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14.01.2007

16:45 Uhr

Quirin Bank

Wieder mal mutig

VonStefanie Burgmaier
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Die Berliner Quirin Bank plant mit einem neuen Gebührenmodell eine Revolution auf dem deutschen Markt. Hinter dem Institut steht ein Mann, der sich trotz seiner Jugend schon einen Namen in der Branche gemacht hat.

Schmidt hat Cortal Consors groß gemacht, verkauft und startet nun einen neuen Anlauf mit der Quirin Bank.

Schmidt hat Cortal Consors groß gemacht, verkauft und startet nun einen neuen Anlauf mit der Quirin Bank.

FRANKFURT. Noch immer sieht der schlanke junge Mann mit der runden Nickelbrille nicht wie ein klassischer Banker aus. Karl Matthäus Schmidt kommt zwar in dunklem Anzug und mit gedeckter Krawatte zu seinem Termin. Doch seine Unterlagen verstaut der 37-Jährige noch immer lieber in einem Rucksack statt in einem Aktenkoffer.

Wie ein Revolutionär wirkt der gebürtige Münchner aber auch nicht. Dabei unternimmt er schon den zweiten Umsturzversuch im deutschen Finanzgewerbe. Erst hat der Bankierssohn den traditionellen Wertpapierhandel mit Billigtarifen aufgemischt, als er Mitte der Neunzigerjahre als 25-jähriger Student den Discountbroker Consors gründete. Nun will er die althergebrachten Strukturen in der Vermögensberatung aufbrechen. Bei der Berliner Quirin Bank, deren Vorstandssprecher und Großaktionär Schmidt ist, führt er eine neue Form des Private Bankings ein.

Dabei zahlen die Kunden eine monatliche Pauschgebühr für die Beratung. Verkaufsprovisionen, die in den Produkten versteckt sind, erhalten die Quirin-Depotinhaber zurück. „Die Berater vertreten nicht mehr die Verkaufsabsichten der Produktlieferanten, sondern nur noch die Interessen ihrer Kunden“, sagt Schmidt. Statt um mündige Börsianer, die ihre Entscheidungen allein treffen, kümmert er sich nun um Vermögenden, die sich am liebsten jeden Handgriff abnehmen lassen. "Man wird älter, die Bedürfnisse ändern sich", erklärt Schmidt, warum er nun die Revolution von oben versucht.

Mit seiner Consorsgründung, die er 1999 an die Börse führte, hat er abgeschlossen. Als die familieneigene SchmidtBank, die Vater Karl Gerhard in fünfter Generation führte, 2001 in die Krise geriet und nur durch eine konzentrierte Aktion der Großbanken gerettet werden konnte, wurde der Discountbroker zum Verkauf gestellt. Die BNP Paribas griff zu und vereinigte ihren Ableger Cortal mit Consors. Nach der Übernahme durch die Franzosen blieb Schmidt noch einige Zeit in der Führungsmannschaft, bevor er sich zurückzog. Die Quirin Bank, die aus der Fusion der Consors Capital Bank und der Transaktionsbank Setis entstand, ist das Einzige, was ihm aus dieser Zeit geblieben ist. Zwischen Consors und Quirin sieht Schmidt denn auch keinen Widerspruch, sondern eine Weiterentwicklung. „Früher hat ein überzeugender Service für Bankkunden gefehlt, die über ihre Anlagen selbst entscheiden wollen - dieses Bedürfnis haben wir mit Consors erfüllt“, sagt er. Heute fehle den Anlegern eine faire, transparente und wirklich unabhängige Bankberatung. Diese Lücke fülle das neue Private-Banking-Konzept der Quirin Bank. Zumindest in der Namensgebung ist sich der studierte Betriebswirt treu geblieben. Beide Bankmarken sind aus der lateinischen Sprache entlehnt. Auf den Teilhaber folgt nun der Kriegsgott der Sabiner. Und auch das Ankündigen von Kundenwachstum hat Schmidt nicht verlernt. In vier Jahren will er mit der Quirin Bank 10 000 Private-Banking-Kunden betreuen. Und an der Börse ist Quirin auch - seit Oktober im Entry Standard der Frankfurter Börse.

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