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02.11.2015

12:17 Uhr

Quartalsergebnis und Blessing-Rückzug

Das Erbe des Commerzbank-Chefs

Acht Jahre wird Martin Blessing die Commerzbank im kommenden Jahr geführt haben. Doch noch länger will er nicht durchhalten – trotz eines neuen Angebots. Konkrete Pläne für die eigene Zukunft habe er noch nicht.

Experte zum Commerzbank-Chef

„Jeder ist ersetzbar, auch Herr Blessing“

Experte zum Commerzbank-Chef: „Jeder ist ersetzbar, auch Herr Blessing“

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FrankfurtEs sind 250 Millionen Euro, mit denen Martin Blessing auf der Hauptversammlung der Commerzbank im kommenden Jahr die Aktionäre trösten will. So viel macht die von ihm am Montagmorgen angekündigte Dividende in Höhe von 20 Cent je Aktie aus. Es wird das Abschiedsgeschenk des Managers nach dann acht Jahren an der Spitze der Bank sein.

Denn am Vorabend hatte die Bank mitgeteilt, dass Blessing ein Angebot ausgeschlagen habe, auch über Oktober 2016 hinaus noch Chef der Commerzbank zu sein. Nicht nur die Dividende, auch das hartnäckige Arbeiten und sein Schritt-für Schritt-Management auf dem Weg, die Commerzbank zu stabilisieren und in ruhiges Fahrwasser zu bringen, dürfte den Aufsichtsrat zu dem Angebot bewogen haben.

In den vergangenen Jahren hatte der heute 52-Jährige mehrfach schwer in der Kritik gestanden. Doch er zeigte Kämpferqualitäten und biss sich durch. Inzwischen zahlt sich der von ihm vor drei Jahren eingeleitete massive Umbau der seit der Finanzkrise teilverstaatlichten Bank aus. „Er hat die Bank auf niedrigem Niveau stabilisiert, aber über dem Berg ist sie noch lange nicht“, so Aktionärsschützer Klaus Nieding zum Handelsblatt.

Nach eigenen Angaben hat Blessing noch „noch keine konkreten Pläne“ für die weitere berufliche Zukunft, wie es in einem am Montag im Intranet der Bank veröffentlichten Interview hieß. „Und ich bin ja auch noch ein Jahr da.“ Nun gehe es erst einmal darum, „den Kollegen und der Bank beim Führungswechsel zu helfen“.

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Martin Blessing wird die Commerzbank verlassen. Selbst die Überredungskünste von Aufsichtsratschef Müller halfen nichts, der bereit war, seinem Ziehsohn den roten Teppich auszurollen. Das Institut stürzt damit in ein Vakuum.

Nach Steuern hat die Commerzbank von Juli bis September zwar 207 Millionen Euro verdient und damit acht Prozent weniger als im selben Zeitraum des Vorjahres. Grund dafür sind vor allem deutlich höhere Steuerzahlungen in diesem Jahr. Doch das operative Ergebnis habe deutlich von 343 auf 429 Millionen Euro zugelegt, so das Institut. Damit ist es Blessing geglückt, die Schätzungen von Analysten zu übertreffen, die von einem stagnierenden Ergebnis ausgegangen waren. Ein Baustein für den Erfolg war unter anderem eine auf 146 Millionen Euro mehr als halbierte Risikovorsorge für faule Kredite in den Büchern (Hier mehr Details zu den Quartalszahlen).

Gerade einmal gut hundert Tage war Blessing im Amt, da gelingt dem Banker im Spätsommer 2008 der größte Deal in der deutschen Finanzindustrie seit Jahren: Die Übernahme der Dresdner Bank soll die Commerzbank zum zweiten „nationalen Champion“ nach der Deutschen Bank machen. Doch der Traum vom Erfolgskonzern ist schnell zu Ende – für Blessing beginnen Jahre der Qualen.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 10 – Postbank

Bilanzsumme 2013 der Deutsche-Bank-Tochter: 161,5 Milliarden Euro

Platz 9 – Helaba

Bilanzsumme 2013 der Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale: 178,1 Milliarden Euro.

Platz 8 – NordLB

Bilanzsumme 2013 der Norddeutschen Landesbank: 200,8 Milliarden Euro

Platz 7 – BayernLB

Bilanzsumme 2013 der Bayerischen Landesbank: 255,6 Milliarden Euro

Platz 6 – LBBW

Bilanzsumme 2013 der Landesbank Baden-Württemberg: 273,5 Milliarden Euro

Platz 5 – Unicredit

Bilanzsumme 2013 der Unicredit (inkl. Hypo-Vereinsbank): 290 Milliarden Euro

Platz 4 – DZ Bank

Bilanzsumme 2013 der Deutschen Zentral-Genossenschaftsbank: 387 Milliarden Euro

Platz 3 – KfW

Bilanzsumme 2013 der KfW-Bankengruppe: 464,8 Milliarden Euro

Platz 2 – Commerzbank

Bilanzsumme 2013: 549,7 Milliarden Euro

Platz 1 – Deutsche Bank

Bilanzsumme 2013: 1611,4 Milliarden Euro

Quelle: Die Bank/Statista

Die Dresdner-Altlasten sind gewaltig, die Schockwellen der Pleite der US-Großbank Lehman Brothers reißen auch die Commerzbank fast in den Abgrund. Der Staat rettet den Frankfurter Dax-Konzern mit Steuermilliarden und wird zur Sicherheit gleich dessen größter Aktionär. Blessing muss sich öffentlich als „Staatsbanker“ verulken lassen und bekommt in der Branche den Spitznamen „Merkels Pudel“ verpasst. Sein Gehalt wird auf 500.000 Euro begrenzt, es gibt Phasen, da verdient der Chef der Tochterbank Comdirect mehr als Blessing.

Kommentare (16)

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Herr Peter Langenhagen

02.11.2015, 08:13 Uhr

Wer den Aktienkurs der Commerzbank über Jahre verfolgt hat, weiß das Blessing
die CoBa auf dem absoluten Tiefpunkt verläßt. Wenn man die kosmetische Zusammenlegung von 10 zu einer Aktie vor zwei Jahren berücksichtigt, hat die Aktie jetzt einen Preis von 1 nem Euro, sie ist zum Pennystock verkommen.
Während Ackermann noch tönte, die Deutsche Bank würde sich schämen, Staatshilfe anzunehmen, machte es sich Blessing unter Merkels wärmendem Mantel gemütlich. Shareholder Value ? Fehlanzeige. Mich wundert nur, warum er überhaupt eine Verlängerung angeboten bekommen soll.
Aber in diesen Zeiten sollte man sich über vieles nicht mehr wundern.

Herr stefan kinlel

02.11.2015, 08:24 Uhr

Das war und ist bei der Coba keine Erfolgsgeschichte, was Hr. Blessing zu verantworten hat. Selbst der Aktienkurs verlief seit Finanzkrise sogar deutlich schlechter als der der DB. Das soll was heißen.
Nein, Blessing ist auch nicht aus freien Stücken gegangen, der Bund war ihn und sein Mißerfolg schlicht leid.
Seine Frau ist da wesentlich erfolgreicher unterwegs. Ganz ohne Quote.

Account gelöscht!

02.11.2015, 08:44 Uhr

Warum wird einem Versager wie Blessing eine Vertragsverlängerung angeboten ? In meinem Büro würde ich ihn noch nicht einmal als Putzkraft beschäftigen.

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