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19.01.2011

14:04 Uhr

Quartalsbilanz

Postbank muss 100 Millionen Euro abschreiben

Ein Ende mit Schrecken: Die Übernahme durch die Deutsche Bank hat bei der Postbank zum Jahresende mächtig ins Kontor geschlagen. Das war grundsätzlich erwartet worden, aber die Höhe der Abschreibungen erschreckte dann aber doch einige Marktteilnehmer.

Die Postbank muss wegen der Übernahme durch die Deutsche Bank noch mal kräftig abschreiben. Quelle: Reuters

Die Postbank muss wegen der Übernahme durch die Deutsche Bank noch mal kräftig abschreiben.

hgn/HB FRANKFURT. Im vierten Quartal sei das Postbank-Ergebnis vor Steuern zwar leicht positiv ausgefallen. Nach Steuern sei das Ergebnis allerdings durch Abschreibungen belastet worden, die auf Steuereffekte im Zuge der erstmaligen Konsolidierung in den Deutsche-Bank-Konzern zurückgingen. Diese Abschreibungen beliefen sich auf etwa 100 Millionen Euro. Die Deutsche Bank hat die Postbank zum Jahresende in die Bücher genommen.

Die Postbank hatte bereits im November gewarnt, das vierte Quartal werde wohl das schlechteste im Jahr 2010. Damals verwies Deutschlands größte Privatkundenbank auch darauf, dass sie Inhabern von Genussrechten und Stillen Einlagen rund 50 Millionen Euro an Zinsen nachzahlen muss, die wegen Verlusten in den Vorjahren ausgefallen waren. Im dritten Quartal hatte die Postbank ihr Ergebnis nach Steuern leicht auf 65 Millionen Euro steigern können.

Die Postbank braucht noch mindestens bis Ende kommenden Jahres, um zu alter Stärke zurückzukehren. Zwar rechnet Deutschlands größte Filialbank für 2010 und 2011 nach den herben Verlusten während der Krise wieder mit schwarzen Zahlen. Doch trotz des dritten Quartalsgewinns in Folge belastet weiterhin das Erbe der Vergangenheit.

Damit wird immer deutlicher, welches Mammutprojekt sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit dem bereits vor gut zwei Jahren eingefädelten Kauf der Postbank vorgenommen hat.

Die Deutsche Bank hat nun nicht nur Zugriff auf das mit 14 Mio. Kunden stabile Privatkundengeschäft. Vielmehr übernahm sie auch die toxischen Wertpapiere im Nominalwert von 4,6 Milliarden Euro. Diese komplexen, häufig mehrfach verschachtelten Investmentpools (CDOs) haben zu zwei Dritteln einen Ramschstatus. Und noch immer stehen die Positionen mit 3,3 Mrd. Euro in den Büchern der Postbank. Die Bonner haben sie Analysten zufolge bislang eher großzügig bewertet - auch weil sie größere Abschreibungen gar nicht hätten verkraften können.

Auch der Blick auf die Rendite macht deutlich, dass Postbank und Deutsche Bank Welten trennen. Kamen die Frankfurter 2010 auf 18,3 Prozent, erwirtschafteten die Bonner lediglich 7,2 Prozent - jeweils vor Steuern. Operativ kommt die Postbank hingegen voran - nicht zuletzt wegen des vor einem Jahr angekündigten Arbeitsplatzabbaus und der damit verbundenen Einsparungen. Im dritten Quartal fiel vor Steuern ein Gewinn von 71 Mio. Euro an, während im Vorjahreszeitraum noch ein Minus von 29 Mio. Euro zu Buche schlug. Ergebnistreiber war von Juli bis September vor allem der Zinsüberschuss. Zugleich sank die Risikovorsorge. Mussten im Vorquartal noch 175 Mio. Euro für faule Kredite zurückgelegt werden, waren es nun nur noch 134 Mio. Euro.

Zusätzliche Lasten entstehen, weil sogenannte hybride Eigenkapitalinstrumente wie Genussscheine und stille Einlagen bedient werden müssen. Wegen der Verluste in Folge der Krise in den Jahren 2008 und 2009 hatte die Postbank diese Papiere nämlich zuletzt nicht bedient. Jetzt, wo wieder schwarze Zahlen unter dem Strich stehen, muss das nachgeholt werden. Rund 50 Mio. Euro an Zinsen dürften damit fällig werden.

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