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31.01.2013

08:50 Uhr

Quartalsergebnis

Deutsche Bank schockiert mit Milliardenverlust

VonSebastian Ertinger, Martin Dowideit

Die Deutsche Bank hat im letzten Quartal 2012 einen Milliardenverlust verbucht und damit Beobachter überrascht. Rechtsstreitigkeiten und Abschreibungen vermiesten das Geschäft. Dennoch sind die Chefs zuversichtlich.

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt.

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt.

FrankfurtDie Deutsche Bank hat im Jahr 2012 einen Gewinn nach Steuern in Höhe von gerundet 700 Millionen Euro erzielt. Im Vorjahr waren es noch 4,3 Milliarden Euro. Das Ergebnis in den letzten drei Monaten des Jahres fiel mit einem Minus von 2,6 Milliarden Euro vor Steuern (minus 2,2 Milliarden nach Steuern) schwach aus. Im Vorjahreszeitraum war ein Minus von 400 Millionen Euro gemeldet worden.

Deutschlands größte Bank hatte bereits im Dezember für das vierte Quartal 2012 einen Gewinneinbruch angekündigt. Zahlreiche Probleme wie die Restrukturierung und die Integration der Postbank belasteten das Kreditinstitut. In einer Befragung durch die Nachrichtenagentur Reuters hatten Analysten allerdings für das vierte Quartal einen Vorsteuergewinn von 116 Millionen Euro erwartet.

Die Aktie der Deutschen Bank legte in den ersten Handelsminuten dennoch um 0,8 Prozent auf 37,43 Euro zu. Eine gesteigerte Kernkapitalquote senkte die Befürchtung vor einer Kapitalerhöhung, die Anteile an der Bank verwässern würde.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

Viele Risiken

Geldwäsche, Steuerhinterziehung, versuchte Strafvereitelung – die Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank bis in den Vorstand wiegen schwer. Die laufenden Ermittlungen zum Handel mit Luftverschmutzungsrechten sind nicht die einzige juristische Baustelle des größten deutschen Geldhauses. In den ersten neun Monaten 2012 legte der Dax-Konzern 750 Millionen Euro für juristische Risiken zur Seite. Insgesamt schätzt der Konzern seine Rechtsrisiken nach jüngsten Angaben auf 2,5 Milliarden Euro. Ein Überblick.

Emissionsrechte

Das Geschäft mit Zertifikaten zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) ist millionenschwer. Seit Jahren ist die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft Umsatzsteuerbetrügern auf der Spur, die den deutschen Fiskus um hunderte Millionen schädigten. Schon 2010 gab es in diesem Zusammenhang eine Razzia bei der Deutschen Bank. Im Dezember 2011 wurden sechs Männer einer internationalen Bande verurteilt, mit denen Deutsche-Bank-Mitarbeiter kooperiert haben sollen. In dem Prozess vor dem Landgericht Frankfurt musste sich die Deutsche Bank vorhalten lassen, den grenzüberschreitenden CO2-Zertifikatehandel erst so richtig in Schwung gebracht zu haben. Die Bank hatte seinerzeit betont, es gebe bisher „keine Hinweise auf eine Verstrickung der Mitarbeiter der Bank“. Am Mittwoch durchsuchten Fahnder erneut Geschäftsräume des Instituts. Gegen fünf Mitarbeiter erging Haftbefehl wegen des Verdachts auf Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung, die Zahl der Verdächtigen erhöhte sich auf 25. Die Ermittlungen zum Umsatzsteuerbetrug richten sich auch gegen Konzernchef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause, weil sie die Umsatzsteuererklärung 2009 der Bank unterzeichneten.

Libor

Über Jahre sollen Großbanken den Referenzzins manipuliert haben, um höhere Gewinne zu erzielen. Dass einzelne Mitarbeiter des Dax-Konzerns in den Jahren 2006/2007 an den Tricksereien beteiligt waren, daran gibt es auch nach Angaben der Bank keine Zweifel. Zwei Deutsche-Bank-Mitarbeiter wurden gefeuert. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war der seit Juni amtierende Co-Chef Anshu Jain, der seit Jahren das Investmentbanking verantwortet. Ende November musste sich Rechtsvorstand Stephan Leithner im Bundestags-Finanzausschuss unangenehme Fragen gefallen lassen. Die „London Interbank Offered Rate“ (Libor) gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Der Zins dient als Maßstab für Geldgeschäfte in Billionenhöhe.

Kirch

Im Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch droht der Bank eine möglicherweise teure Niederlage. Das Münchner Oberlandesgericht (OLG) verurteilte die Bank zu Schadenersatz. Die Höhe ist noch offen und soll von Gutachtern ermittelt werden. Der damalige Konzern-Chefs Rolf Breuer hatte Anfang 2002 in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt. Wochen danach brach der Kirch-Konzern zusammen. Kirch machte Breuer und die Bank zeitlebens dafür verantwortlich. Dessen Erben fordern in dem Münchner Verfahren gut zwei Milliarden Euro Schadenersatz. Breuer nennt das Interview heute einen „Unfall“, einen Vergleich lehnte die Bank ab.

USA

Dort landet die Bank wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/2008 immer wieder vor dem Kadi. Oft geht es um windige Hypothekengeschäfte. So soll das Institut Investoren mit Verbriefungsgeschäften übers Ohr gehauen haben. Im Mai schaffte das Geldhaus durch Zahlung von 202 Millionen US-Dollar eine Klage wegen zwielichtiger Geschäfte der US-Tochter MortgageIT aus der Welt.

Stand: 13. Dezember 2012, Quelle: dpa

Als Gründe für die Verluste nannte das Institut in einer Mitteilung Rechtskosten in Höhe von einer Milliarde Euro und Abschreibungen auf Firmenwerte in Höhe von 1,9 Milliarden Euro. Die Abschreibungen erfolgten unter anderem in den Sparten Investment-Banking und der Vermögensverwaltung. Sie überdeckten unter anderem ein anziehendes Geschäft bei der Emission von Aktien und Anleihen. Juristisch und aufsichtsrechtlich steht die Deutsche Bank unter anderem wegen ihrer Verwicklung in die Libor-Affäre unter Druck.

Protokoll der PK: „Die Grundlagen für einen Kulturwandel sind gelegt“

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Wer die Werte der Deutschen Bank nicht anerkenne, sei bei dem Geldhaus an der falschen Stelle, sagt Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen. Auf der Pressekonferenz wird die Bilanz erläutert. Wir waren live für Sie vor Ort.

Um die Aktionäre bei Laune zu halten, will die Bank für das vergangene Jahr eine unveränderte Dividende von 75 Cent je Aktie ausschütten. Die Deutsche Bank zahlte der Mitteilung zur Folge 2012 insgesamt 133 Millionen Euro an Bankenabgaben in Deutschland und Großbritannien.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

„Während einige Maßnahmen zur Umsetzung der Strategie 2015+ erwartungsgemäß einen beträchtlichen Einfluss auf unsere Zahlen im vierten Quartal hatten, betrachten wir die ersten Ergebnisse als ermutigend“, wurden die Co-Chefs der Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen in einer Mitteilung zitiert. Die Zuversicht beruht darauf, dass das Sparprogramm im zweiten Halbjahr 2012 zu Kostensenkungen von 400 Millionen Euro geführt habe und außerdem die Kapitalausstattung der Bank stieg.

Kommentar: Jain und Fitschen müssen Fehler eingestehen

Kommentar

Jain und Fitschen müssen Fehler eingestehen

Tiefrote Quartalszahlen und ein Nettoverlust von über zwei Milliarden Euro. Die Botschaft der Deutsche-Bank-Chefs: Das Ackermann-Modell ist tot, es lebe die neue Bank unter der Führung von Jain und Fitschen.

Auf der Basis der Basel-3-Kapitalvorschriften sei die Quote des harten Kernkapitals („Core-Tier-1“) auf 8,0 Prozent gegenüber unter 6 Prozent zum Ende des Jahres 2011 gesteigert worden. Auch die Erträge steigerte das Institut im vierten Quartal und zwar um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 7,9 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr waren die Einnahmen mit 33,7 Milliarden Euro etwa konstant.

Kommentare (37)

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OLDENDORP

31.01.2013, 07:40 Uhr

.......................................
......DEUTSCHE BANK.....
.......................................
buy the rumor - sell the facts..
..
vorbörslich der schwächste daxwert..
minus 1,5%
..
charttechnisch angeschlagen..
.............................
dividende bleibt unverändert.
.............................

nastyxx

31.01.2013, 07:50 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

nastyxx

31.01.2013, 07:52 Uhr

also mal ganz ehrlich: seriös sieht doch anders aus; um nicht zu sagen: mafiöse Strukturen oder wie?

Rechtsstreitigkeiten in Milliardenhöhe? Als seriöser Eigner würde ich den Vorständen doch in den Allerwertesten treten.

Aber ein schönes Beispiel für die Seriösität Versicherungen und Banken: die haben ihr Vermögen nur durch "Betrug" an irgendwelchen Kunden verdient und spielen sich heute als Obergrosskotzen auf.

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