verlauf der Jahre auf junge Finanz-Technologiefirmen reagiert haben. Am Anfang nahmen sie die Fintechs nicht erst, dann sagten sie ihnen den Kampf an und schließlich setzen immer mehr Banken auf Kooperationen. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung PWC, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, kooperieren weltweit 45 Prozent der Finanzdienstleister mit Fintechs. Vor einem Jahr waren es nur 32 Prozent.

Befragt wurden mehr als 1300 Branchenmanager weltweit. In Deutschland ist der Trend sogar noch stärker. Hier arbeiten bereits 70 Prozent der Finanzdienstleister mit Fintechs zusammen. Wie groß das Interesse an einem Austausch ist, zeigt sich gerade auch auf einer der größten europäischen Fintech- und Insurtech-Konferenzen in Berlin. Bei der Exec treffen sich junge Start-ups, alteingesessene Banken und Investoren zur Kontaktpflege.

Das Interesse an den jungen Wilden kommt nicht von ungefähr. Banken stehen vor Herausforderungen, die sie alleine kaum bewältigen können: Eine der größten ist die Digitalisierung. Fintechs sollen ihnen helfen, ihre behäbigen IT-Systeme flott zu machen, Kosten zu sparen und zugleich den Kontakt zum Kunden zu verbessern. Von den Geldinstituten soll er sich genauso verstanden fühlen wie von den großen Technologiekonzernen Google, Apple oder Facebook.

Der Weg dahin ist für die Banken schwierig, denn Jahrzehnte lang ging es darum, den Kunden möglichst viele Bankprodukte zu verkaufen. Erst langsam wächst die Erkenntnis, dass Angebote zu den individuellen Bedürfnissen der Kunden passen sollten. „Das Verhältnis zwischen Banken und Startups hat sich innerhalb der vergangenen 24 Monate stark weiterentwickelt. Im Grunde ist Fintech der neue Mainstream“, sagt Sascha Demgensky, Verantwortlicher für das Thema Fintech bei PwC Deutschland.

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Finanz-Start-ups und Banken bekriegen sich nicht länger, sondern verbünden sich. Gemeinsam wappnen sie sich für den Wettbewerb mit Apple, Amazon und Facebook – die zunehmend Interesse an der Finanzbranche zeigen.

Allerdings sind Fintechs längst nicht nur Heilsbringer für die Geldinstitute. Laut der PWC-Studie fürchten 88 Prozent der Finanzdienstleister, dass sie Marktanteile an die Unternehmen verlieren werden. So gehen 84 Prozent der Banken davon aus, dass ihre Kunden schon heute Drittanbieter im Bereich des Zahlungsverkehrs nutzen. Prominentestes Bespiel hierfür ist der Online-Bezahldienst Paypal, der schon seit einigen Jahren erfolgreich am Markt aktiv ist. Daneben glauben 60 Prozent, dass ihre Kunden beim persönlichen Finanzmanagement oder bei Krediten (56 Prozent) regelmäßig auf Fintechs setzen.

Inzwischen haben es Finanz-Start-ups verstärkt auch auf die Zielgruppe der Firmenkunden abgesehen – insbesondere kleine und mittlere Unternehmen. Das zeigt sich auch in den Profilen der Teilnehmer der Exec-Konferenz, zahlreiche wollen den Firmen etwa bei Fragen rund um die Finanzierung und das persönliche Finanzmanagement helfen. Branchenexperten rechnen neuen Anbietern in diesem Segment derzeit besonders gute Chancen zu, denn im Markt für Privatkunden ist der Wettbewerb schon groß und bei manchen Geschäftsmodellen – wie beispielsweise den Robo-Advisors – gibt es kaum Unterschiede zwischen den Anbietern. Der Fokus auf Unternehmen gewinnt dagegen gerade erst an Bedeutung.

Strategische Erfolgsfaktoren für Banken

Rang 7

Kooperation mit Drittanbietern wie Fintechs (57 Prozent)

Rang 6

Angebote zur Personalisierung (69 Prozent)

Rang 5

Wahl der richtigen technischen Plattform (71 Prozent)

Rang 4

Bereitstellen von Echtzeit-Informationen während einer Transaktion (71 Prozent)

Rang 3

Co-Innovation mithilfe von Kundenfeedback (72 Prozent)

Rang 2

Einheitliches und konsistentes Nutzererlebnis auf allen Endgeräten (79 Prozent)

Rang 1

Richtiger Umgang mit Sicherheitsaspekten

Quelle

GFT Digital Banking Survey, Stand Juni 2016


Auch bei der Auszeichnung zum „Fintech des Jahres 2016“ spiegelte sich die wachsende Bedeutung der sogenannten B2B-Start-ups wieder. Der Preis wurde am Mittwochabend im Rahmen der Exec von dem Beraterteam Payment and Banking verliehen, den Jury-Vorsitz hatte der Traxpay-Chef und erfahrene Zahlungsverkehrsexperte Jochen Siegert. An einer Online-Abstimmung hatten im Vorfeld rund 5000 Personen teilgenommen. Sie stimmten über die Vergabe des Publikumspreises ab. Den Preis für das beste Fintech in der Frühphase erhielt Bilendo. Die Münchener ermöglichen es Unternehmen, ihre Forderungen zu verwalten und ihr Mahnwesen zu automatisieren. Dadurch sollen die Nutzer Kosten sparen und zugleich die Zahlungsmoral ihrer Kunden verbessern.

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