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16.01.2009

08:46 Uhr

Quartalsbilanz vorgezogen

Staat stützt Bank of America mit Milliarden

Der fatale Abwärtssog im Bankensektor reißt jetzt auch den vermeintlichen Krisengewinner Bank of America (BofA) mit. Die US-Regierung muss den gemessen an der Bilanzsumme größten Finanzkonzern Amerikas mit 20 Milliarden Dollar stützen. Grund sind hohe Verluste bei der kürzlich übernommenen Investmentbank Merrill Lynch.

Bank of America: Analysten halten trotz eines erwarteten massiven Gewinneinbruchs im Schlussquartal 2008 noch ein knappes Plus für möglich. Foto: ap ap

Bank of America: Analysten halten trotz eines erwarteten massiven Gewinneinbruchs im Schlussquartal 2008 noch ein knappes Plus für möglich. Foto: ap

ebe/bas/HB NEW YORK. Die Bank of America erhält eine weitere Milliardenspritze aus dem Rettungsfonds der US-Regierung: In einer Marathonsitzung einigten sich beide Seiten am frühen Freitagmorgen in Washington auf ein zweites Hilfspaket, das 20 Mrd. Dollar frisches Kapital plus Garantien für bis zu 118 Mrd. Dollar aus problematischen Anlagen enthält.

Die Bank of America hatte zuvor bereits 25 Mrd. Dollar aus Rettungsfonds erhalten, dessen zweite Hälfte am Donnerstag vom Kongress freigegeben wurde und damit dem am Dienstag sein Amt antretenden neuen US-Präsidenten Barack Obama zur Verfügung stehen wird. Die ersten 350 Mrd. Dollar wurden von der Regierung des scheidenden Präsidenten George W. Bush seit der Einrichtung des Fonds am 3. Oktober bereits vergeben.

Finanzminister Henry Paulson sei in Sorge, dass die Merrill-Lynch-Übernahme noch platze und das Finanzsystem in der Folge weiter destabilisiert werde, schrieb das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Kreise. Seit der folgenschweren Pleite von Lehman Brothers im Vorjahr gilt der Kollaps einer großen Wall-Street-Bank als Schreckensszenario.

Mit der weiteren Staatshilfe aus dem 700 Mrd. Dollar schweren Rettungspaket weitet die Regierung ihren Einfluss auf die beiden größten US-Finanzkonzerne massiv aus. Vor wenigen Wochen hatte sich Washington bereits mit 20 Mrd. Dollar direkt an der Citigroup beteiligt und einen 300 Mrd. Dollar schweren Rettungsschirm über den einst weltgrößten Bankenkonzern gespannt. Die Citigroup soll auf Druck der Regierung nun zerlegt und dramatisch verkleinert werden.

An der Wall Street sorgten die Nachrichten für einen Schock: Citigroup gaben um mehr als 15 Prozent nach, BofA brachen um mehr als 18 Prozent ein. Einziger Lichtblick in der Branche ist derzeit JP Morgan Chase, die im Schlussquartal 2008 einen Gewinn von 702 Mio. Dollar ausweisen konnten. Doch auch die Aktien der drittgrößten US-Bank konnten gestern ihre frühen Kursgewinne nicht halten.

Mit Spannung erwarteten die Händler nun die Quartalszahlen der US-Institute. Die Bank of America zog ihre eigentlich für Dienstag geplante Bilanzpräsentation auf Freitag vor. Auch die Citigroup wollte ihrer Quartalszahlen früher als ursprünglich vorgesehen bereits am Freitag veröffentlichen. Einige Analysten rechnen damit, dass die einst größte US-Bank das fünfte Quartal in Folge einen Milliardenverlust ausweisen muss. Andere halten trotz eines erwarteten massiven Gewinneinbruchs im Schlussquartal 2008 noch ein knappes Plus für möglich - zumindest vor Sondereffekten. Die Bank steuerte bislang ohne Quartalsverlust durch die Finanzkrise.

Nach Einschätzung von Händlern dürfte die Finanzspritze der US-Regierung am Freitag dem Dax Auftrieb geben. Auch in Tokio hatten die Börsianer positiv reagiert und den Nikkei um 2,6 Prozent in die Höhe getrieben. Für den Dax sagten Banken und Broker Kursgewinne von 1,8 Prozent auf 4415 Punkte voraus.

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