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12.04.2013

14:54 Uhr

Quartalszahlen US-Banken

Jamie Dimon trimmt JP Morgan auf Gewinn

Nach Skandalen und Milliardenabschreibungen erzielt die US-Bank JP Morgan zum Jahresauftakt einen Rekordgewinn. Zuvor hatte Bankchef Jamie Dimon den Abbau Tausender Stellen angekündigt. Denn das Geschäft geht zurück.

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon: Nach einem Handelsskandal im vergangenen Jahr erzielte die Bank nun einen Rekordgewinn. Reuters

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon: Nach einem Handelsskandal im vergangenen Jahr erzielte die Bank nun einen Rekordgewinn.

New YorkDie US-Großbank JP Morgan Chase hat im ersten Quartal einen Rekordgewinn eingefahren. Der Überschuss sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 33 Prozent auf 6,5 Milliarden Dollar gestiegen, teilte das größte Geldhaus der USA am Freitag mit. Die Einnahmen waren hingegen leicht rückläufig. Sie fielen auf 25,8 Milliarden Dollar nach 26,8 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Veröffentlichung der JP-Morgan-Bilanz wird an den Finanzmärkten stets mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt, da die Bank als erstes Institut Einblick ins Quartal gibt.

Analysten haben mit einem Gewinn von 5,41 Milliarden oder 1,40 US-Dollar je Aktie gerechnet. Im entsprechenden Quartal des Vorjahres hatte das Institut einen Überschuss von 4,9 Milliarden Dollar eingefahren. Dies entsprach einem Gewinn von 1,19 Dollar je Aktie. Beim Umsatz rechneten die Experten mit einem Rückgang um rund 1,7 Milliarden auf 25,7 Milliarden Dollar.

Gehälter der Wall-Street-Größen

John Stumpf

Streng genommen ist John Stumpf kein Wall-Street-Banker. Doch mit einer Jahresvergütung von 19,3 Millionen Dollar hat Wells Fargo mit Hauptsitz an der Westküste der USA ihren Chef an die Spitze der Finanzindustrie katapultiert. Während Branchengrößen wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Einbußen hinnehmen mussten, stieg das Einkommen von Stumpf 2012 um acht Prozent. Nach Rekordgewinnen im vergangenen Jahr stockte Wells Fargo Stumpfs Grundgehalt von 2,8 Millionen Dollar mit einem Bonus von vier Millionen Dollar und Aktien im Wert von 12,5 Millionen Dollar auf.

Brian Moynihan

Der Chef der Bank of America hat im Jahr 2012 stolze 12,1 Millionen Dollar verdient. Damit rückt er in die Liga der bestbezahlten Manager der US-Bankenwelt ein. Die Vergütung von Brian Moynihan stieg gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent. Doch die Spitzenverdiener, Loyd Blankfein von Goldman Sachs und John Stumpf von Wells Fargo, überholt er nicht überholen.

James Gorman

Morgan-Stanley-Chef James Gorman verdiente 2012 mit 9,75 Millionen Dollar sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

Jamie Dimon

Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, nimmt eine Halbierung seines Bonus für 2012 hin. Er kassiert 11,5 Millionen Dollar. Das Institut wurde von einem Händlerskandal erschüttert. Ein Mitarbeiter mit dem Spitznamen „Londoner Wal“ hatte mehr als sechs Milliarden Dollar verzockt.

Michael Corbat

Der neue Citigroup-Vorstandschef Michael Corbat streicht für 2012 ein sattes Gehalt von 11,5 Millionen US-Dollar ein. Corbat übernahm den Spitzenposten erst im Oktober vergangenen Jahres und stellte die Weichen für den Abbau von 11.000 Stellen.

JP Morgan profitierte in den ersten drei Monaten dieses Jahres erneut von der Erholung des US-Immobilienmarkts. Die Preise steigen dank der niedrigen Zinsen und mehr Menschen leisten sich wieder ein Haus. Im Privatkundengeschäft konnte JP Morgan außerdem einen Teil der Risikovorsorge auflösen, weil es vielen Familien finanziell wieder besser geht und es weniger Kreditkartenausfälle gibt. Vorstandschef Jamie Dimon zeigte sich am Freitag zufrieden: „Wir sehen positive Anzeichen dafür, dass die Wirtschaft gesund ist und wieder anzieht“, erklärte er. Lediglich kleinere Firmen hielten sich noch damit zurück, Kredite abzurufen.

Erst Ende Februar hatte das Finanzinstitut bekanntgegeben, dass es den Rotstift ansetzt und im Privatkundengeschäft 3000 bis 4000 Stellen streicht. Die Großbank JP Morgan hat mit 259.000 Angestellten drei Jahre in Folge Rekordgewinne erzielt. Jetzt rückt die Bank beim Stellenabbau an die Spitze und will bis Ende 2014 mit 17.000 Mitarbeitern weniger auskommen. JP-Morgan hat gut 5600 Filialen und damit das zweitgrößte Netzt in den USA nach Wells Fargo, die ebenfalls Einblick ins erste Quartal gab.

Soviel Bonus Zahlen die größten US-Banken

Goldman Sachs

Die Banker von Goldman Sachs erhielten im Gesamtjahr 2012 pro Kopf 399.506 Dollar. Der Bonustopf wuchs im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar. Die Bank zählt 32.400 Angestellte.

Quelle: Bloomberg

JP Morgan

Die Großbank verteilte 11,3 Milliarden Dollar an 52.151 Mitarbeiter. Dafür ergibt sich für das Jahr 2012 Monate ein Bonus von 216.928 Dollar pro Kopf. Der Bonustopf ist um drei Prozent kleiner als im Vorjahr. JP Morgan betreibt neben dem Investment-Banking aber auch andere Bankgeschäfte.

Morgan Stanley

Die Investmentbank Morgan Stanley hat für das Jahr 2012 für die Bezahlung der Investmentbanker 6,65 Milliarden Dollar aufgewendet. Das sind 7,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Wie viele Mitarbeiter im Investment-Banking tätig sind, teilt die Bank nicht mit. Der Gehaltsaufwand der gesamten Bank belief sich 2012 insgesamt auf 15,6 Milliarden Dollar, das sind 4,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei insgesamt 55.358 – zehn Prozent weniger als Ende 2011.

Im vergangenen Jahr hatten noch Fehlspekulationen bei der größten US-Bank ein Loch von 6,2 Milliarden Dollar in die Bilanz gerissen. In dem Skandal hatten Londoner Händler der Bank in einem kleinen Segment des Kapitalmarkts ohne große Kontrollen riesige Handelspositionen aufgebaut. Einem JP-Morgan-Händler brachte dies den Spitznamen „Der Wal von London“ ein. Der Fall hatte den Ruf der Bank erschüttert, die einer der großen Gewinner der Finanzkrise ist und eigentlich als Vorzeigeinstitut in den USA galt.

Damit wird einmal mehr deutlich, dass JP Morgan unangefochtener Branchenprimus ist. Schon 2012 hatte die Bank mit einem Nettogewinn von 21 Milliarden Dollar die heimischen und die internationalen Wettbewerber deklassiert: Die Deutsche Bank etwa schaffte im vergangenen Jahr wegen zahlreicher Sonderbelastungen nicht einmal mehr 300 Millionen Euro. Die Zahlen für das erste Quartal legt das Frankfurter Institut am 30. April vor.

Allerdings kann sich auch JP Morgan trotz seiner breiten Aufstellung nicht dem Niedrigzinsumfeld entziehen, das auf den Zinsüberschuss drückt. Und die Konzerneinnahmen lagen mit 25,8 Milliarden Dollar vier Prozent unter Vorjahr. Denn im Investment-Banking zog zwar der Handel an, doch gerade das lukrative Beratungsgeschäft ist nach der Finanzkrise rund um den Globus noch nicht wieder so stark angesprungen, wie viele Banker es sich erhofft hatten.

Die JP-Morgan-Aktie notierte deshalb vorbörslich leicht im Minus. Dabei können sich die Aktionäre ab dem zweiten Quartal über eine höhere Dividende freuen: Sie steigt dann auf 38 Cent je Aktie, bisher waren es 30 Cent. Die US-Notenbank Fed hatte den Plan unlängst durchgewunken, nachdem JP Morgan einen Stresstest bestanden hatte. Die Bank darf zudem Aktien für sechs Milliarden Dollar zurückkaufen. Nur bei den langfristigen Dividenden- und Rückkaufplänen muss die Bank nachbessern. Die Kapitalausstattung ist solide, aber nicht üppig.

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