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29.09.2016

13:53 Uhr

Radikaler Umbau bestätigt

Commerzbank streicht 9600 Stellen und die Dividende

Fast jeder fünfte Job bei der Commerzbank könnte wegfallen. Der massive Arbeitsplatzabbau ist Teil der Umbaustrategie von Vorstandschef Martin Zielke. Auch die Aktionäre gehen leer aus.

Das Geldinstitut will fast 10.000 Stellen streichen. dpa

Commerzbank-Turm in Frankfurt

Das Geldinstitut will fast 10.000 Stellen streichen.

FrankfurtDie Commerzbank will in den kommenden Jahren 9600 Vollzeitstellen streichen. Dies sei Teil der strategischen und finanziellen Ziele bis 2020, die der Vorstand am Freitag beschließen werde, teilte die Bank am Donnerstag mit. Man wolle zeitnah das Gespräch mit Arbeitsnehmervertretern suchen. Es würden aber gleichzeitig auch 2300 neue Stellen „in Wachstumsfeldern“ entstehen, so dass sich der Netto-Stellenabbau auf rund 7300 Vollzeitkräfte belaufe. Bereits in der Amtszeit des ehemaligen Konzernchefs Martin Blessing hatte die Bank 5000 Stellen gestrichen. Ob es betriebsbedingte Kündigungen geben wird, ließ das Institut zunächst offen.

Das Handelsblatt hatte bereits in seiner Dienstagsausgabe vom radikalen Umbau bei der Commerzbank berichtet. Als „Reaktion auf aktuelle Marktgerüchte“ gab der Bankvorstand am Donnerstag die Bestätigung der Pläne. Die neue Strategie soll am Freitag „nach der Erörterung mit dem Aufsichtsrat“ beschlossen werden, heißt es in der Ad-hoc-Mitteilung. Der Bund, Anteilseigner von gut 15 Prozent, wollte die Umbaupläne nicht kommentieren.

Die (un)profitabelsten Bankengruppen Deutschlands

Platz 8

Genossenschaftliche Zentralbanken

Rentabilität 2015: -1,08 %

Rentabilität 2014: 2,64 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 7

Großbanken (Commerzbank, Deutsche Bank, Postbank, Unicredit/Hypo-Vereinsbank)

Rentabilität 2015: 1,81 %

Rentabilität 2014: 3,16 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 6

Landesbanken (u.a. Bayern LB, LBBW)

Rentabilität 2015: 1,89 %

Rentabilität 2014: -1,5 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 5

Regionalbanken und sonstige Kreditbanken (u.a. BFI Bank, Deutsche Leasing Finance)

Rentabilität 2015: 2,72 %

Rentabilität 2014: 4,23 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 4

Bausparkassen (u.a. Bausparkasse Mainz, LBS)

Rentabilität 2015: 3,66 %

Rentabilität 2014: 5,6 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Durchschnitt

Durchschnitt aller Banken

Rentabilität 2015: 3,96 %

Rentabilität 2014: 3,98 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 3

Realkreditinstitute (u.a. Münchener Hypothekenbank, Wüstenrot Bank)

Rentabilität 2015: 4,29 %

Rentabilität 2014: -1,67 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 2

Sparkassen

Rentabilität 2015: 6,52 %

Rentabilität 2014: 6,72 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Platz 1

Kreditgenossenschaften (u.a. Volksbanken und Raiffeisenbanken)

Rentabilität 2015: 7,34 %

Rentabilität 2014: 8,59 %

Alle Angaben in Prozent des Eigenkapitals nach Steuern. Quelle: Bundesbank

Die Maßnahmen kosten Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus etwa 1,1 Milliarden Euro. Deshalb strich die Bank auch die Dividende mindestens für das laufende Jahr. Ursprünglich war eine Dividende von 20 Cent je Aktie angedacht. Wie erwartet treibt Vorstandschef Zielke auch die Digitalisierung enorm voran. Demnach sollen 80 Prozent der Prozesse digitalisiert werden und einen bedeutenden Kostenblock nachhaltig senken. „Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert“, hatte Zielke bereits Anfang September bei der Handelsblatt-Jahrestagung Banken im Umbruch betont.

Die Commerzbank wolle im Rahmen der neuen Strategie „Commerzbank 2020“ ihre „Profitabilität nachhaltig erhöhen“ und sich „auf ihre Kerngeschäfte konzentrieren“. Die Kunden werden auf zwei Sparten verteilt – nämlich „Privat- und Unternehmenskunden“ sowie „Firmenkunden“. Die Segmente Mittelstandsbank und Corporates & Markets werden gebündelt und das Handelsgeschäft im Investmentbanking reduziert. Das Mittelstandgeschäft, lange der mit Abstand größte Ertragsbringer des Konzerns, litt zuletzt immer stärker unter dem Niedrigzinsniveau.

Die Commerzbank kämpft wie die Konkurrenz mit den Folgen des anhaltenden Zinstiefs und deutlich verschärften Auflagen der Aufseher. Im ersten Halbjahr brach der Überschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 40 Prozent auf 372 Millionen Euro ein.

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